Meine Wörter

masochistisch

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
masochistisch
Worttrennung
ma·so·chis·tisch
Komparativ
masochistischer
Superlativ
am masochistischsten

Die Steigerung kann eine Vorliebe oder übertragen selbstquälerisches Verhalten vergleichen. Der Fachbezug zu Masochismus ist vom allgemeinen Sprachbild zu trennen; die Form ist keine Diagnose einer ganzen Person.

Formen und Verwendung im Detail

Auf Masochismus bezogen, also auf sexuelles Erleben mit Lust an erlittenem Schmerz oder Demütigung; übertragen auch selbstquälerisch.

Was bedeutet masochistisch?

Masochistisch hat zwei wichtige Verwendungen. Im sexuellen Zusammenhang bezieht es sich auf Masochismus: Erlebter Schmerz oder Demütigung ist dabei mit sexueller Lust verbunden. Das Wort beschreibt eine Art des Erlebens und sagt für sich genommen nichts über den gesamten Charakter eines Menschen aus. Einvernehmliche sexuelle Vorlieben sind zudem von einer diagnostizierten Störung zu unterscheiden.

Übertragen bedeutet masochistisch selbstquälerisch. Wer sich beispielsweise freiwillig immer wieder mit einer besonders unangenehmen Erinnerung beschäftigt, kann dies selbstironisch so nennen. In solchen Sätzen ist häufig kein sexuelles Erleben gemeint. Das Wort ist dann eine bildliche, teils zugespitzte Bewertung des eigenen oder fremden Umgangs mit Unangenehmem.

Die beiden Bedeutungen dürfen nicht ineinander überführt werden. Das Durchhalten bei einer schwierigen Aufgabe belegt keine Lust am Schmerz. Auch wer unter einem schädigenden Verhältnis leidet, darf nicht deshalb als jemand beschrieben werden, der das Leiden wünsche. Für eine literarische Analyse sind ausdrücklich erzählte Empfindungen und der jeweilige Sprachgebrauch entscheidend. Eine psychiatrische Diagnose lässt sich aus dem Adjektiv nicht ableiten.

Drei Beispiele für masochistisch

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„In ihrer Selbstauskunft bezeichnet die erwachsene Figur die einvernehmlich vereinbarte erotische Vorliebe als masochistisch.“

Die Aussage betrifft einen ausdrücklich benannten sexuellen Zusammenhang. Sie ist weder ein umfassendes Charakterurteil noch automatisch eine Krankheitsdiagnose.

„Es ist beinahe masochistisch, murmelte er, als er sich zum vierten Mal die Aufnahme seiner verpatzten Rede anhörte.“

Die Figur kommentiert ihr wiederholtes unangenehmes Erleben selbstironisch. Der Satz verwendet die übertragene Bedeutung selbstquälerisch.

„Sie nahm die anstrengende Vorbereitung auf sich, weil ihr das Ziel wichtig war; daraus folgte kein masochistisches Vergnügen.“

Das Gegenbeispiel trennt das Inkaufnehmen einer Belastung von Lust daran. Ausdauer und eine sexuelle Vorliebe sind unterschiedliche Aussagen.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Selbstquälerisch
Ist für die übertragene Verwendung häufig die genauere Beschreibung. Es legt den sexuellen Bezug des anderen Bedeutungsbereichs nicht nahe.
Leidensfähig
Beschreibt die Fähigkeit, Belastungen auszuhalten. Daraus folgt nicht, dass das Leiden selbst als lustvoll erlebt oder gesucht wird.
Ausdauernd
Betont das Fortsetzen einer Tätigkeit trotz Mühe. Das Ziel der Anstrengung kann außerhalb der Belastung liegen; ein masochistisches Erleben wird damit nicht behauptet.

Schreibung und Grammatik

Masochistisch wird mit ch und der Endung -istisch geschrieben: eine masochistische Vorliebe, ein masochistisch genanntes Verhalten. In sie beschreibt ihr Verhalten als masochistisch bleibt die Form ungebeugt. Die verwandten Nomen lauten Masochismus und Masochist beziehungsweise Masochistin. Bei Personen ist es häufig genauer, eine konkrete Vorliebe oder eine Äußerung zu benennen, statt den Menschen auf ein Etikett zu reduzieren.

Die Übersicht zu Adjektiven erläutert Beugung und Verwendung im Satz.

Beugung von masochistisch

Eine masochistische Vorliebe ist vom übertragenen selbstquälerischen Verhalten zu unterscheiden. Die Beugung gibt keine Grundlage, eine ganze Person auf diesen einzelnen Bereich festzulegen.

Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativmasochistischermasochistischemasochistischesmasochistische
Genitivmasochistischenmasochistischermasochistischenmasochistischer
Dativmasochistischemmasochistischermasochistischemmasochistischen
Akkusativmasochistischenmasochistischemasochistischesmasochistische
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativmasochistischemasochistischemasochistischemasochistischen
Genitivmasochistischenmasochistischenmasochistischenmasochistischen
Dativmasochistischenmasochistischenmasochistischenmasochistischen
Akkusativmasochistischenmasochistischemasochistischemasochistischen
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativmasochistischermasochistischemasochistischesmasochistischen
Genitivmasochistischenmasochistischenmasochistischenmasochistischen
Dativmasochistischenmasochistischenmasochistischenmasochistischen
Akkusativmasochistischenmasochistischemasochistischesmasochistischen

Herkunft und Wortbildung

Das Adjektiv gehört zur Wortfamilie Masochismus. Duden führt diese Bezeichnung auf den Namen des österreichischen Schriftstellers Leopold von Sacher-Masoch zurück. Die Namensherkunft erklärt den sprachgeschichtlichen Zusammenhang. Für die heutige Verwendung bleiben der sexuelle Bedeutungsbereich und die übertragene Beschreibung selbstquälerischen Verhaltens voneinander zu unterscheiden.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Die Figur hört ihre misslungene Rede immer wieder an und nennt diesen Umgang mit der Erinnerung selbst masochistisch. Die Analyse kann den selbstironischen Ton und die wiederholte Beschäftigung mit dem unangenehmen Erlebnis beschreiben. Sie sollte daraus keine sexuelle Vorliebe oder Störung folgern. Solche Aussagen gingen über die dargestellte Szene hinaus.

Wie Beobachtung, Textbeleg und Deutung zusammengehören, erklärt die Anleitung zur Charakterisierung.

Masochistisch in der Übersicht der Charaktereigenschaften