missgünstig

Missgünstig: Einem anderen Erfolg, Vorteile oder etwas Gutes nicht gönnend und diese ablehnende Haltung empfindend oder zeigend.

Was bedeutet missgünstig?

Missgünstig ist jemand, der einem anderen etwas Gutes nicht gönnt. Die Person reagiert beispielsweise auf einen Erfolg mit Abwertung oder wünscht, der Vorteil möge wieder verloren gehen. Der Schwerpunkt liegt nicht nur darauf, selbst etwas haben zu wollen, sondern darauf, es dem anderen nicht zugestehen zu wollen.

Eigener Ehrgeiz ist deshalb noch keine Missgunst. Man kann einen Wettbewerb gewinnen wollen und sich dennoch über eine verdiente Leistung anderer freuen. Ebenso wenig ist begründete Kritik automatisch missgünstig. Entscheidend ist, ob sachliche Einwände vorliegen oder ob der fremde Erfolg als solcher die Ablehnung auslöst.

Missgunst ist eine innere Haltung, die in einer Charakterisierung nicht allein aus einem ernsten Blick erschlossen werden sollte. Aussagekräftiger sind konkrete abwertende Äußerungen, das erkennbare Missfallen am Vorteil eines anderen oder Handlungen, die diesen Vorteil ohne sachlichen Grund schmälern sollen. Der Text kann dabei auch Ambivalenz zeigen: Eine Figur empfindet Missgunst und bemüht sich dennoch um faires Verhalten.

Auf den PunktMissgünstig bedeutet, anderen etwas Gutes nicht zu gönnen. Eigene Wünsche, Wettbewerb und sachliche Kritik reichen als Beleg nicht aus.

Beispiele und Verwendung

Er kommentierte den verdienten Preis missgünstig und hoffte offen, die Auszeichnung werde ihr wieder entzogen.

So ist es gemeint: Die Ablehnung gilt dem fremden Vorteil selbst.

Sie wollte ebenfalls gewinnen, gratulierte dem Sieger aber aufrichtig; ihr Ehrgeiz war deshalb nicht missgünstig.

So ist es gemeint: Leistungswunsch und die Fähigkeit, anderen Erfolg zu gönnen, bleiben vereinbar.

Seine sachlich belegte Kritik an der Auswahl war nicht schon wegen des Konflikts missgünstig.

So ist es gemeint: Ein begründeter Einwand darf nicht durch eine vorschnelle Unterstellung entwertet werden.

Typische Verbindungen: missgünstig reagieren, ein missgünstiger Kommentar, jemandem missgünstig begegnen, missgünstige Blicke.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

Neidisch
Betont häufig den schmerzhaften Vergleich mit einem Vorteil anderer. Missgünstig hebt besonders das Nichtgönnen hervor.
eifersüchtig
Bezieht sich oft auf eine bedroht empfundene Beziehung, Zuwendung oder Stellung; der konkrete Gegenstand unterscheidet die Wörter.
ehrgeizig
Beschreibt das Streben nach eigenen Zielen und Leistungen. Es setzt keine Ablehnung fremder Erfolge voraus.

Wohlwollend oder anderen ihren Erfolg gönnend bildet einen Gegenpol.

Missgünstig in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Musikgeschichte erhält Anja ein Stipendium, für das Ben sich nicht beworben hat. Obwohl er ihre Leistung vorher gelobt hat, behauptet er nun ohne neue Gründe, sie verdiene die Förderung nicht. Er sagt ausdrücklich, es wäre ihm lieber, niemand bekäme sie, als dass Anja den Vorteil habe.

  1. Beobachtung: Bens Urteil ändert sich erst mit Anjas Erfolg, ohne dass er neue sachliche Gründe nennt.
  2. Deutung: Die Aussage, lieber solle niemand den Vorteil erhalten, macht sein Nichtgönnen und damit seine missgünstige Haltung deutlich.
  3. Grenze der Aussage: Eine eigene Bewerbung oder bloße Enttäuschung wäre für sich genommen kein solcher Beleg. Die Szene enthält eine ausdrücklich auf Anjas Vorteil gerichtete Ablehnung.

Musterformulierung

Ben reagiert auf Anjas Stipendium missgünstig. Sein zuvor positives Leistungsurteil kippt ohne neue Begründung, sobald sie gefördert wird. Dass ihm ein vollständiger Verzicht auf die Förderung lieber wäre als Anjas Vorteil, zeigt besonders deutlich, dass er ihr den Erfolg nicht gönnt.

Der Absatz belegt die innere Haltung durch eine ausdrücklich geschilderte Aussage und den Wechsel des Urteils. Er verwechselt sie nicht mit normalem Wettbewerb oder begründeter Kritik.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
miss·güns·tig
Verwandtes Nomen
die Missgunst

Missgünstig wird mit ss und ü geschrieben. Das Nomen lautet dagegen Missgunst ohne Umlaut. Gebeugte Formen sind ein missgünstiger Kommentar und mit missgünstigen Bemerkungen. Die Steigerung beschreibt ein stärkeres Ausmaß des Nichtgönnens.

Grundformmissgünstig
Komparativmissgünstiger
Superlativam missgünstigsten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativmissgünstigermissgünstigemissgünstigesmissgünstige
Genitivmissgünstigenmissgünstigermissgünstigenmissgünstiger
Dativmissgünstigemmissgünstigermissgünstigemmissgünstigen
Akkusativmissgünstigenmissgünstigemissgünstigesmissgünstige
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder missgünstigedie missgünstigedas missgünstigedie missgünstigen
Genitivdes missgünstigender missgünstigendes missgünstigender missgünstigen
Dativdem missgünstigender missgünstigendem missgünstigenden missgünstigen
Akkusativden missgünstigendie missgünstigedas missgünstigedie missgünstigen
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein missgünstigereine missgünstigeein missgünstigeskeine missgünstigen
Genitiveines missgünstigeneiner missgünstigeneines missgünstigenkeiner missgünstigen
Dativeinem missgünstigeneiner missgünstigeneinem missgünstigenkeinen missgünstigen
Akkusativeinen missgünstigeneine missgünstigeein missgünstigeskeine missgünstigen

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Das Adjektiv gehört zur Wortfamilie von Missgunst und missgönnen. Die heutige Bedeutung richtet sich auf die ablehnende Haltung gegenüber einem Vorteil anderer. Sie ist nicht als bloßes Gegenteil eines günstigen Preises oder günstiger Bedingungen zu verstehen.

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