traumtänzerisch

Traumtänzerisch nennt man Vorstellungen oder Verhaltensweisen, die sich an Wunschbildern orientieren und die tatsächlichen Bedingungen zu wenig berücksichtigen.

Was bedeutet traumtänzerisch?

Eine traumtänzerische Planung malt ein wünschenswertes Ergebnis aus, ohne den Weg dorthin ausreichend an verfügbaren Mitteln, Zeit oder Widerständen zu prüfen. Das Wort wirft einer Person vor, sich von schwer erreichbaren Idealen tragen zu lassen und praktische Voraussetzungen zu übergehen.

Es ist eine abwertende oder spöttische Bezeichnung. Ein ehrgeiziger Traum ist nicht allein deshalb wirklichkeitsfremd, weil er ungewöhnlich ist. Entscheidend ist, ob die Figur Hindernisse wahrnimmt und bearbeitet. Auch ein Plan, der zunächst unwahrscheinlich erscheint, kann gut begründet sein. In einer Analyse muss daher erklärt werden, welche Bedingungen tatsächlich ausgeblendet werden.

Auf den PunktTraumtänzerisch kritisiert die fehlende Verbindung zwischen Wunschbild und Wirklichkeit. Große Ziele allein genügen als Beleg nicht.

Beispiele und Verwendung

Sein traumtänzerischer Zeitplan setzte voraus, dass alle Beteiligten wochenlang ohne jede Unterbrechung verfügbar wären.

So ist es gemeint: Der Plan übergeht eine entscheidende praktische Bedingung.

Sie malte die Eröffnung traumtänzerisch aus, konnte aber weder Räume noch Finanzierung benennen.

So ist es gemeint: Die ausgearbeitete Wunschvorstellung steht im Kontrast zu ungeklärten Grundlagen.

Die Idee war ungewöhnlich, aber nach den sorgfältigen Berechnungen kaum noch als traumtänzerisch abzutun.

So ist es gemeint: Eine nachvollziehbare Prüfung kann den anfänglichen Vorwurf der Wirklichkeitsferne entkräften.

Typische Verbindungen: traumtänzerische Pläne, eine traumtänzerische Vorstellung, traumtänzerisch wirken, sich traumtänzerisch über Schwierigkeiten hinwegsetzen

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

fantasievoll
Bezeichnet Ideenreichtum. Fantasie kann mit realistischer Planung verbunden sein.
visionär
Hebt weitreichende Zukunftsbilder hervor und kann anerkennend gemeint sein. Traumtänzerisch kritisiert deren fehlende praktische Grundlage.
verträumt
Beschreibt ein Versunkensein in Vorstellungen oder eine verträumte Wirkung; es muss keine unrealistische Planung betreffen.

Realistisch, nüchtern oder pragmatisch passen je nach Schwerpunkt. Fantasielos ist kein notwendiges Gegenideal.

Traumtänzerisch in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

Milo möchte in zwei Wochen ein großes Nachbarschaftstheater eröffnen. Er entwirft bereits Festreden und Kostüme, obwohl weder Spielort noch Mitwirkende feststehen. Auf die Frage nach der Genehmigung antwortet er nur, bei so einer schönen Idee werde sich alles fügen.

  1. Beobachtung: Milo arbeitet das gewünschte Ergebnis aus, übergeht aber mehrfach notwendige Voraussetzungen.
  2. Deutung: Seine unbegründete Erwartung, die Schwierigkeiten würden sich von selbst lösen, stützt die Deutung traumtänzerisch.
  3. Grenze der Aussage: Der Wunsch nach einem Theater ist für sich kein Beleg. Die Wertung betrifft den dargestellten Umgang mit seiner Umsetzung.

Musterformulierung

Milos Planung wirkt traumtänzerisch. Während er Festreden und Kostüme entwirft, bleiben Spielort, Mitwirkende und Genehmigung ungeklärt. Den Hinweis darauf beantwortet er mit der bloßen Hoffnung, alles werde sich fügen. Damit fehlt seiner konkreten Planung die Verbindung zu den notwendigen Voraussetzungen; der kulturelle Wunsch selbst wird dadurch nicht entwertet.

Der Absatz trennt das Ziel von seiner unzureichenden Vorbereitung. Er begründet den wertenden Ausdruck mit bestimmten ausgeblendeten Bedingungen.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
traum·tän·ze·risch
Verwandtes Nomen
die Traumtänzerei

Traumtänzerisch wird zusammengeschrieben und enthält ä in tänzerisch. Eine gebeugte Form lautet ein traumtänzerischer Entwurf. Die Steigerung vergleicht die zugeschriebene Wirklichkeitsferne, nicht die bloße Größe eines Ziels.

Grundformtraumtänzerisch
Komparativtraumtänzerischer
Superlativam traumtänzerischsten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativtraumtänzerischertraumtänzerischetraumtänzerischestraumtänzerische
Genitivtraumtänzerischentraumtänzerischertraumtänzerischentraumtänzerischer
Dativtraumtänzerischemtraumtänzerischertraumtänzerischemtraumtänzerischen
Akkusativtraumtänzerischentraumtänzerischetraumtänzerischestraumtänzerische
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder traumtänzerischedie traumtänzerischedas traumtänzerischedie traumtänzerischen
Genitivdes traumtänzerischender traumtänzerischendes traumtänzerischender traumtänzerischen
Dativdem traumtänzerischender traumtänzerischendem traumtänzerischenden traumtänzerischen
Akkusativden traumtänzerischendie traumtänzerischedas traumtänzerischedie traumtänzerischen
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein traumtänzerischereine traumtänzerischeein traumtänzerischeskeine traumtänzerischen
Genitiveines traumtänzerischeneiner traumtänzerischeneines traumtänzerischenkeiner traumtänzerischen
Dativeinem traumtänzerischeneiner traumtänzerischeneinem traumtänzerischenkeinen traumtänzerischen
Akkusativeinen traumtänzerischeneine traumtänzerischeein traumtänzerischeskeine traumtänzerischen

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Traumtänzerisch gehört zu Traumtänzer und Traumtänzerei. Die bildhafte Wortfamilie bezeichnet im heutigen Gebrauch ein Festhalten an schwer erreichbaren Wunschvorstellungen. Eine Entstehung aus einem bestimmten Tanz oder historischen Ereignis wird daraus nicht abgeleitet.

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