wertend

Wertend: Eine Person, Sache oder Handlung nach einem Maßstab beurteilend und ihr dabei einen bestimmten Wert zuschreibend. Wertend kann sowohl lobend als auch ablehnend gemeint sein.

Was bedeutet wertend?

Wertend ist eine Äußerung, wenn sie nicht nur einen Vorgang beschreibt, sondern ihn zugleich beurteilt. „Sie antwortet nach einer Pause“ nennt zunächst eine beobachtbare Abfolge. „Sie antwortet endlich vernünftig“ bewertet diese Antwort zusätzlich und kann frühere Antworten mitabwerten. Der Unterschied liegt im mitgeteilten Urteil.

Eine Wertung ist nicht automatisch unfair oder falsch. In einer Rezension, einer begründeten Entscheidung oder einer Charakterisierung sind Bewertungen oft ausdrücklich gefragt. Entscheidend ist, dass ihr Maßstab sichtbar wird und sie durch passende Beobachtungen getragen werden. Problematisch ist eher eine versteckte oder vorschnelle Bewertung, die sich als bloße Tatsache ausgibt.

Als Personenbeschreibung bezeichnet wertend häufig die Neigung, andere rasch zu beurteilen. Das sollte durch wiederkehrende Äußerungen belegt werden. Für die Textanalyse ist außerdem zu klären, ob die Wertung von einer Figur, einer Erzählinstanz oder der eigenen Interpretation stammt. Diese Ebenen dürfen nicht unbemerkt zusammenfallen.

Auf den PunktWertend heißt nicht automatisch abwertend. Frage nach dem Urteil, seinem Maßstab und der Person, die es äußert.

Beispiele und Verwendung

Mit dem Wort vorbildlich formuliert die Erzählerin eine wertende Einschätzung.

So ist es gemeint: Auch ein Lob ist eine Wertung.

Seine Frage klang wertend, weil sie den fremden Plan bereits als unvernünftig bezeichnete.

So ist es gemeint: Die negative Einschätzung steht schon fest, bevor eine Erklärung eingeholt wird.

Sie trennte in ihrem Bericht die Beschreibung des Ablaufs von der anschließenden wertenden Stellungnahme.

So ist es gemeint: Die erkennbare Trennung macht die Begründung besser überprüfbar.

Typische Verbindungen: eine wertende Äußerung, wertend sprechen, eine wertende Darstellung, wertende Wortwahl. Häufig wird gefragt, wer bewertet und nach welchem Maßstab.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

beschreibend
Richtet den Schwerpunkt auf wahrnehmbare Merkmale oder Abläufe. Auch eine Beschreibung kann durch ihre Auswahl eine Perspektive zeigen; sie ist deshalb nicht automatisch völlig neutral.
abwertend
Bezeichnet eine herabsetzende Bewertung. Wertend ist der weitere Ausdruck und umfasst auch Anerkennung.
kritisch
Betont prüfendes Hinterfragen. Kritik kann sorgfältig begründet sein; wertend benennt zunächst nur das enthaltene Urteil.

Nicht wertend oder zunächst beschreibend sind passende Gegenformulierungen für eine Äußerung. Gleichgültig ist kein genauer Gegensatz, denn man kann aufmerksam beschreiben und die Bewertung bewusst zurückstellen.

Wertend in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Schulgeschichte zeigt Paul seiner Gruppe einen unvollständigen Entwurf. Rika fragt sofort, warum er schon wieder so nachlässig arbeite. Erst danach erklärt Paul, dass die fehlende Seite beim Kopieren verloren gegangen ist. Eine andere Mitschülerin hatte zunächst nur gefragt, ob noch eine Seite dazugehöre.

  1. Beobachtung: Rika verbindet die fehlende Seite sofort mit einem Urteil über Pauls Arbeitsweise. Die andere Frage klärt zunächst den Sachverhalt.
  2. Deutung: Rikas Reaktion ist vorschnell wertend, weil sie aus einer Beobachtung ohne weitere Prüfung auf Nachlässigkeit schließt.
  3. Grenze der Aussage: Nicht jede spätere Kritik an Paul wäre damit ausgeschlossen. Auch die sachliche Rückfrage beweist keine durchgehend wertungsfreie Persönlichkeit der Mitschülerin.

Musterformulierung

Rika reagiert vorschnell wertend auf den unvollständigen Entwurf. Mit der Frage nach Pauls angeblich erneuter Nachlässigkeit deutet sie die fehlende Seite bereits als Charaktermerkmal. Die spätere Erklärung des Kopierfehlers zeigt, welche Information sie vor ihrem Urteil nicht eingeholt hat.

Der Absatz führt vom sprachlichen Signal zum enthaltenen Urteil und dessen fehlender Grundlage. Er übernimmt die Bezeichnung nachlässig nicht als eigene Feststellung.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Partizip I von werten, hier wie ein Adjektiv verwendet
Worttrennung
wer·tend
Verwandtes Nomen
die Wertung; der Wertmaßstab

Die Form wertend wird aus dem Verb werten gebildet. Als Eigenschaftswort vor einem Nomen erhält sie Endungen: eine wertende Frage, mit wertenden Ausdrücken. Das Partizip I endet auf -end; es ist nicht mit dem Partizip II gewertet gleichzusetzen.

SteigerungFür Vergleiche ist meist stärker wertend oder deutlicher wertend passend. So bleibt erkennbar, dass der wertende Anteil einer Äußerung gemeint ist.

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativwertenderwertendewertendeswertende
Genitivwertendenwertenderwertendenwertender
Dativwertendemwertenderwertendemwertenden
Akkusativwertendenwertendewertendeswertende
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder wertendedie wertendedas wertendedie wertenden
Genitivdes wertendender wertendendes wertendender wertenden
Dativdem wertendender wertendendem wertendenden wertenden
Akkusativden wertendendie wertendedas wertendedie wertenden
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein wertendereine wertendeein wertendeskeine wertenden
Genitiveines wertendeneiner wertendeneines wertendenkeiner wertenden
Dativeinem wertendeneiner wertendeneinem wertendenkeinen wertenden
Akkusativeinen wertendeneine wertendeein wertendeskeine wertenden

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Wertend ist das Partizip I von werten. Das Verb bezeichnet unter anderem das Beurteilen anhand eines Wertmaßstabs. Der Bestandteil Wert ist dabei nicht auf Geld beschränkt; gemeint sein können etwa Angemessenheit, Qualität oder moralische Bedeutung.

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