überlegen

Überlegen: In einem bestimmten Bereich stärker oder leistungsfähiger als jemand anderes; außerdem: ein entsprechendes Gefühl von Überlegenheit ausstrahlend.

Was bedeutet überlegen?

Überlegen ist ein Verhältniswort: Jemand ist einer anderen Person etwa an Erfahrung, Kraft oder Wissen überlegen. Der Vergleich braucht einen Bereich und einen Maßstab. Ein Vorsprung in einer Fähigkeit begründet keine allgemeine Höherwertigkeit des Menschen.

Daneben kann ein überlegener Blick oder Ton das Gefühl ausdrücken, über anderen zu stehen. Diese Wirkung beweist noch keinen tatsächlichen Vorsprung. Außerdem ist das Adjektiv vom gleich geschriebenen Verb überlegen im Sinne von nachdenken zu unterscheiden.

Auf den PunktÜberlegen bezeichnet einen Vorsprung oder dessen demonstrierten Anspruch. Tatsächliche Fähigkeit und selbstsichere Wirkung sind getrennt zu prüfen.

Beispiele und Verwendung

Im Kartenlesen war sie den anderen deutlich überlegen.

So ist es gemeint: Der Vergleich wird auf eine konkrete Fähigkeit begrenzt.

Er antwortete mit überlegener Miene, obwohl er die Lösung nicht kannte.

So ist es gemeint: Die Haltung zeigt nur den Anspruch auf Überlegenheit.

Die Mannschaft gewann überlegen.

So ist es gemeint: Das Adverb beschreibt einen klaren Leistungsunterschied in diesem Spiel.

Typische Verbindungen: jemandem überlegen sein, an Erfahrung überlegen, überlegen gewinnen, überlegen lächeln.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

souverän
Betont Sicherheit und Beherrschung einer Situation, ohne immer einen direkten Vergleich zu verlangen.
überheblich
Bewertet Selbstüberschätzung und Herabsetzung anderer; tatsächliche Überlegenheit muss nicht überheblich gezeigt werden.
überlegt
Bedeutet sorgfältig abwägend und ist semantisch deutlich zu unterscheiden.

Unterlegen ist der direkte Gegenbegriff im Vergleich; gleichwertig oder ebenbürtig bezeichnet das Fehlen eines wesentlichen Vorsprungs.

Überlegen in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Geschichte übt eine Gruppe das Entziffern alter Handschriften. Mara erkennt Abkürzungen rasch und erklärt den anderen ihre Leseschritte. Als sie selbst ein Wort nicht sicher erkennt, markiert sie es als offen und bittet um weitere Vorschläge. Die anderen benötigen bei den meisten Zeilen deutlich mehr Zeit.

  1. Beobachtung: Mara löst vergleichbare Aufgaben schneller und nachvollziehbar, kennzeichnet aber eine eigene Grenze.
  2. Deutung: Sie ist der Gruppe in dieser Fertigkeit überlegen, ohne ihre Unsicherheit zu verbergen oder andere abzuwerten.
  3. Grenze der Aussage: Der Vorsprung betrifft das Lesen dieser Handschrift. Eine allgemeine geistige oder menschliche Überlegenheit folgt daraus nicht.

Musterformulierung

Mara ist den anderen beim Entziffern der Handschrift überlegen. Sie erkennt Abkürzungen schneller und kann ihre Schritte erklären. Zugleich nennt sie eine eigene Unsicherheit und nimmt Vorschläge an. Die Szene zeigt daher einen fachlichen Vorsprung, der nicht mit überheblichem Auftreten verbunden ist.

Der Absatz nennt Vergleichsbereich und Belege und verhindert eine Ausweitung auf den Wert der Person.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
über·le·gen
Verwandtes Nomen
die Überlegenheit

Das Adjektiv verlangt häufig den Dativ: jemandem überlegen sein. Es heißt eine überlegene Leistung und mit überlegener Miene. Das Verb überlegen wird dagegen konjugiert: sie überlegt.

SteigerungÜberlegen enthält bereits einen Vergleich. Dessen Stärke lässt sich besonders klar mit leicht überlegen, deutlich überlegen oder weit überlegen ausdrücken. Vergleichsbereich und Gegenüber sollten genannt werden.

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativüberlegenerüberlegeneüberlegenesüberlegene
Genitivüberlegenenüberlegenerüberlegenenüberlegener
Dativüberlegenemüberlegenerüberlegenemüberlegenen
Akkusativüberlegenenüberlegeneüberlegenesüberlegene
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder überlegenedie überlegenedas überlegenedie überlegenen
Genitivdes überlegenender überlegenendes überlegenender überlegenen
Dativdem überlegenender überlegenendem überlegenenden überlegenen
Akkusativden überlegenendie überlegenedas überlegenedie überlegenen
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein überlegenereine überlegeneein überlegeneskeine überlegenen
Genitiveines überlegeneneiner überlegeneneines überlegenenkeiner überlegenen
Dativeinem überlegeneneiner überlegeneneinem überlegenenkeinen überlegenen
Akkusativeinen überlegeneneine überlegeneein überlegeneskeine überlegenen

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Das Adjektiv geht auf das zweite Partizip des älteren Verbs überliegen zurück, das überwinden bedeutete. Mittelhochdeutsch überligen konnte das Obenliegen im Ringkampf bezeichnen. Es ist daher nicht einfach aus dem heutigen Verb überlegen im Sinne von nachdenken abzuleiten.

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