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labil

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
labil
Worttrennung
la·bil
Komparativ
labiler
Superlativ
am labilsten

Vergleiche können geringe Stabilität oder eine wechselnde Verfassung betreffen. Ein labil wirkender Zustand ist für sich keine psychologische Diagnose.

Formen und Verwendung im Detail

Nicht dauerhaft gefestigt und leicht aus dem Gleichgewicht zu bringen; bei Personen auf eine schwankende innere Verfassung bezogen.

Was bedeutet labil?

Labil beschreibt fehlende oder geringe Stabilität. Etwas verändert sich leicht, gerät durch Einflüsse aus dem Gleichgewicht oder bleibt nicht verlässlich in einem Zustand. Das Wort kann eine politische Lage, eine Konstruktion oder die Verfassung einer Person betreffen. Welche Art von Gleichgewicht gemeint ist, muss der Zusammenhang zeigen.

Bei Menschen kann labil eine innere Verfassung beschreiben, die stark schwankt oder durch Belastungen leicht erschüttert wird. Die Formulierung nach der Nachricht labil grenzt die Aussage auf eine Situation ein. Eine pauschale Bezeichnung als labiler Mensch geht erheblich weiter. Sichtbare Gefühle, ein einzelner Zweifel oder das Bedürfnis nach Unterstützung reichen nicht aus, um eine dauerhaft wenig gefestigte Persönlichkeit zu behaupten.

Das Wort wird auch in medizinischen und psychologischen Zusammenhängen verwendet, liefert für sich allein aber keine Diagnose und keine Erklärung der Ursache. In einer literarischen Analyse sollten die dargestellten Schwankungen oder Belastungen beschrieben werden. Wichtig ist zudem, Stabilität nicht mit Gefühllosigkeit gleichzusetzen: Eine Figur kann traurig, berührt oder verunsichert sein und dennoch überlegt handeln und verlässliche Beziehungen pflegen.

Drei Beispiele für labil

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Nach den widersprüchlichen Nachrichten wirkte die Figur labil: Ihre Zuversicht brach bei jedem neuen Gerücht wieder zusammen.“

Der Text zeigt wiederholte Schwankungen in einem bestimmten Abschnitt. Er legt keine medizinische Ursache fest.

„Die Vereinbarung blieb labil, weil schon kleine Unstimmigkeiten die Beteiligten zum Rückzug bewegten.“

Hier geht es um eine fragile soziale Regelung. Es wird nicht behauptet, alle Beteiligten hätten dieselbe persönliche Verfassung.

„Sie weinte während des Gesprächs, hielt aber an ihrem gut begründeten Entschluss fest; allein ihre Tränen machten sie nicht labil.“

Das Gegenbeispiel trennt sichtbare Gefühle von fehlender innerer Festigkeit. Ein emotionaler Ausdruck erlaubt kein umfassendes Urteil.

Synonyme für labil: passend zum Zusammenhang

Labil beschreibt geringe Stabilität oder ein leicht störbares Gleichgewicht. Bei Personen kann eine schwankende innere Verfassung gemeint sein, bei Vereinbarungen ein unsicherer Bestand. Eine Alternative sollte den konkreten Bereich treffen. Sichtbare Gefühle allein belegen keine Labilität und rechtfertigen keine pauschale Einschätzung eines Menschen.

Wortalternativen und ihre Unterschiede
ErsatzwortPasst beiUnterschied
instabilZuständen, Konstruktionen und VerhältnissenIst eine allgemeine Alternative für fehlende Stabilität; die Ursache bleibt offen.
schwankendStimmungen, Einstellungen und EntwicklungenHebt Veränderungen zwischen verschiedenen Zuständen hervor, nicht allein die leichte Störbarkeit.
fragilVereinbarungen und empfindlichen GleichgewichtenBetont Verletzlichkeit und die Gefahr des Zerbrechens; ein häufiges tatsächliches Schwanken ist nicht vorausgesetzt.

Wörter im Satz vergleichen

Die folgenden Satzpaare sind eigene Sprachbeispiele.

Ausgangssatz: „Die Zusammenarbeit bleibt nach dem Streit labil.“
Alternative: „Die Zusammenarbeit bleibt nach dem Streit fragil.“

Fragil lenkt auf die leichte Gefährdung des erreichten Zustands. Labil kann zusätzlich nahelegen, dass das Verhältnis bei kleinen Anlässen wiederholt kippt.

