Meine Wörter

materialistisch

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
materialistisch
Worttrennung
ma·te·ri·a·lis·tisch
Komparativ
materialistischer
Superlativ
am materialistischsten

Die Vergleichsformen passen besonders zur oft abwertenden Bewertung von Besitzdenken. Die Zuordnung zu einer philosophischen Lehre wird gewöhnlich nicht gesteigert.

Formen und Verwendung im Detail

Im Alltag oft abwertend: stark auf Besitz und materiellen Gewinn ausgerichtet; in der Philosophie auf die Erklärung der Wirklichkeit aus Materie bezogen.

Was bedeutet materialistisch?

Materialistisch beschreibt im alltäglichen Personenurteil eine starke Ausrichtung auf Besitz, Geld oder materiellen Gewinn. Häufig klingt das Wort abwertend: Der Sprecher meint dann, andere Werte würden hinter dem Habenwollen zurücktreten. Eine genaue Beschreibung muss zeigen, woran sich diese Gewichtung erkennen lässt, statt aus einer einzelnen Anschaffung auf die gesamte Haltung zu schließen.

In der Philosophie hat materialistisch eine andere Bedeutung. Es bezeichnet eine Auffassung, die die Wirklichkeit als materiell versteht oder aus Materie ableitet. Damit ist nicht behauptet, dass die Person viel besitzen möchte. Umgekehrt vertritt jemand mit starkem Interesse an Geld nicht automatisch eine bestimmte philosophische Lehre. Die zwei Verwendungen des gemeinsamen Wortes sind inhaltlich auseinanderzuhalten.

Auch die Sorge um den Lebensunterhalt ist nicht bereits ein Beleg für eine materialistische Haltung im abwertenden Sinn. Wer auf verlässliche Bezahlung achtet oder Anschaffungen sorgfältig plant, verfolgt zunächst einen praktischen Bedarf. Für den weitergehenden Vorwurf wäre etwa bedeutsam, ob Beziehungen und gemeinsame Ziele ausschließlich nach ihrem finanziellen Nutzen beurteilt werden. Der Zusammenhang liefert den Maßstab.

Drei Beispiele für materialistisch

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Die Romanfigur wirkt materialistisch, weil sie jede Freundschaft danach beurteilt, welchen Besitz oder Vorteil sie ihr verschaffen könnte.“

Das Verhalten zeigt die Vorrangstellung materiellen Nutzens. Eine bloße Vorliebe für einen schönen Gegenstand wäre ein schwächerer Beleg.

„Der Text entwickelt eine materialistische Erklärung des Bewusstseins und fragt nach dessen körperlichen Grundlagen.“

Hier ist der philosophische Bedeutungsbereich gemeint. Über das persönliche Konsumverhalten des Verfassers sagt der Satz nichts aus.

„Sie bestand auf der vereinbarten Bezahlung; sie deshalb materialistisch zu nennen, würde einen berechtigten Anspruch mit einer umfassenden Haltung verwechseln.“

Der konkrete Bedarf wird von der abwertenden Charakterzuschreibung getrennt. Nicht jede Geldfrage zeigt ein Übergewicht des Besitzdenkens.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Materiell
Bezieht sich auf Stoffliches oder auf Besitz und finanzielle Mittel. Eine materielle Unterstützung ist nicht schon Ausdruck einer materialistischen Lebenshaltung.
Gewinnorientiert
Richtet sich auf das Erzielen eines Gewinns und kann eine sachliche Zielbeschreibung sein. Materialistisch als Personenurteil bewertet häufig die umfassendere Gewichtung von Besitz.
Konsumorientiert
Lenkt den Blick auf Erwerb und Gebrauch von Gütern. Materialistisch kann auch Macht über Besitz oder finanziellen Vorteil betreffen, ohne besonders viel Konsum zu verlangen.

Schreibung und Grammatik

Materialistisch enthält die Wortfolge material- und die Endung -istisch: eine materialistische Haltung, ein materialistischer Ansatz. Die Steigerung materialistischer passt vor allem zur graduellen Bewertung des Besitzdenkens. Bei einer philosophischen Zuordnung ist meist genauer zu erläutern, welche Lehre oder Annahme gemeint ist. Die verwandten Nomen heißen Materialismus und Materialist beziehungsweise Materialistin.

Die Übersicht zu Adjektiven erläutert Beugung und Verwendung im Satz.

Beugung von materialistisch

Eine materialistische Haltung kann Besitz stark gewichten oder eine philosophische Lehre betreffen. Eine Abstufung des Besitzdenkens ist nicht dieselbe Aussage wie die Zugehörigkeit zu einer Lehre.

Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativmaterialistischermaterialistischematerialistischesmaterialistische
Genitivmaterialistischenmaterialistischermaterialistischenmaterialistischer
Dativmaterialistischemmaterialistischermaterialistischemmaterialistischen
Akkusativmaterialistischenmaterialistischematerialistischesmaterialistische
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativmaterialistischematerialistischematerialistischematerialistischen
Genitivmaterialistischenmaterialistischenmaterialistischenmaterialistischen
Dativmaterialistischenmaterialistischenmaterialistischenmaterialistischen
Akkusativmaterialistischenmaterialistischematerialistischematerialistischen
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativmaterialistischermaterialistischematerialistischesmaterialistischen
Genitivmaterialistischenmaterialistischenmaterialistischenmaterialistischen
Dativmaterialistischenmaterialistischenmaterialistischenmaterialistischen
Akkusativmaterialistischenmaterialistischematerialistischesmaterialistischen

Herkunft und Wortbildung

Das Adjektiv gehört zur Wortfamilie Materialismus. Für dieses Nomen nennt Duden französisch matérialisme als Herkunft. In der Adjektivbildung steht -istisch anstelle der Substantivendung -ismus. Die heutige Wortfamilie umfasst sowohl die oft abgewertete Orientierung am Besitz als auch den philosophischen Bedeutungsbereich; die gemeinsame Bildung macht sie nicht bedeutungsgleich.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Die Figur beendet eine langjährige Freundschaft, sobald diese keinen finanziellen Vorteil mehr verspricht, und sucht sofort eine gewinnbringendere Verbindung. Dies kann eine materialistische Haltung zeigen. Die Analyse sollte erklären, wie der Text den Vorrang materiellen Nutzens erkennen lässt. Philosophische Überzeugungen sind damit noch nicht beschrieben.

Wie Beobachtung, Textbeleg und Deutung zusammengehören, erklärt die Anleitung zur Charakterisierung.

Materialistisch in der Übersicht der Charaktereigenschaften