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wehmütig

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
wehmütig
Worttrennung
weh·mü·tig
Komparativ
wehmütiger
Superlativ
am wehmütigsten

Die Steigerung vergleicht stille Traurigkeit oder eine solche Wirkung. Erinnerung und Gegenwartseindruck sind zu unterscheiden; etwas kann zugleich schön und schmerzlich empfunden werden.

Formen und Verwendung im Detail

Von stiller Traurigkeit über Vergangenes oder Unwiederbringliches erfüllt oder dieses Gefühl ausdrückend.

Was bedeutet wehmütig?

Wehmütig ist, wer beim Gedanken an etwas Vergangenes oder nicht Wiederbringliches eine stille Traurigkeit empfindet. Die Erinnerung kann zugleich schön und schmerzlich sein: Man freut sich über das Erlebte und spürt, dass es in dieser Form vorbei ist. Das Wort beschreibt häufig einen Augenblick oder eine Stimmung, keine dauerhafte Eigenschaft.

Auch ein Lied, ein Blick oder ein Lächeln kann wehmütig sein, wenn diese Art von Gefühl darin zum Ausdruck kommt. Wehmut muss sich nicht in lautem Klagen oder Tränen zeigen. Bei einer Erzählung ist deshalb zwischen der Stimmung der Darstellung und dem ausdrücklich beschriebenen Erleben einer Figur zu unterscheiden.

Drei Beispiele für wehmütig

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Beim Abschied von der alten Wohnung blickte sie wehmütig auf die Wand, an der die Größenmarkierungen der Kinder geblieben waren.“

Ein konkreter Gegenstand verbindet Erinnerung mit dem Ende eines Lebensabschnitts.

„Er lächelte wehmütig, als das Lied erklang, das die beiden früher immer gemeinsam gesungen hatten.“

Lächeln und Traurigkeit können gleichzeitig vorkommen. Der Erinnerungsbezug erklärt diese Mischung.

„Die letzte Strophe klingt wehmütig, weil sie das vergangene Glück noch einmal aufruft, ohne eine Rückkehr zu versprechen.“

Hier beschreibt das Adjektiv eine Textwirkung und nicht automatisch den Charakter des Verfassers.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Wehleidig
Kritisiert gewöhnlich das Klagen bei als gering eingeschätzten Beschwerden. Wehmütig benennt eine andere, oft stille Form von Traurigkeit.
Traurig
Ist weiter gefasst. Wehmut betont besonders die schmerzliche Erinnerung oder den Gedanken an etwas Unwiederbringliches.
Nostalgisch
Richtet sich ebenfalls auf Vergangenes und kann dessen verklärt positive Betrachtung hervorheben. Wehmütig betont stärker den stillen Schmerz des Vorbei-Seins.

Schreibung und Grammatik

Wehmütig wird mit eh und ü geschrieben. Formen sind ein wehmütiger Blick, eine wehmütige Erinnerung und ein wehmütiges Lächeln. Die Steigerung lautet wehmütiger, am wehmütigsten. Das Substantiv Wehmut ist feminin: die Wehmut. In sie denkt wehmütig zurück bleibt das Adjektiv unverändert.

Wie sich Eigenschaftswörter beugen lassen, zeigt die Übersicht der Adjektive.

Beugung von wehmütig

Eine wehmütige Erinnerung verbindet stille Traurigkeit mit Vergangenem. Sie kann zugleich schön und schmerzlich sein.

Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativwehmütigerwehmütigewehmütigeswehmütige
Genitivwehmütigenwehmütigerwehmütigenwehmütiger
Dativwehmütigemwehmütigerwehmütigemwehmütigen
Akkusativwehmütigenwehmütigewehmütigeswehmütige
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativwehmütigewehmütigewehmütigewehmütigen
Genitivwehmütigenwehmütigenwehmütigenwehmütigen
Dativwehmütigenwehmütigenwehmütigenwehmütigen
Akkusativwehmütigenwehmütigewehmütigewehmütigen
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativwehmütigerwehmütigewehmütigeswehmütigen
Genitivwehmütigenwehmütigenwehmütigenwehmütigen
Dativwehmütigenwehmütigenwehmütigenwehmütigen
Akkusativwehmütigenwehmütigewehmütigeswehmütigen

Herkunft und Wortbildung

Duden führt wehmütig auf das Niederdeutsche und die mittelniederdeutsche Form wēmōdich zurück. Beim Substantiv Wehmut nennt das Wörterbuch eine Rückbildung aus dieser Adjektivform. Die heutige Wortfamilie ist damit nicht einfach historisch als Wehmut plus -ig zu erklären, auch wenn diese Beziehung heute durchsichtig erscheint.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Die Figur betrachtet beim letzten Besuch einen vertrauten Ort und erinnert sich mit einem Lächeln an eine nicht wiederkehrende gemeinsame Zeit. Sie ist in diesem Moment wehmütig. Die Analyse verbindet Erinnerung, Verlustbewusstsein und den zurückhaltenden Ausdruck des Gefühls. Eine grundsätzlich pessimistische Haltung wäre damit noch nicht belegt.

Die Anleitung zur Charakterisierung erklärt, wie sich Beobachtung, Textbeleg und Deutung verbinden lassen.

Wehmütig in der Übersicht der Charaktereigenschaften