undurchschaubar

Undurchschaubar: In seinen Absichten, Zusammenhängen oder seinem eigentlichen Wesen nicht klar zu erkennen oder zu verstehen.

Was bedeutet undurchschaubar?

Bei einer undurchschaubaren Person wissen Beobachtende nicht, was sie wirklich will oder wie einzelne Handlungen zusammenhängen. Das kann an zurückhaltendem Auftreten, widersprüchlichen Signalen oder fehlender Information liegen.

Undurchschaubarkeit beweist keine Täuschung. Eine Figur kann ihre privaten Gründe für sich behalten, ohne anderen absichtlich einen falschen Eindruck zu vermitteln. Ebenso können nur Leser oder nur bestimmte Figuren Einblick in die Motive haben. Diese Wissensverteilung gehört zur Analyse.

Auf den PunktUndurchschaubar beschreibt fehlenden Einblick. Verborgene Absichten sind nicht automatisch böse Absichten.

Beispiele und Verwendung

Für ihre Kollegen blieb sie undurchschaubar, weil sie ihre Entscheidungen nie erläuterte.

So ist es gemeint: Der Bezug auf die Beobachtenden wird deutlich.

Sein Plan war zunächst undurchschaubar, gewann aber durch die Erklärung an Klarheit.

So ist es gemeint: Zusätzliche Information kann den Eindruck verändern.

Der Erzähler verrät ihre Gründe, während sie den anderen Figuren undurchschaubar bleibt.

So ist es gemeint: Leserwissen und Figurenwissen werden unterschieden.

Typische Verbindungen: undurchschaubar bleiben, undurchschaubare Absichten, ein undurchschaubarer Plan, für jemanden undurchschaubar sein.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

undurchsichtig
Kann bei Personen und Geschäften zusätzlich Misstrauen oder Zweifel ausdrücken.
verschlossen
Beschreibt geringe persönliche Offenheit; die Person muss deshalb nicht in jeder Handlung schwer verständlich sein.
unberechenbar
Betrifft schwer vorhersehbares Verhalten. Die Gründe können undurchschaubar sein, obwohl das äußere Verhalten regelmäßig bleibt.

Durchschaubar und nachvollziehbar sind mögliche Gegensätze. Offenheit ist eine mögliche Voraussetzung, aber nicht die einzige Quelle von Verständnis.

Undurchschaubar in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Geschichte kauft Lene jeden Freitag alte Bilderrahmen, verweigert aber jede Antwort auf Fragen nach ihrem Plan. Ihr Bruder vermutet ein geheimes Geschäft. Erst später sieht er, dass sie die Rahmen für eine Überraschungsausstellung mit Familienfotos aufarbeitet. Ihre zunächst rätselhaften Handlungen erhalten dadurch einen Zusammenhang.

  1. Beobachtung: Lene handelt regelmäßig, erklärt den Zweck aber nicht. Der Bruder kennt die Vorbereitung der Überraschung noch nicht.
  2. Deutung: Sie bleibt für ihn zunächst undurchschaubar, weil ihm die verbindende Absicht fehlt.
  3. Grenze der Aussage: Die spätere Aufklärung widerlegt nicht die frühere Wissenslücke, wohl aber den vorschnellen Verdacht eines fragwürdigen Geschäfts.

Musterformulierung

Lene bleibt ihrem Bruder zunächst undurchschaubar, da sie die regelmäßigen Käufe nicht erklärt. Erst die vorbereitete Fotoausstellung macht den Zusammenhang erkennbar. Die Szene zeigt damit vorübergehenden fehlenden Einblick und keine belegte unredliche Absicht.

Der Absatz unterscheidet den anfänglichen Eindruck von der späteren Erklärung und ordnet ihn einer konkreten Perspektive zu.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
un·durch·schau·bar
Verwandtes Nomen
die Undurchschaubarkeit

Es heißt ein undurchschaubarer Plan und mit undurchschaubaren Absichten. Die Vorsilbe steht vor dem Adjektiv durchschaubar.

Grundformundurchschaubar
Komparativundurchschaubarer
Superlativam undurchschaubarsten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativundurchschaubarerundurchschaubareundurchschaubaresundurchschaubare
Genitivundurchschaubarenundurchschaubarerundurchschaubarenundurchschaubarer
Dativundurchschaubaremundurchschaubarerundurchschaubaremundurchschaubaren
Akkusativundurchschaubarenundurchschaubareundurchschaubaresundurchschaubare
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder undurchschaubaredie undurchschaubaredas undurchschaubaredie undurchschaubaren
Genitivdes undurchschaubarender undurchschaubarendes undurchschaubarender undurchschaubaren
Dativdem undurchschaubarender undurchschaubarendem undurchschaubarenden undurchschaubaren
Akkusativden undurchschaubarendie undurchschaubaredas undurchschaubaredie undurchschaubaren
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein undurchschaubarereine undurchschaubareein undurchschaubareskeine undurchschaubaren
Genitiveines undurchschaubareneiner undurchschaubareneines undurchschaubarenkeiner undurchschaubaren
Dativeinem undurchschaubareneiner undurchschaubareneinem undurchschaubarenkeinen undurchschaubaren
Akkusativeinen undurchschaubareneine undurchschaubareein undurchschaubareskeine undurchschaubaren

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Die Bildung verneint durchschaubar, das zu durchschauen gehört. Im Personenbezug ist damit das Verstehen von Absichten und Zusammenhängen gemeint. Wer undurchschaubar erscheint, ist für die betrachtende Person schwer einzuschätzen; eine Täuschungsabsicht ist im Wort allein nicht bewiesen.

Zur Übersicht der Charaktereigenschaften