wählerisch
Wählerisch: Bei der Auswahl besondere Ansprüche stellend und sich deshalb nicht leicht mit einer angebotenen Möglichkeit zufriedengebend.
Was bedeutet wählerisch?
Wählerisch ist jemand, der zwischen Möglichkeiten genau auswählt und vieles zurückweist, weil es den eigenen Vorstellungen nicht entspricht. Das kann Essen, Kleidung, Aufgaben, Gesellschaft oder sprachliche Formulierungen betreffen. Das Wort beschreibt also nicht bloß die Tatsache, dass eine Entscheidung getroffen wird, sondern die hohen oder engen Anforderungen an das Ausgewählte.
Die Bewertung kann anerkennend oder kritisch sein. Wählerisch zu sein kann auf ein ausgeprägtes Qualitätsbewusstsein hinweisen; es kann aber auch bedeuten, dass eine Person schwer zufriedenzustellen ist. Ob die Auswahl angemessen erscheint, hängt von Anlass, verfügbaren Möglichkeiten und den genannten Kriterien ab. Ein hoher Preis oder eine bekannte Marke beweist für sich genommen keine gute Qualität.
Wählerisch ist außerdem nicht gleich unentschlossen. Wer klare Ansprüche hat, kann viele Angebote rasch aussortieren und sich anschließend sicher entscheiden. Umgekehrt kann langes Zögern aus fehlenden Kriterien entstehen. In einer Charakterisierung sind deshalb die Maßstäbe und der Umgang mit Alternativen genauer zu untersuchen als die bloße Dauer einer Auswahl.
Beispiele und Verwendung
Bei Papier war sie wählerisch und prüfte, ob es ihre feinen Linien sauber aufnahm.
So ist es gemeint: Ein konkreter funktionaler Anspruch erklärt die Auswahl.
Er war beim Essen wählerisch und lehnte viele vertraute Gerichte ab.
So ist es gemeint: Das Wort bezeichnet einen eng begrenzten Bereich seiner Vorlieben.
Die wählerische Leserin entschied sich schnell, sobald ein Buch ihre Kriterien erfüllte.
So ist es gemeint: Wählerischsein muss die Entscheidung nicht verzögern.
Typische Verbindungen: beim Essen wählerisch sein, wählerisch auswählen, ein wählerisches Publikum, in der Wortwahl wählerisch sein.
Synonyme und Bedeutungsunterschiede
- anspruchsvoll
- Ist breiter und kann auch eine schwierige Aufgabe bezeichnen. Wählerisch beschreibt besonders das Verhalten bei einer Auswahl.
- kritisch
- Betont prüfendes Hinterfragen. Eine kritische Prüfung kann zu einer großzügigen Auswahl führen und ist nicht notwendig wählerisch.
- genügsam
- Kommt mit vergleichsweise wenig aus und bildet bei Ansprüchen oft einen Gegenpol; auch ein genügsamer Mensch kann in einem einzelnen Bereich wählerisch sein.
Leicht zufriedenzustellen oder anspruchslos passt zur Auswahlhaltung. Entschlossen ist kein Gegensatz, weil wählerische Menschen klare Entscheidungen treffen können.
Wählerisch in einer Charakterisierung
Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.
Beispielsituation
In einer erfundenen Illustrationsgeschichte sucht Pia eine Mappe für empfindliche Zeichnungen. Sie lehnt mehrere schöne Modelle ab, weil deren Verschlüsse die Blätter berühren. Bei einer schlichten Mappe prüft sie Material, Größe und Halt und entscheidet sich sofort, als diese Anforderungen erfüllt sind. Der Preis ist dabei nicht ihr einziges Kriterium.
- Beobachtung: Pia weist mehrere Möglichkeiten aufgrund klar benannter Anforderungen zurück.
- Deutung: Sie ist bei dieser Auswahl wählerisch, richtet ihre Ansprüche aber an einer nachvollziehbaren Funktion aus.
- Grenze der Aussage: Ihre schnelle abschließende Entscheidung spricht gegen die Gleichsetzung mit Unentschlossenheit. Über ihre Ansprüche in anderen Lebensbereichen sagt die Szene nichts aus.
Musterformulierung
Pia zeigt sich bei der Mappenwahl wählerisch. Sie verwirft mehrere äußerlich ansprechende Modelle, weil sie ihre Zeichnungen nicht ausreichend schützen. Sobald eine Mappe ihre konkreten Kriterien erfüllt, entscheidet sie sich sicher. Ihre genaue Auswahl beruht somit auf funktionalen Ansprüchen und nicht auf bloßem Zögern.
Der Absatz nennt Maßstab, Auswahlhandlung und Entscheidung. Dadurch wird verständlich, warum das Wort hier eher sorgfältige Ansprüche als unbegründete Unzufriedenheit beschreibt.
Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.
Grammatik und richtige Schreibweise
- Wortart
- Adjektiv (Eigenschaftswort)
- Worttrennung
- wäh·le·risch
- Verwandtes Nomen
- die Wahl
Wählerisch wird mit ä und h geschrieben. Formen sind ein wählerischer Gast, eine wählerische Kundin und mit wählerischem Blick. Die Steigerung lautet wählerischer, am wählerischsten. Der Bereich wird beispielsweise mit beim oder in angegeben: beim Lesen, in der Wortwahl.
Beugung: Welche Endung passt?
Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | wählerischer | wählerische | wählerisches | wählerische |
| Genitiv | wählerischen | wählerischer | wählerischen | wählerischer |
| Dativ | wählerischem | wählerischer | wählerischem | wählerischen |
| Akkusativ | wählerischen | wählerische | wählerisches | wählerische |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der wählerische | die wählerische | das wählerische | die wählerischen |
| Genitiv | des wählerischen | der wählerischen | des wählerischen | der wählerischen |
| Dativ | dem wählerischen | der wählerischen | dem wählerischen | den wählerischen |
| Akkusativ | den wählerischen | die wählerische | das wählerische | die wählerischen |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ein wählerischer | eine wählerische | ein wählerisches | keine wählerischen |
| Genitiv | eines wählerischen | einer wählerischen | eines wählerischen | keiner wählerischen |
| Dativ | einem wählerischen | einer wählerischen | einem wählerischen | keinen wählerischen |
| Akkusativ | einen wählerischen | eine wählerische | ein wählerisches | keine wählerischen |
Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.
Wortbildung und Herkunft
Wählerisch gehört zur Wortfamilie von wählen und Wahl. Die Bedeutung betrifft eine anspruchsvolle Auswahl und ist nicht auf politische Wählerinnen und Wähler beschränkt. Eine historische Erstbildung wird aus der erkennbaren Wortverwandtschaft nicht abgeleitet.
