solide
Form & Grammatik
Adjektiv- Stichwort
- solide
- Worttrennung
- so·li·de
- Komparativ
- solider
- Superlativ
- am solidesten
Neben solide steht solid; vor Endungen der Stamm solid-. Solider kann bereits die gebeugte Grundstufe sein, soliderer enthält den Komparativ. Haltbarkeit, Begründung und Lebensweise benötigen verschiedene Maßstäbe.
Fest und haltbar oder auf guten Grundlagen beruhend; bei Menschen und ihrer Lebensweise auch anständig, verlässlich und ohne auffällige Ausschweifungen.
Was bedeutet solide?
Solide beschreibt etwas, das auf tragfähigen Grundlagen beruht und verlässlich Bestand hat. Bei Materialien oder Bauwerken sind Festigkeit und Haltbarkeit gemeint. Bei Wissen, Arbeit oder einer Begründung geht es um eine gute Grundlage und eine ordentliche Ausführung. Eine solide Leistung ist damit zunächst positiv bewertet; ob sie zugleich außergewöhnlich ist, sagt das Wort nicht. In Wendungen wie solide, aber wenig originell wird gerade diese Unterscheidung genutzt.
Auf Menschen und ihre Lebensführung bezogen kann solide anständig, verlässlich und frei von auffälligen Ausschweifungen bedeuten. Diese Verwendung enthält Vorstellungen davon, was als geordnet oder angemessen gilt. Ein solider Lebenswandel ist deshalb ein wertendes Urteil, dessen Maßstab im Text erkennbar werden sollte. Die Bezeichnung beweist weder besondere Kreativität noch Langeweile. Sie hebt vor allem hervor, dass die Person oder ihre Lebensweise als beständig und wenig Anlass zu Beanstandungen gebend erscheint.
Drei Beispiele für solide
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„Die Bank war solide gebaut und blieb auch nach vielen Jahren im Garten stabil.“
Das Wort bezieht sich auf Konstruktion und Haltbarkeit. Eine menschliche Charaktereigenschaft ist hier nicht gemeint.
„Ihr Vortrag zeigte solide Kenntnisse: Die wesentlichen Zusammenhänge waren richtig erklärt und die Beispiele passend ausgewählt.“
Die Bewertung betrifft das fachliche Fundament. Ob der Vortrag besonders überraschend oder mitreißend war, bleibt davon getrennt.
„Die Tante hielt ihn für einen soliden Menschen, weil er seine Verpflichtungen erfüllte und seinen Alltag verlässlich organisierte.“
Der Satz nennt konkrete Verhaltensweisen und die Person, die sie bewertet. Damit wird der Maßstab der Charakterbeschreibung sichtbar.
Synonyme für solide: passend zum Zusammenhang
Solide lobt eine tragfähige Grundlage oder ordentliche Ausführung. Bei Gegenständen geht es häufig um Haltbarkeit, bei Kenntnissen um ein verlässliches Fundament und bei Personen um beständiges Verhalten. Die Alternativen unterscheiden diese Bereiche. Solide muss weder außergewöhnlich noch langweilig bedeuten; solche Bewertungen kommen erst durch den weiteren Zusammenhang hinzu.
| Ersatzwort | Passt bei | Unterschied |
|---|---|---|
| stabil | Konstruktionen und beständigen Zuständen | Betont Widerstand gegen Belastungen oder Schwankungen, nicht die gesamte Qualität einer Ausführung. |
| fundiert | Kenntnissen, Urteilen und Begründungen | Hebt die belastbare Grundlage hervor. Für einen Tisch ist diese übertragene Verwendung meist nicht gemeint. |
| verlässlich | Personen und regelmäßig erfüllten Aufgaben | Rückt die Erwartung in den Mittelpunkt, dass Zusagen und Leistungen Bestand haben. |
Wörter im Satz vergleichen
Die folgenden Satzpaare sind eigene Sprachbeispiele.
Ausgangssatz: „Die Bank ist solide gebaut.“
Alternative: „Die Bank ist stabil gebaut.“
Stabil betont, dass die Konstruktion den vorgesehenen Belastungen standhält. Solide kann zusätzlich die sorgfältige Verarbeitung und die allgemeine Haltbarkeit loben.
Ausgangssatz: „Ihr Urteil beruht auf soliden Kenntnissen.“
Alternative: „Ihr Urteil beruht auf fundierten Kenntnissen.“
Fundiert macht die fachliche Grundlage deutlicher. Ob die Schlussfolgerung im konkreten Fall richtig ist, muss trotzdem anhand ihrer Argumente geprüft werden; gutes Vorwissen verhindert nicht jeden Irrtum.
