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Galgenfrist

Form & Grammatik

Substantiv
Stichwort
Galgenfrist
Worttrennung
Gal·gen·frist
Artikel
die Galgenfrist
Geschlecht
Femininum
Genitiv
der Galgenfrist
Plural
die Galgenfristen

Formen und Verwendung im Detail

Eine Galgenfrist ist eine kurze verbleibende Zeit oder ein Aufschub vor einem erwarteten unangenehmen Ereignis. Das Wort enthält ein starkes Bild und wirkt deutlich dramatischer als Frist.

Aufschub vor etwas Befürchtetem

Im heutigen übertragenen Gebrauch kann es etwa um eine Prüfung, eine schwierige Entscheidung oder das erwartete Ende eines Vorhabens gehen. Die Galgenfrist gibt noch Zeit, beseitigt das befürchtete Ereignis aber nicht notwendig.

Der Ausdruck stellt die Situation aus einer belasteten Perspektive dar. Eine neutrale Frist nennt dagegen zunächst nur den zeitlichen Rahmen. Ob das Ende wirklich unvermeidbar ist oder nur von einer Figur so erlebt wird, muss der Zusammenhang erklären.

Frist, Aufschub und Schonfrist

AlternativeSchwerpunktUnterschied
Aufschubein Ereignis wird hinausgeschobenIst neutraler und setzt nicht denselben dramatischen Ton.
Schonfristvorübergehend verschonte ZeitKann eine Phase ohne Folgen oder Belastungen hervorheben.
Restzeitnoch verfügbare DauerLässt die negative Erwartung offen.

„Bis zur schwierigen Aussprache blieb ihr eine kurze Galgenfrist.“
„Bis zur schwierigen Aussprache blieb ihr noch etwas Zeit.“

Beide Sätze nennen den verbleibenden Zeitraum. Die erste Fassung zeigt zusätzlich, wie bedrohlich die Figur das Gespräch erlebt.

„Die Entscheidung wurde vertagt; er erhielt eine Galgenfrist.“
„Die Entscheidung wurde vertagt; sein Problem war gelöst.“

Der zweite Satz behauptet mehr. Ein Aufschub kann Zeit verschaffen, ohne die Ursache des Problems zu beseitigen.

Formen und Zusammensetzung

Das feminine Substantiv lautet die Galgenfrist, der Galgenfrist und die Galgenfristen. Die Bestandteile werden zusammengeschrieben. Im übertragenen Gebrauch ist kein tatsächlicher Galgen gemeint.

Deklination von GalgenfristDie vier Fälle
Galgenfrist: Formen in den vier Fällen
FallSingularPlural
Nominativdie Galgenfristdie Galgenfristen
Genitivder Galgenfristder Galgenfristen
Dativder Galgenfristden Galgenfristen
Akkusativdie Galgenfristdie Galgenfristen

Den dramatischen Ton einordnen

In einer sachlichen Mitteilung sind Aufschub oder zusätzliche Frist oft genauer und weniger aufgeladen. In einer Erzählung kann Galgenfrist dagegen die Erwartungsangst einer Figur sichtbar machen und Spannung aufbauen. In einer Inhaltsangabe sollte kenntlich bleiben, ob die Figur selbst von einer Galgenfrist spricht oder ob der Erzähler damit die Situation bewertet. „Der Termin wurde verschoben“ beschreibt zunächst einen neutralen Vorgang. Erst „Galgenfrist“ macht daraus im Satz einen Aufschub vor etwas als bedrohlich Empfundenem.