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selbstlos

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
selbstlos
Worttrennung
selbst·los
Komparativ
selbstloser
Superlativ
am selbstlosesten

Die Steigerung vergleicht das Zurückstellen eigener Vorteile zugunsten anderer. Eine einzelne selbstlose Handlung erlaubt eine engere Aussage als ein umfassendes Personenurteil.

Formen und Verwendung im Detail

Am Wohl anderer orientiert, ohne den eigenen Vorteil zum Ziel zu machen, und dafür bereit, eigene Interessen zurückzustellen.

Was bedeutet selbstlos?

Selbstlos handelt jemand, wenn das Wohl anderer für die Entscheidung ausschlaggebend ist und der eigene Nutzen dahinter zurücktritt. Das Wort kann eine einzelne Tat, ein Motiv oder eine wiederkehrende Haltung bezeichnen. Häufig schwingt Anerkennung mit: Die Person hilft, gibt etwas auf oder übernimmt eine Belastung, ohne daraus vorrangig einen Vorteil für sich gewinnen zu wollen.

Für dieses Urteil ist die Motivation wichtig. Dass eine Handlung anderen nützt, beweist allein noch keine Selbstlosigkeit; sie könnte vor allem auf eine Belohnung zielen. Umgekehrt macht Freude über eine gelungene Hilfe die Handlung nicht automatisch eigennützig. Auch die Stärke eines Opfers und die Ausrichtung des Motivs sind zu unterscheiden. Selbstlosigkeit verlangt sprachlich nicht, dass ein Mensch in jeder Lage sämtliche eigenen Bedürfnisse aufgibt.

Drei Beispiele für selbstlos

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Sie überließ der erschöpften Reisenden selbstlos ihren Sitzplatz und blieb für den Rest der Fahrt stehen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten.“

Das Beispiel nennt sowohl den Nutzen für die andere Person als auch den zurückgestellten eigenen Wunsch. Die fehlende Erwartung einer Gegenleistung stützt die Deutung.

„Er kümmerte sich selbstlos um die Vorbereitungen, obwohl feststand, dass die Auszeichnung allein an jemand anderen gehen würde.“

Die Arbeit wird fortgesetzt, obwohl öffentliche Anerkennung als unmittelbarer eigener Vorteil entfällt. Das ist ein Hinweis auf das Motiv; der weitere Zusammenhang kann es zusätzlich bestätigen.

„Im Brief pries sie seine Hilfe als selbstlos, während er sie später ausdrücklich als Grund für eine bevorzugte Behandlung anführte.“

Hier steht eine positive Zuschreibung einer Forderung gegenüber. Die Analyse darf den zunächst verwendeten Ausdruck nicht ungeprüft als gesicherte Eigenschaft übernehmen.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Altruistisch
Ist ein eng verwandter Ausdruck für die Orientierung am Wohl anderer. Selbstlos ist im alltäglichen Sprachgebrauch verbreitet; beide Wörter erfordern bei einer Motivdeutung einen passenden Beleg.
Hilfsbereit
Benennt die Bereitschaft zur Unterstützung. Selbstlos hebt zusätzlich hervor, dass eigener Vorteil nicht das entscheidende Ziel ist.
Selbstgenügsam
Betrifft die Zufriedenheit mit sich und der eigenen Lebensweise. Daraus folgt weder selbstloses Handeln noch dessen Gegenteil.

Schreibung und Grammatik

Selbstlos wird zusammengeschrieben: ein selbstloser Einsatz, eine selbstlose Entscheidung, selbstloses Handeln. Die Steigerung lautet selbstloser, am selbstlosesten. Das Substantiv ist Selbstlosigkeit. In sie hilft selbstlos steht das Adjektiv adverbial; in ihr Einsatz war selbstlos prädikativ. Die Verbindung selbstlose Hilfe bewertet die Ausrichtung des Handelns, während eine selbstlose Person eine umfassendere Zuschreibung enthält.

Weitere Hinweise zur Beugung bietet die Übersicht der Adjektive.

Beugung von selbstlos

Eine selbstlose Hilfe stellt das Wohl anderer in den Vordergrund. Eine einzelne Handlung erlaubt dabei eine engere Aussage als ein pauschales Urteil über den ganzen Menschen.

Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativselbstloserselbstloseselbstlosesselbstlose
Genitivselbstlosenselbstloserselbstlosenselbstloser
Dativselbstlosemselbstloserselbstlosemselbstlosen
Akkusativselbstlosenselbstloseselbstlosesselbstlose
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativselbstloseselbstloseselbstloseselbstlosen
Genitivselbstlosenselbstlosenselbstlosenselbstlosen
Dativselbstlosenselbstlosenselbstlosenselbstlosen
Akkusativselbstlosenselbstloseselbstloseselbstlosen
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativselbstloserselbstloseselbstlosesselbstlosen
Genitivselbstlosenselbstlosenselbstlosenselbstlosen
Dativselbstlosenselbstlosenselbstlosenselbstlosen
Akkusativselbstlosenselbstloseselbstlosesselbstlosen

Herkunft und Wortbildung

Das Wort verbindet selbst mit der Endung -los. In der heutigen Bedeutung geht es um das Zurücktreten des eigenen Nutzens. Der Wortaufbau ist daher sinngemäß auf Eigeninteresse zu beziehen: Die Person verliert nicht ihre Identität, sondern macht den eigenen Vorteil gerade nicht zum Mittelpunkt der betreffenden Handlung.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Als die Gruppe einen Vorteil verteilen muss, verzichtet Elias auf seinen Anteil, damit ein stärker belastetes Mitglied entlastet wird. Er handelt in dieser Szene selbstlos, sofern die Erzählung keine erwartete Gegenleistung erkennen lässt. Die begrenzte Formulierung beschreibt die konkrete Entscheidung. Eine dauerhafte Charaktereigenschaft wäre durch weitere Entscheidungen oder eine verlässliche Erzähleraussage abzusichern.

Die Anleitung zur Charakterisierung erläutert das Zusammenspiel von Beobachtung, Beleg und Deutung.

Selbstlos in der Übersicht der Charaktereigenschaften