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steif

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
steif
Worttrennung
steif
Komparativ
steifer
Superlativ
am steifsten

Die Steigerung kann geringe Biegsamkeit oder förmliche Wirkung vergleichen. Material, Körperbewegung und Umgangsform sind verschiedene Bedeutungen; in steif und fest bleibt die feste Verbindung ungebeugt.

Formen und Verwendung im Detail

Wenig biegsam oder beweglich; bei Menschen und im Umgang auch förmlich, unpersönlich oder verkrampft wirkend.

Was bedeutet steif?

Steif beschreibt zunächst etwas, das sich wenig biegen oder bewegen lässt, etwa einen festen Stoff oder ein Gelenk. Bei Personen kommen unterschiedliche Verwendungen hinzu: Eine steife Haltung oder Bewegung kann körperlich ungelenk wirken. Ein steifes Auftreten kann dagegen besonders förmlich, unpersönlich oder verkrampft sein. Welche Bedeutung gemeint ist, muss sich aus dem Zusammenhang ergeben.

Für eine Charakterbeschreibung ist vor allem die zweite Unterscheidung wichtig. Wer beim Empfang jedes Gespräch in vorgeschriebene Formen presst und auf persönliche Bemerkungen kaum eingeht, kann steif wirken. Daraus folgt weder körperliche Unbeweglichkeit noch notwendig Unfreundlichkeit. Die Person kann unsicher sein, ihre Rolle ernst nehmen oder eine förmliche Umgebung gewohnt sein. Daneben besitzt das Wort weitere Anwendungen, etwa bei fest geschlagener Sahne, kräftigem Wind und der Wendung steif und fest behaupten. Diese Wendung bezeichnet nachdrückliches Behaupten, keine Körperhaltung.

Drei Beispiele für steif

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Der neue Gastgeber wirkte zunächst steif: Selbst alte Freunde begrüßte er mit einer förmlichen Ansprache.“

Die Erklärung bezieht das Adjektiv auf den sozialen Umgang. Der Gegensatz zur vertrauten Beziehung lässt die Förmlichkeit besonders auffallen.

„Nach der langen Fahrt stieg sie mit steifen Beinen aus dem Wagen.“

Hier sind Beweglichkeit und körperliches Empfinden gemeint. Der Satz enthält keine Aussage darüber, ob die Person im Umgang offen oder verschlossen ist.

„Beim gemeinsamen Kochen wurde aus dem steifen Gespräch allmählich ein lebhafter Austausch.“

Das Wort beschreibt die Gesprächsatmosphäre. Ihr Wandel zeigt, dass die Förmlichkeit an eine Situation gebunden sein kann.

Synonyme für steif: passend zum Zusammenhang

Steif kann geringe körperliche Beweglichkeit, unbiegsames Material oder einen wenig ungezwungenen Umgang bezeichnen. Diese Bedeutungen benötigen unterschiedliche Alternativen. Ein förmlicher Auftritt kann steif wirken, ohne unfreundlich gemeint zu sein. Umgekehrt erklärt eine steife Körperhaltung noch nicht, wie die Person anderen gegenüber eingestellt ist.

Wortalternativen und ihre Unterschiede
ErsatzwortPasst beiUnterschied
förmlichBegrüßungen und gesellschaftlichem UmgangBetont die Orientierung an Konventionen; das Unnatürliche oder Angestrengte kann schwächer hervortreten.
verkrampftangespannt wirkendem VerhaltenLegt stärkere Unfreiheit nahe, während steif auch bewusst gepflegte Förmlichkeit beschreiben kann.
wenig biegsamMaterialien und GegenständenBleibt bei einer körperlichen Eigenschaft und vermeidet ein Urteil über sozialen Umgang.

Wörter im Satz vergleichen

Die folgenden Satzpaare sind eigene Sprachbeispiele.

Ausgangssatz: „Die Begrüßung zwischen den alten Freunden wirkt steif.“
Alternative: „Die Begrüßung zwischen den alten Freunden wirkt förmlich.“

Förmlich hebt den ungewohnten Abstand hervor. Steif kann deutlicher kritisieren, dass die vertraute Begegnung wenig natürlich verläuft. Eine Ursache nennt keines der Wörter.

