Meine Wörter

suchend

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
suchend
Form
Partizip I
Worttrennung
su·chend

Adjektivisch gebrauchtes Partizip I von suchen. Nach steht mit Dativ: nach einer Antwort suchend. Die wörtliche Suchtätigkeit wird gewöhnlich nicht gesteigert; intensiver suchen nennt die Abstufung genauer.

Formen und Verwendung im Detail

Sich bemühend, etwas oder jemanden zu finden, zu erlangen oder gedanklich zu erschließen; auch nach Orientierung strebend.

Was bedeutet suchend?

Suchend beschreibt jemanden, der etwas finden oder erlangen möchte und sich darum bemüht. Das Ziel kann ein Gegenstand, eine Person, eine passende Formulierung oder eine Erklärung sein. Die Form benennt einen noch offenen Vorgang: Das Gesuchte ist im betreffenden Moment nicht gefunden. Ob die Suche anschließend Erfolg hat, sagt das Wort nicht.

Im übertragenen Personenbezug kann suchend eine Haltung bezeichnen, die nach Antworten, einem Lebensweg oder Orientierung strebt. Ein suchender Mensch ist dann nicht bloß gerade mit einer verlorenen Sache beschäftigt. Er prüft Möglichkeiten oder versucht, eine ihn beschäftigende Frage zu klären. Das kann Offenheit und Nachdenklichkeit zeigen, aber auch mit Unsicherheit verbunden sein. Keine dieser Eigenschaften folgt zwangsläufig aus dem Wort. Für eine genaue Beschreibung sollte deshalb erkennbar werden, wonach die Person sucht und wie sie mit vorläufigen Antworten umgeht.

Drei Beispiele für suchend

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Mit suchendem Blick ging sie die Namensschilder durch, bis sie den vereinbarten Raum fand.“

Der Blick dient einer konkreten Suche. Der anschließende Fund beendet diese Tätigkeit; eine dauerhafte Charaktereigenschaft wird nicht behauptet.

„Nach einer treffenden Erklärung suchend, verglich er mehrere Deutungen des Gedichts.“

Die Suche ist gedanklich. Er versucht, eine passende Antwort zu erarbeiten, statt einen räumlich verborgenen Gegenstand aufzuspüren.

„Die Romanfigur bleibt ein suchender Mensch: Auch nach dem beruflichen Erfolg fragt sie sich, welche Aufgaben ihr wichtig sind.“

Hier beschreibt suchend eine anhaltende Orientierungssuche. Äußerer Erfolg und offene Fragen nach dem eigenen Lebensweg werden voneinander unterschieden.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Neugierig
Neugier betrifft das Interesse an Neuem oder Unbekanntem. Eine suchende Person verfolgt eine offene Frage oder ein Ziel; dabei muss sie nicht grundsätzlich an vielen neuen Dingen interessiert sein.
Orientierungslos
Orientierungslos hebt das Fehlen von Richtung oder Überblick hervor. Suchend bezeichnet dagegen die Bemühung um ein Ergebnis; sie kann durchaus mit einem klaren nächsten Schritt verbunden sein.
Selbstreflektierend
Selbstreflexion prüft das eigene Denken und Handeln. Eine Orientierungssuche kann dies einschließen, aber auch andere Gegenstände haben, etwa eine sachliche Ursache oder einen geeigneten Ausdruck.

Schreibung und Grammatik

Suchend ist das Partizip I von suchen. Es wird vor einem Substantiv gebeugt: ein suchender Blick, eine suchende Bewegung. In Sie blickt suchend durch den Raum ist es adverbial gebraucht. Die Form kann verbale Ergänzungen behalten, etwa nach einer Antwort suchend; nach steht dabei mit dem Dativ. Eine wörtliche Suchtätigkeit wird gewöhnlich nicht gesteigert. Unterschiede lassen sich genauer mit intensiver suchen ausdrücken. Substantiviert heißt es ein Suchender, die Suchenden.

Weitere Hinweise zur Beugung bietet die Übersicht der Adjektive.

Beugung von suchend

Die Formen passen zu einem suchenden Blick oder einer suchenden Bewegung. Ergänzungen können das Ziel benennen: eine nach einer Antwort suchende Person. Die Form beschreibt die Suche, nicht ihren Erfolg.

Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativsuchendersuchendesuchendessuchende
Genitivsuchendensuchendersuchendensuchender
Dativsuchendemsuchendersuchendemsuchenden
Akkusativsuchendensuchendesuchendessuchende
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativsuchendesuchendesuchendesuchenden
Genitivsuchendensuchendensuchendensuchenden
Dativsuchendensuchendensuchendensuchenden
Akkusativsuchendensuchendesuchendesuchenden
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativsuchendersuchendesuchendessuchenden
Genitivsuchendensuchendensuchendensuchenden
Dativsuchendensuchendensuchendensuchenden
Akkusativsuchendensuchendesuchendessuchenden

Herkunft und Wortbildung

Die Form entsteht aus dem Infinitiv suchen und dem Partizipzeichen -d. Das Verb ist als mittelhochdeutsch suochen und althochdeutsch suohhen belegt. Die ältere Bedeutung bezeichnet das Nachgehen und Aufspüren. Die heutige Verwendung umfasst sowohl das Auffinden konkreter Dinge als auch das gedankliche Erarbeiten einer Antwort.

Verwendung in einer Charakterisierung

Ein eigener Charakterisierungsbeleg wäre: Lea übernimmt keine der angebotenen Lebensvorstellungen ungeprüft. Sie spricht mit unterschiedlichen Menschen und hält ihre offenen Fragen fest. Dadurch erscheint sie als suchende Figur, die ihren Weg erst entwickeln will. Die Analyse benennt hier Tätigkeiten, die die Suche tragen. Bloßes Zögern würde noch nicht zeigen, ob die Figur wirklich nach Möglichkeiten sucht oder eine Entscheidung nur aufschiebt.

Die Anleitung zur Charakterisierung erläutert das Zusammenspiel von Beobachtung, Beleg und Deutung.

Suchend in der Übersicht der Charaktereigenschaften