nachgerade
Form & Grammatik
Adverb- Stichwort
- nachgerade
- Worttrennung
- nach·ge·ra·de
- Form
- unveränderlich
Gebrauch: Unveränderlich; geradezu oft gehoben, nach und nach/allmählich veraltet. Nicht pauschal mit endlich gleichsetzen.
Definition · kurz erklärt
Nachgerade bedeutet häufig geradezu und verstärkt eine Aussage. Dieser Gebrauch wirkt oft gehoben. In älteren Texten kann das Wort außerdem nach und nach oder mit der Zeit bedeuten.
Bedeutungen
Eine Aussage verstärken
In Der Ton wurde nachgerade beleidigend verstärkt das Wort die Bewertung. Der Sprecher stellt den Ton als ausgesprochen oder geradezu beleidigend dar. Damit ist noch nicht erklärt, welche Äußerung diese Bewertung rechtfertigt.
„Der Erzähler nennt die widersprüchlichen Hinweise nachgerade verwirrend.“
Die Bewertung wird verstärkt. Welche Widersprüche vorliegen, muss der Text selbst zeigen.
Älter: nach und nach
Die ältere Zeitbedeutung ist davon zu unterscheiden. Wenn jemand sich in einem älteren Text nachgerade an einen Ort gewöhnt, kann gemeint sein, dass die Gewöhnung allmählich eintrat. Ein heutiger Leser sollte das Wort daher nicht automatisch in jedem historischen Satz als Verstärkung verstehen.
Eine einzige Ersetzung kann diese beiden Lesarten nicht immer abdecken. Geradezu verstärkt eine Einordnung; allmählich beschreibt einen Verlauf. Für einen klaren eigenen Text empfiehlt sich das Wort, das genau die beabsichtigte Aussage trifft.
„In der altertümlichen Erzählung wird ihr der Ort nachgerade vertraut.“
Hier ist ein allmählicher Verlauf gemeint und keine bloße Verstärkung des Adjektivs.
nachgerade: Synonyme und andere Wörter
Eine Einordnung verstärken
geradezu · ausgesprochen · förmlich
Geradezu liegt dem verstärkenden Gebrauch nahe. Förmlich kann ebenfalls eine deutliche Einordnung ausdrücken, besitzt aber weitere Bedeutungen. Sehr lässt sich nicht in jedem Satz an derselben Stelle einsetzen.
„Sein Schweigen wirkte nachgerade drohend.“ → „Sein Schweigen wirkte geradezu drohend.“
Die zweite Fassung ist heute meist unmittelbarer verständlich. In beiden Fällen bleibt die Wirkung eine Deutung, die am Text erklärt werden sollte.
Einen älteren Zeitgebrauch verstehen
allmählich · nach und nach · mit der Zeit
Diese Alternativen passen zur veralteten Verlaufsbedeutung. Sie wären kein passender Ersatz, wenn nachgerade lediglich eine Bewertung verstärkt.
„Nachgerade gewöhnte sie sich an das ungewohnte Geräusch.“ → „Mit der Zeit gewöhnte sie sich an das Geräusch.“
Die Umschreibung beschreibt die schrittweise Veränderung. Sie bewertet das Geräusch nicht als besonders stark.
Beispiele und Verwendung
„Der Erzähler empfindet die wiederholten Zwischenrufe als nachgerade unerträglich.“
Das Wort verstärkt sein Urteil. Die Zwischenrufe müssen im Text genauer geschildert werden, damit sich die Bewertung nachvollziehen lässt.
„In einer bewusst altertümlichen Erzählung lautet es: Nachgerade wurde ihr der fremde Hof vertraut.“
Das eigene Beispiel nutzt die ältere Zeitbedeutung. In einem heutigen Sachtext wäre mit der Zeit oft klarer.
Grammatik und Beugung
Nachgerade ist ein unveränderliches Adverb. Es wird zusammengeschrieben und im Satz kleingeschrieben. Die Trennung lautet nach·ge·ra·de. Bei der verstärkenden Verwendung bezieht es sich häufig auf eine Bewertung; die ältere Verwendung ordnet einen Vorgang zeitlich ein.
Das Wort wird nicht wie ein Adjektiv dekliniert. Es hat weder Kasusformen noch einen Komparativ oder Superlativ.