Ausgangssatz: „Der neue Karton ist steif.“
Alternative: „Der neue Karton ist wenig biegsam.“

Die Umschreibung macht die Materialeigenschaft ausdrücklich. Ob diese Eigenschaft für den vorgesehenen Zweck günstig oder störend ist, muss der Zusammenhang zeigen.

Hier passt der Austausch nicht: In steif und fest behaupten bedeutet die Verbindung nachdrücklich behaupten. Förmlich und fest behaupten wäre keine entsprechende Ersetzung. Feste Wendungen sollten als Einheit verstanden werden, nicht als frei austauschbare Einzelwörter.

Bei einer Figur ist auf Veränderungen zu achten: Ein zunächst steifes Gespräch kann im vertrauten Kreis lebendiger werden. Dann beschreibt das Adjektiv eher eine Situation oder Rolle als den gesamten Charakter. Eine Beobachtung des Gangs oder der Hände sollte außerdem nicht allein als Beleg für soziale Distanz dienen.

Weitere Abgrenzungen: Ähnliche Wörter unterscheiden
Förmlich
Förmlichkeit richtet sich nach äußeren Regeln und Konventionen. Steif fügt häufig den Eindruck hinzu, dass der Umgang angestrengt oder wenig natürlich wirkt.
Schüchtern
Schüchternheit betrifft meist Zurückhaltung oder Unsicherheit gegenüber anderen. Ein steifer Auftritt kann damit zusammenhängen, kann aber ebenso von einer selbstbewusst durchgesetzten Etikette herrühren.
Starr
Starr betont stärker das Unbewegliche oder Unveränderliche. Im sozialen Umgang hebt steif besonders die fehlende Ungezwungenheit hervor.

Schreibung und Grammatik

Die Steigerung lautet steif, steifer, am steifsten. Beispiele für die Beugung sind ein steifer Kragen, eine steife Verbeugung, mit steifen Fingern. Die Begrüßung war steif ist prädikativ; Er verbeugte sich steif verwendet das Adjektiv adverbial. Die feste Verbindung steif und fest bleibt in Sie behauptet es steif und fest ungebeugt. Zum Wortfeld gehören die Substantive Steifheit und Steifigkeit.

Weitere Hinweise zur Beugung bietet die Übersicht der Adjektive.

Beugung von steif

Ein steifer Stoff ist wenig biegsam. Eine steife Begrüßung kann dagegen förmlich oder verkrampft wirken; körperliche Beweglichkeit und Gesprächsstil sind verschiedene Bedeutungsbereiche.

Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativsteifersteifesteifessteife
Genitivsteifensteifersteifensteifer
Dativsteifemsteifersteifemsteifen
Akkusativsteifensteifesteifessteife
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativsteifesteifesteifesteifen
Genitivsteifensteifensteifensteifen
Dativsteifensteifensteifensteifen
Akkusativsteifensteifesteifesteifen
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativsteifersteifesteifessteifen
Genitivsteifensteifensteifensteifen
Dativsteifensteifensteifensteifen
Akkusativsteifensteifesteifessteifen

Herkunft und Wortbildung

Die mittelhochdeutsche, besonders mitteldeutsche Form stīf bezeichnete etwas Unbiegsames, Starres oder Aufrechtes. Dieser Hintergrund ist bei Material und körperlicher Bewegung noch erkennbar. Ein steifer Umgang überträgt die Vorstellung mangelnder Beweglichkeit dagegen auf förmliches oder verkrampftes Verhalten.

Verwendung in einer Charakterisierung

In einer Charakterisierung sollte die beschriebene Ebene ausdrücklich erkennbar sein. Ein eigener Beleg wäre: Jonas antwortet selbst auf den scherzhaften Gruß mit einer vollständigen Amtsformel. Dadurch wirkt sein Umgang mit den Gästen steif und wenig persönlich. Eine Beschreibung seines stockenden Gangs würde diese Deutung dagegen nicht allein tragen. Wenn seine Förmlichkeit im vertrauten Kreis verschwindet, ist die Bindung an seine öffentliche Rolle ein wichtiger Teil der Interpretation.

Die Anleitung zur Charakterisierung erläutert das Zusammenspiel von Beobachtung, Beleg und Deutung.

Steif in der Übersicht der Charaktereigenschaften