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kniepig

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
kniepig
Worttrennung
knie·pig
Komparativ
kniepiger
Superlativ
am kniepigsten

Norddeutsch und umgangssprachlich für geizig. Steigerung bewertet zurückhaltendes Ausgeben; für überregionale Leser die Bedeutung bei Bedarf kurz erklären.

Formen und Verwendung im Detail

Norddeutsche Bezeichnung für geizig: Geld oder andere Mittel nur widerwillig ausgebend oder abgebend.

Was bedeutet kniepig?

Kniepig ist ein norddeutsch geprägtes Wort für geizig. Es beschreibt jemanden, der nur ungern etwas ausgibt oder abgibt und nach Ansicht der sprechenden Person zu wenig Großzügigkeit zeigt. Häufig passt es in eine vertraute, mündlich wirkende Gesprächssituation. Der regionale Ausdruck bezeichnet dabei keine andere Form von Geiz als das überregional verständliche Grundwort.

Wie stark die Kritik klingt, hängt vom Ton und vom Anlass ab. Unter vertrauten Menschen kann die Aufforderung, nicht so kniepig zu sein, scherzhaft gemeint sein. In einem Streit kann sie dagegen als ernsthafter Vorwurf auftreten. Regionalität macht das Wort also nicht automatisch freundlich oder harmlos. Auch eine scherzhafte Formulierung kann jemanden unter Druck setzen, mehr Geld auszugeben, als ihm möglich oder angenehm ist.

Für eine sachliche Beschreibung sollte deutlich werden, worauf sich der Vorwurf bezieht. Ein bewusst einfaches Leben oder ein günstiger Einkauf zeigt noch keinen Geiz. Aussagekräftiger sind etwa ein demonstratives Zurückhalten trotz ausreichender Möglichkeiten oder das Verweigern eines angemessenen Anteils an gemeinsam entstandenen Kosten. Das Adjektiv bewertet dann einen konkreten Umgang mit Mitteln, nicht die Herkunft oder den sozialen Status der Person.

Drei Beispiele für kniepig

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Beim Sammeln für den gemeinsamen Kuchen nannte sie ihren Bruder kniepig, weil er nichts beitragen wollte, aber das größte Stück verlangte.“

Der Vorwurf entsteht aus dem Gegensatz zwischen eigener Forderung und fehlendem Beitrag. Das Wort gehört hier zur Figurenrede.

„Der Wirt galt als kniepig, seit er selbst bei einem voll bezahlten Frühstück jede zusätzliche Scheibe Brot widerwillig herausgab.“

Die wiederkehrende Art des Gewährens begründet die Zuschreibung in der Erzählung. Ob die Bewertung gerecht ist, hängt auch vom vereinbarten Angebot ab.

„Die Großmutter sagte lachend, sie sei heute einmal nicht kniepig, und lud alle zum Eis ein.“

Die Selbstbeschreibung spielt mit dem regionalen Wort. Der Satz zeigt einen lockeren Ton, ohne eine dauerhafte Eigenschaft sicher festzulegen.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Geizig
Ist das überregional verständliche Bedeutungswort. Kniepig fügt vor allem eine norddeutsche sprachliche Färbung hinzu.
Knickrig
Ist umgangssprachlich und abwertend, mit sehr ähnlicher Bedeutung. Auch hier sollte kein fester Unterschied in der Stärke des Geizes behauptet werden.
Knauserig
Betont häufig kleinliches Sparen im Alltag. In vielen Situationen passen beide Wörter, während ihre regionale Verbreitung verschieden ist.

Schreibung und Grammatik

Kniepig wird mit ie geschrieben. Es heißt ein kniepiger Gastgeber, eine kniepige Reaktion und kniepiges Verhalten. Die Steigerung lautet kniepiger, am kniepigsten. In er ist kniepig steht das Adjektiv prädikativ. Wer einen neutralen Text für einen größeren Leserkreis schreibt, kann beim ersten Auftreten die Bedeutung geizig ergänzen.

Die Übersicht zu Adjektiven erläutert Beugung und Verwendung im Satz.

Beugung von kniepig

Ein kniepiger Gastgeber gibt nur ungern etwas aus. Das norddeutsche, umgangssprachliche Wort kann für überregionale Leser mit geizig erläutert werden.

Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativkniepigerkniepigekniepigeskniepige
Genitivkniepigenkniepigerkniepigenkniepiger
Dativkniepigemkniepigerkniepigemkniepigen
Akkusativkniepigenkniepigekniepigeskniepige
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativkniepigekniepigekniepigekniepigen
Genitivkniepigenkniepigenkniepigenkniepigen
Dativkniepigenkniepigenkniepigenkniepigen
Akkusativkniepigenkniepigekniepigekniepigen
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativkniepigerkniepigekniepigeskniepigen
Genitivkniepigenkniepigenkniepigenkniepigen
Dativkniepigenkniepigenkniepigenkniepigen
Akkusativkniepigenkniepigekniepigeskniepigen

Herkunft und Wortbildung

Duden führt kniepig auf niederdeutsch kniepen in der Bedeutung geizen zurück. Die Herkunft entspricht der norddeutschen Einordnung des heutigen Wortes. Die Buchstabenfolge Knie- ist daher nicht als Hinweis auf das Körperteil Knie zu erklären.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Der Bruder möchte vom gemeinsamen Kuchen besonders viel erhalten, lehnt aber jeden eigenen Beitrag ab. Seine Schwester bezeichnet ihn deshalb als kniepig. Eine Analyse kann zwischen dieser Figurenwertung und einem eigenen Urteil unterscheiden. Zugleich zeigt die Wortwahl etwas über den regional oder vertraut gefärbten Gesprächston der Szene.

Wie Beobachtung, Textbeleg und Deutung zusammengehören, erklärt die Anleitung zur Charakterisierung.

Kniepig in der Übersicht der Charaktereigenschaften