machtversessen

Emotional und abwertend für starkes Verlangen nach Macht; in ausgeprägter Weise darauf aus, Einfluss oder Herrschaft zu gewinnen.

Was bedeutet machtversessen?

Machtversessen bezeichnet ein starkes, negativ beurteiltes Verlangen nach Macht. Die Person oder Gruppe will Einfluss gewinnen, Entscheidungen bestimmen oder eine beherrschende Stellung sichern. Der Ausdruck ist emotional gefärbt und liegt in seiner Bedeutung sehr nahe bei machtgierig. Er macht aus der bloßen Feststellung eines politischen oder persönlichen Ziels bereits eine Bewertung dieses Strebens.

Die Bezeichnung kann auf Verhalten, einzelne Akteure oder Gruppen bezogen werden. Eine machtversessene Partei in einer erfundenen Erzählung verfolgt beispielsweise vor allem ihren eigenen Zugriff auf Entscheidungen. Dass eine Gruppe Verantwortung übernehmen will, genügt für diese Beschreibung noch nicht. Der Text sollte erkennen lassen, weshalb das Streben nach Macht als übermäßig erscheint und welche anderen Zwecke ihm untergeordnet werden.

Der Wortbestandteil versessen zeichnet das starke Wollen bildlich. Daraus folgt jedoch kein genauer Unterschied etwa zwischen einem nur vorübergehenden Wunsch und einem dauerhaften Charakterzug. Auch gegenüber machtgierig oder machtbesessen gibt es keine feste, überall passende Stärkeordnung. Für die konkrete Aussage sind die beschriebenen Handlungen und der Ton des Sprechers wichtiger als eine vermeintliche Skala der Wörter.

Drei Beispiele für machtversessen

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Die machtversessene Gruppe änderte im Roman jedes gemeinsame Verfahren, sobald es ihren eigenen Einfluss begrenzte.“

Das wiederholte Unterordnen der Verfahren unter den eigenen Vorteil erklärt die Wertung. Eine einmalige Regeländerung allein wäre weniger aussagekräftig.

„Er warf ihr machtversessenes Handeln vor, obwohl sie die gewünschte Entscheidung anschließend einer unabhängigen Gruppe überließ.“

Der weitere Ablauf kann dem Vorwurf widersprechen. Eine Analyse sollte die Zuschreibung nicht ohne Prüfung übernehmen.

„Der Erzähler nennt die Berater machtversessen, weil sie über die Nachfolge streiten, während die dringendste gemeinsame Aufgabe unerledigt bleibt.“

Der Gegensatz zwischen Machtverteilung und eigentlichem Auftrag trägt die Kritik. Er macht das Werturteil im erzählten Zusammenhang verständlich.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Machtgierig
Ist eine sehr nahe Bedeutungsentsprechung. Ein fester Unterschied nach Dauer oder Stärke des Verlangens sollte nicht unterstellt werden.
Machtbesessen
Kann das Bestimmtsein durch den Wunsch nach Macht hervorheben. In vielen Sätzen überschneiden sich die Wörter deutlich.
Machthaberisch
Richtet den Blick auf ein herrisches, bestimmendes Auftreten. Machtversessen betont vor allem das negativ bewertete Verlangen nach Einfluss; beides kann zusammen vorkommen.

Schreibung und Grammatik

Machtversessen wird zusammengeschrieben und mit ss geschrieben: eine machtversessene Gruppe, ein machtversessener Berater. Die Steigerung lautet machtversessener, am machtversessensten. Prädikativ bleibt das Adjektiv ungebeugt: Sie wirken machtversessen. Die entsprechende Wortgruppe lautet auf Macht versessen; auf verlangt in dieser Verbindung den Akkusativ.

Die Übersicht zu Adjektiven erläutert Beugung und Verwendung im Satz.

Herkunft und Wortbildung

Die Wortbildung verbindet Macht mit versessen. Versessen auf etwas beschreibt ein starkes Verlangen danach. In der Zusammensetzung wird der Gegenstand dieses Verlangens vorangestellt. Die heutige Verwendung ist emotional und abwertend; die anschauliche Bildung enthält kein messbares Kriterium dafür, wie stark ein Wunsch sein muss, um so genannt zu werden.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Die Berater lassen eine dringende Aufgabe liegen und beschäftigen sich nur damit, wer künftig über sie entscheiden darf. Wird dieser Vorrang der eigenen Stellung im Text deutlich, kann ihr Verhalten als machtversessen beschrieben werden. Die Analyse sollte zeigen, wie das Machtstreben die gemeinsame Aufgabe verdrängt, und zwischen der eigenen Deutung und einer bloßen Beschimpfung durch andere Figuren unterscheiden.

Wie Beobachtung, Textbeleg und Deutung zusammengehören, erklärt die Anleitung zur Charakterisierung.

Quellen und weiterführende Seiten

Quellen geprüft am 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.

Machtversessen in der Übersicht der Charaktereigenschaften