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menschenscheu

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
menschenscheu
Worttrennung
men·schen·scheu

Beschreibt scheues oder abweisendes Verhalten im Umgang mit Menschen. Ein Vergleich braucht konkrete Situationen; der Eindruck ist kein Beleg für Menschenfeindlichkeit.

Formen und Verwendung im Detail

Im Umgang mit Menschen scheu, zurückhaltend oder abweisend und persönlichen Begegnungen eher ausweichend.

Was bedeutet menschenscheu?

Menschenscheu beschreibt eine Art des Umgangs, bei der jemand Begegnungen mit Menschen zurückhaltend, scheu oder abweisend gegenübersteht. Eine Person sucht etwa möglichst wenig persönlichen Kontakt oder zieht sich zurück, sobald andere ein Gespräch beginnen. Das Wort kann ein wiederkehrendes Verhalten charakterisieren. Es lässt aber zunächst offen, wie die Person ihre Zurückhaltung selbst erlebt und weshalb sie so handelt.

Scheu ist nicht mit Verachtung gleichzusetzen. Ein menschenscheuer Bewohner kann seinen Nachbarn aus der Ferne aufmerksam helfen und persönlichen Begegnungen trotzdem ausweichen. Auch kann die Zurückhaltung gegenüber Unbekannten stärker sein als im vertrauten Kreis. Wer die Bezeichnung verwendet, sollte deshalb benennen, welche Kontakte gemeint sind und ob der Text Ausnahmen zeigt.

Ein einzelner Wunsch nach Ruhe reicht als Beleg kaum aus. Nach einer anstrengenden Veranstaltung allein sein zu wollen ist noch keine wiederkehrende Scheu vor Menschen. Ebenso ist menschenscheu keine medizinische Diagnose. Für eine Figurenbeschreibung zählen beobachtete Begegnungen, ausdrücklich mitgeteilte Empfindungen und die Perspektive des Erzählers. Aus einem stillen Auftreten lässt sich weder eine bestimmte Erkrankung noch eine feindliche Haltung zuverlässig erschließen.

Drei Beispiele für menschenscheu

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Der menschenscheue Nachbar stellte das geliehene Werkzeug vor die Tür und ging fort, bevor sich ein Gespräch ergeben konnte.“

Das Ausweichen vor der Begegnung erläutert die Zuschreibung. Die verlässliche Rückgabe zeigt zugleich, dass Kontaktvermeidung nicht mit Rücksichtslosigkeit gleichgesetzt werden muss.

„Gegenüber Unbekannten wirkte sie menschenscheu, mit ihrer langjährigen Freundin sprach sie jedoch unbefangen.“

Der Satz begrenzt die Beobachtung auf einen bestimmten Personenkreis. Er behauptet keine ausnahmslose Zurückgezogenheit.

„Nach dem lauten Fest wollte er allein spazieren gehen; ihn deshalb menschenscheu zu nennen, wäre voreilig.“

Das Gegenbeispiel unterscheidet eine einzelne Ruhepause von einem umfassenderen Urteil über den Umgang mit Menschen.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Menschenfeindlich
Kann eine ablehnende Haltung gegenüber Menschen oder einen unmenschlichen Umgang benennen. Menschenscheu legt den Schwerpunkt auf Scheu und Abstand; Feindschaft folgt daraus nicht.
Kontaktscheu
Liegt in der Bedeutung sehr nahe. Menschenscheu benennt ausdrücklich Menschen als Gegenüber; aus den beiden Wörtern allein lässt sich keine feste Abstufung der Stärke gewinnen.
Kontaktmeidend
Beschreibt besonders das Ausweichen vor Kontakt. Das kann auch aus einem praktischen Entschluss geschehen, während menschenscheu stärker die scheue Art im Umgang erkennen lässt.

Schreibung und Grammatik

Menschenscheu wird zusammengeschrieben. Formen sind ein menschenscheuer Bewohner, eine menschenscheue Figur und menschenscheues Verhalten. In sie wirkt menschenscheu steht das Adjektiv prädikativ und bleibt ungebeugt. Ein Vergleich braucht konkrete Begegnungen, in denen jemand stärker zurückweicht oder persönliche Kontakte deutlicher meidet. Das zugehörige Substantiv heißt Menschenscheu; es bezeichnet die Scheu selbst und wird großgeschrieben.

Die Übersicht zu Adjektiven erläutert Beugung und Verwendung im Satz.

Beugung von menschenscheu

Die Formen beziehen sich auf Scheu im Umgang mit Menschen: ein menschenscheuer Bewohner, mit einer menschenscheuen Figur. Das Wort erklärt noch nicht den Grund des Rückzugs und bezeichnet keine medizinische Diagnose. Eine einzelne Ruhepause reicht als Beleg kaum aus. In Er wirkt menschenscheu bleibt die Grundform stehen.

Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativmenschenscheuermenschenscheuemenschenscheuesmenschenscheue
Genitivmenschenscheuenmenschenscheuermenschenscheuenmenschenscheuer
Dativmenschenscheuemmenschenscheuermenschenscheuemmenschenscheuen
Akkusativmenschenscheuenmenschenscheuemenschenscheuesmenschenscheue
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativmenschenscheuemenschenscheuemenschenscheuemenschenscheuen
Genitivmenschenscheuenmenschenscheuenmenschenscheuenmenschenscheuen
Dativmenschenscheuenmenschenscheuenmenschenscheuenmenschenscheuen
Akkusativmenschenscheuenmenschenscheuemenschenscheuemenschenscheuen
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativmenschenscheuermenschenscheuemenschenscheuesmenschenscheuen
Genitivmenschenscheuenmenschenscheuenmenschenscheuenmenschenscheuen
Dativmenschenscheuenmenschenscheuenmenschenscheuenmenschenscheuen
Akkusativmenschenscheuenmenschenscheuemenschenscheuesmenschenscheuen

Herkunft und Wortbildung

Die Zusammensetzung verbindet Menschen- mit scheu. Der erste Bestandteil nennt, worauf sich die Scheu richtet. Anders als bei einer bloß scheuen Reaktion ist der Bereich also bereits im Wort enthalten. Die Wortbildung erklärt diese Eingrenzung, aber nicht die persönliche Ursache eines beobachteten Rückzugs.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Die Figur erledigt zugesagte Hilfen zuverlässig, wählt dafür jedoch wiederholt Zeiten, zu denen niemand anwesend ist. Sie erscheint menschenscheu, weil sie die persönliche Begegnung vermeidet. Eine genaue Analyse kann diesen Abstand neben ihre Hilfsbereitschaft stellen. So bleibt sichtbar, dass geringe Kontaktfreude und ein rücksichtsvoller Umgang nebeneinander bestehen können.

Wie Beobachtung, Textbeleg und Deutung zusammengehören, erklärt die Anleitung zur Charakterisierung.

Menschenscheu in der Übersicht der Charaktereigenschaften