Hier passt der Austausch nicht: Schlicht beschreibt eine Gestaltung ohne großen Schmuck. Eine schlichte Bank kann schlecht verarbeitet sein, eine reich verzierte dagegen solide. Beim Austausch würden Form und handwerkliche Qualität miteinander verwechselt.
In einer Beurteilung kann solide, aber wenig originell zwei getrennte Maßstäbe verbinden. Die Arbeit erfüllt grundlegende Anforderungen, überrascht jedoch wenig. Nur mittelmäßig wäre ein stärker begrenzendes Urteil und sollte nicht unbemerkt an die Stelle von solide treten. Nenne möglichst, worin die tragfähige Leistung besteht.
Weitere Abgrenzungen: Ähnliche Wörter unterscheiden
- Stabil
- Betont Festigkeit und Widerstand gegen Veränderungen. Solide kann darüber hinaus die gute Grundlage einer Arbeit oder die Bewertung einer Lebensführung ausdrücken.
- Seriös
- Stellt häufig Glaubwürdigkeit und Vertrauenswürdigkeit in den Vordergrund. Solide hebt eher die tragfähige Grundlage, ordentliche Ausführung oder beständige Lebensweise hervor.
- Schlicht
- Beschreibt Einfachheit und fehlenden Aufwand oder Schmuck. Etwas kann zugleich schlicht und solide sein; die einfache Gestaltung allein garantiert aber keine Haltbarkeit oder gute Ausführung.
Schreibung und Grammatik
Neben solide ist auch die Form solid gebräuchlich. Bei der Beugung lauten die Formen ein solider Tisch, eine solide Leistung und solides Wissen. Die Steigerung ist solider, am solidesten. Das Substantiv heißt Solidität. In sie arbeitet solide wird das Adjektiv adverbial verwendet; in ihr Wissen ist solide steht es prädikativ. In ein soliderer Aufbau ist soliderer die gebeugte Vergleichsform, während solider in ein solider Aufbau noch keine Steigerung ausdrückt.
Weitere Hinweise zur Beugung bietet die Übersicht der Adjektive.
Beugung von solide
Ein solider Tisch ist haltbar, eine solide Begründung gut abgesichert. Solider ist vor einem männlichen Nomen bereits eine Grundform; ein soliderer Aufbau enthält dagegen die Vergleichsstufe.
Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.
Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
| Fall | Maskulin Singular | Feminin Singular | Neutrum Singular | Plural alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | solider | solide | solides | solide |
| Genitiv | soliden | solider | soliden | solider |
| Dativ | solidem | solider | solidem | soliden |
| Akkusativ | soliden | solide | solides | solide |
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
| Fall | Maskulin Singular | Feminin Singular | Neutrum Singular | Plural alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | solide | solide | solide | soliden |
| Genitiv | soliden | soliden | soliden | soliden |
| Dativ | soliden | soliden | soliden | soliden |
| Akkusativ | soliden | solide | solide | soliden |
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
| Fall | Maskulin Singular | Feminin Singular | Neutrum Singular | Plural alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | solider | solide | solides | soliden |
| Genitiv | soliden | soliden | soliden | soliden |
| Dativ | soliden | soliden | soliden | soliden |
| Akkusativ | soliden | solide | solides | soliden |
Herkunft und Wortbildung
Solide wurde im 18. Jahrhundert aus französisch solide übernommen, das auf lateinisch solidus zurückgeht. Zur älteren Bedeutung gehörte ganz oder völlig. Im heutigen Deutsch bleibt die Vorstellung einer tragfähigen Beschaffenheit auch dort anschaulich, wo es um Wissen oder andere nicht körperliche Grundlagen geht.
Verwendung in einer Charakterisierung
Eigener Charakterisierungsbeleg: Inga bereitet ihre Aufgaben gründlich vor, hält Absprachen ein und lässt sich nicht von jeder neuen Gelegenheit von ihren Verpflichtungen abbringen. Sie wird als solide beschrieben. Die Analyse kann zeigen, ob der Erzähler diese Beständigkeit anerkennt oder sie mit einem Wunsch nach mehr Wagnis kontrastiert. Eine solche Spannung liegt in der Darstellung; sie gehört nicht automatisch zur Bedeutung des Adjektivs.
Die Anleitung zur Charakterisierung erläutert das Zusammenspiel von Beobachtung, Beleg und Deutung.
