redselig

Gern und viel redend; mitunter so ausführlich, dass es als weitschweifig oder geschwätzig empfunden wird.

Was bedeutet redselig?

Redselig beschreibt die Neigung, gern und viel zu sprechen. Eine redselige Person erzählt ausführlich, knüpft an Bemerkungen neue Geschichten oder findet nur schwer ein Ende. Das Wort kann eine freundliche Gesprächsstimmung bezeichnen, trägt aber oft einen kritischen Unterton: Aus Sicht der Zuhörenden wird mehr gesagt, als für den Anlass nötig oder erwünscht ist. Duden kennzeichnet den Gebrauch entsprechend als oft abwertend.

Redseligkeit ist nicht dasselbe wie gute Ausdrucksfähigkeit. Wer viel erzählt, muss weder besonders klar formulieren noch gut zuhören. Umgekehrt kann eine wortkarge Person in wenigen Sätzen sehr treffend sprechen. Redselig kann außerdem einen vorübergehenden Zustand meinen. Ein vertrautes Gegenüber oder ein anregendes Thema kann jemanden ins Erzählen bringen, ohne dass dies sonst seine Art ist. Auch ein Brief oder Text kann übertragen redselig wirken, wenn er auffällig wortreich ausfällt.

Drei Beispiele für redselig

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Der redselige Mitreisende erzählte während der ganzen Fahrt, wie er früher jeden Sommer an dieselbe Küste gefahren war.“

Die Länge und Ausführlichkeit des Erzählens stehen im Mittelpunkt. Ob sie angenehm sind, bleibt zunächst offen.

„Bei Fragen zu ihrem Garten wurde die sonst knappe Erzählerin redselig und erklärte jedes Beet im Einzelnen.“

Das Thema verändert ihr Sprechverhalten. Die Bezeichnung betrifft hier eine Situation und kein durchgängiges Persönlichkeitsmerkmal.

„Sein redseliger Brief schilderte sogar die Wartezeit am Bahnhof auf mehreren Seiten.“

Der Ausdruck wird auf einen geschriebenen Text übertragen. Er bewertet dessen Wortreichtum und kann Weitschweifigkeit andeuten.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Gesprächig
Liegt in der Bedeutung nahe und kann neutraler klingen. Redselig hebt häufig das ausgiebige Reden hervor; die Bewertung hängt dennoch vom Kontext ab.
Redegewandt
Betrifft die Geschicklichkeit im sprachlichen Ausdruck. Redseligkeit beschreibt stärker Umfang und Neigung des Redens.
Redelustig
Betont die Lust am Sprechen und ist nach Duden selten. Die Wörter überschneiden sich; redselig wird öfter mit einer kritischen Bewertung verbunden.

Schreibung und Grammatik

Die Schreibung lautet redselig, ohne zusätzliches e zwischen red und selig. Formen sind ein redseliger Erzähler, eine redselige Nachbarin und redseliges Plaudern. Die Vergleichsformen lauten redseliger und am redseligsten. Das Substantiv heißt Redseligkeit. In der Gast wurde redselig beschreibt das Adjektiv eine Veränderung seines Zustands; in ein redseliger Gast steht es unmittelbar vor dem Nomen.

Wie sich Eigenschaftswörter beugen lassen, zeigt die Übersicht der Adjektive.

Herkunft und Wortbildung

Duden belegt eine spätmittelhochdeutsche Form reddeselig. Das heutige Wort ist daher nicht bloß eine spontane Zusammensetzung für jemanden, der beim Reden glücklich wird. Für seinen Gebrauch ist entscheidend, dass es die Freude am Reden mit dessen Ausgiebigkeit verbindet.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Auf eine kurze Frage hin berichtet der Mitreisende viele Einzelheiten und eröffnet immer neue Nebenthemen. Dieses Verhalten lässt ihn redselig erscheinen. Ob er die anderen dabei langweilt, zeigt sich erst an deren Reaktionen oder einer entsprechenden Erzählerwertung. Die Analyse sollte ihre eigene Ungeduld nicht unbemerkt als Eigenschaft der Figur ausgeben.

Die Anleitung zur Charakterisierung erklärt, wie sich Beobachtung, Textbeleg und Deutung verbinden lassen.

Quellen und weiterführende Seiten

Quellenstand: 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.

Redselig in der Übersicht der Charaktereigenschaften