Ausgangssatz: „Ihre Zuversicht wirkt in diesen Tagen labil.“
Alternative: „Ihre Zuversicht wirkt in diesen Tagen schwankend.“

Schwankend beschreibt die beobachtbare Veränderung näher. Die zeitliche Begrenzung verhindert, dass aus einer belastenden Phase ein Urteil über die gesamte Persönlichkeit wird.

Hier passt der Austausch nicht: Empfindlich bedeutet nicht automatisch labil. Eine Person kann auf einen bestimmten Reiz stark reagieren und trotzdem überlegt handeln. Auch Weinen oder das Annehmen von Unterstützung beweist keine mangelnde innere Stabilität.

Für eine Figurenanalyse sind wiederholte Veränderungen und ihr Anlass entscheidend. „Nach jeder neuen Nachricht verwirft sie ihren Entschluss“ trägt die Deutung stärker als ein einzelner trauriger Blick. Das Wort liefert dabei keine medizinische Diagnose.

Weitere Abgrenzungen: Ähnliche Wörter unterscheiden
Empfindlich
Kann leichte Verletzbarkeit oder eine starke Reaktion auf bestimmte Reize beschreiben. Labil hebt stärker die schwankende oder leicht gestörte Stabilität hervor.
Unentschlossen
Bezeichnet Schwierigkeiten, eine Entscheidung zu treffen. Jemand kann in einer einzelnen Frage unsicher sein, ohne insgesamt labil zu wirken.
Kontrolliert
Beschreibt die Steuerung sichtbarer Reaktionen. Ein kontrolliertes Äußeres ist kein sicherer Nachweis innerer Stabilität; beide Ebenen müssen getrennt betrachtet werden.

Schreibung und Grammatik

Labil wird auf der zweiten Silbe betont. Die Steigerung lautet labiler, am labilsten. Formen sind ein labiler Zustand, eine labile Vereinbarung und ein labiles Gleichgewicht. Das Substantiv heißt Labilität. In sie wirkt labil steht das Adjektiv prädikativ. Zeitliche Ergänzungen wie seit dem Ereignis oder in diesem Abschnitt helfen, den Geltungsbereich einer Personenbeschreibung zu begrenzen.

Die Übersicht zu Adjektiven erläutert Beugung und Verwendung im Satz.

Beugung von labil

Ein labiles Gleichgewicht ist störanfällig. Bei einer labilen Stimmung geht es um eine wechselnde oder wenig gefestigte Verfassung; ein solcher Eindruck allein ist keine medizinische Diagnose.

Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativlabilerlabilelabileslabile
Genitivlabilenlabilerlabilenlabiler
Dativlabilemlabilerlabilemlabilen
Akkusativlabilenlabilelabileslabile
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativlabilelabilelabilelabilen
Genitivlabilenlabilenlabilenlabilen
Dativlabilenlabilenlabilenlabilen
Akkusativlabilenlabilelabilelabilen
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativlabilerlabilelabileslabilen
Genitivlabilenlabilenlabilenlabilen
Dativlabilenlabilenlabilenlabilen
Akkusativlabilenlabilelabileslabilen

Herkunft und Wortbildung

Das Wort geht auf spätlateinisch labilis zurück, das leicht gleitend bedeutet. Zugrunde liegt lateinisch labi für gleiten. Im heutigen Gebrauch steht das Bild einer wenig festen Lage hinter verschiedenen Anwendungen. Die sprachliche Verwandtschaft mit einer Bewegung erklärt jedoch nicht die Ursache eines konkreten menschlichen Zustands.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Die Zuversicht der Figur kippt in mehreren aufeinanderfolgenden Szenen, sobald ein neues Gerücht auftaucht. In diesem Handlungsabschnitt erscheint ihre innere Verfassung labil. Die Analyse kann die wechselnden Reaktionen und die Belastungssituation zeigen. Sie sollte weder aus einzelnen Gefühlsäußerungen eine Erkrankung ableiten noch eine spätere Stabilisierung übergehen.

Wie Beobachtung, Textbeleg und Deutung zusammengehören, erklärt die Anleitung zur Charakterisierung.

Labil in der Übersicht der Charaktereigenschaften