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Martyrium

Form & Grammatik

Substantiv
Stichwort
Martyrium
Worttrennung
Mar·ty·ri·um
Artikel
das
Geschlecht
Neutrum
Genitiv
des Martyriums
Plural
die Martyrien

Gebrauch: Schweres Leiden, ursprünglich besonders um des Glaubens oder einer Überzeugung willen; auch übertragen. Kunsthistorisch außerdem eine Märtyrergrabkirche.

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Ein Martyrium ist ein schweres Leiden, besonders wenn jemand es wegen seines Glaubens oder seiner Überzeugung erduldet. Übertragen bezeichnet das Wort eine als äußerst qualvoll erlebte Zeit oder Situation.

Bedeutungen

Bedeutung 1: Leiden für Glauben oder Überzeugung

Im religiösen und historischen Zusammenhang steht hinter dem Leiden eine Überzeugung, von der die betroffene Person nicht abrückt. Das Martyrium kann bis zum Tod führen; der Tod ist aber nicht in jeder Verwendung des Wortes zwingend eingeschlossen.

Wer eine Erzählung darüber zusammenfasst, sollte zwischen dem dargestellten Geschehen und dessen religiöser Deutung unterscheiden. Das Wort selbst sagt noch nicht, ob ein Bericht historisch belegt oder literarisch ausgestaltet ist.

„Die Chronik schildert das Martyrium einer Frau, die trotz der Verfolgung an ihrem Glauben festhielt.“

Der Glaubensbezug ist ausdrücklich genannt. Ob die Frau stirbt, sagt dieser Satz noch nicht; das müsste der weitere Bericht zeigen.

Bedeutung 2: Eine sehr leidvolle Erfahrung

Übertragen heißt eine lange, stark belastende Erfahrung Martyrium, auch wenn kein religiöses Bekenntnis der Anlass ist. Im Mittelpunkt steht dann das erlebte Leiden.

Das Wort ist deutlich stärker als Schwierigkeit oder Ärgernis. Wer etwa ein kurzes Warten scherzhaft als Martyrium bezeichnet, übertreibt bewusst. In einem sachlichen Bericht über schweres Leiden sollte diese Wirkung bedacht werden.

„Die jahrelange Ungewissheit wurde für die Familie zu einem Martyrium.“

Hier steht das schwere Erleben im Vordergrund. Ein religiöser Anlass oder ein Todesfall wird nicht behauptet.

Bedeutung 3: Eine Kirche am Märtyrergrab

In kunst- oder baugeschichtlichen Texten kann Martyrium außerdem eine Kirche am Grab eines christlichen Märtyrers oder einer christlichen Märtyrerin bezeichnen.

Bei „Das Martyrium wurde erweitert“ kann deshalb ein Gebäude gemeint sein. Das Prädikat und die übrige Beschreibung helfen, diese besondere Verwendung vom Leiden zu unterscheiden.

„Die Zeichnung zeigt den runden Grundriss des Martyriums über dem Grab.“

Grundriss und Grab verweisen auf die baugeschichtliche Bedeutung. Gemeint ist ein Gebäude, nicht die Leidenszeit einer Person.

Martyrium: Synonyme und andere Wörter

Beim schweren Leiden

Leidensweg · Qual · schwere Leidenszeit

Leidensweg stellt eher den Verlauf dar. Qual betont die heftige Belastung, ohne zwingend einen langen Zeitraum zu nennen. Keine dieser Umschreibungen enthält für sich genommen den Bezug zu Glauben oder Überzeugung.

„Für die Figur beginnt ein langes Martyrium.“ → „Für die Figur beginnt eine schwere Leidenszeit.“ Der zweite Satz ist weniger religiös aufgeladen, nennt aber ebenfalls eine anhaltende Belastung.

Im historischen Glaubenszusammenhang

Leiden für den Glauben · gegebenenfalls: Märtyrertod

Märtyrertod passt nur, wenn die Person tatsächlich stirbt. Das Wort ist deshalb kein allgemeiner Ersatz für jede Verwendung von Martyrium.

„Der Bericht schildert ihr Martyrium während der Haft.“ → „Der Bericht schildert ihr Leiden für den Glauben während der Haft.“ „Er schildert ihren Märtyrertod“ würde zusätzlich einen Tod behaupten.

Beispiele und Verwendung

„Die Erzählerin nennt die Jahre der Verfolgung ein Martyrium und beschreibt die ständige Angst.“

Die Wortwahl betont die Schwere und Dauer des Leidens. Die anschließende Beschreibung macht diese Bewertung nachvollziehbarer.

„Nach zehn Minuten an der Kasse sprach er bereits von einem Martyrium.“

Hier entsteht eine erkennbare Übertreibung. Ob sie komisch, selbstironisch oder unsensibel wirkt, hängt vom Ton und von der Situation ab.

„Der Plan zeigt das Martyrium neben einer später hinzugefügten Vorhalle.“

Die räumliche Beschreibung weist auf die baugeschichtliche Bedeutung hin. Martyrium bezeichnet in diesem Satz kein persönliches Erlebnis.

Für eine genaue Beschreibung lässt sich ergänzen, worin das Leiden besteht. Das verwandte Adjektiv schmerzhaft benennt körperliche oder seelische Schmerzen; Martyrium bewertet eine Erfahrung insgesamt erheblich stärker.

Grammatik und Beugung

Das Nomen ist sächlich: das Martyrium, Genitiv des Martyriums. Die Mehrzahl heißt die Martyrien; der Dativ Plural lautet den Martyrien.

Im Plural steht -ien anstelle von -ium. Es heißt also mehrere Martyrien, nicht mehrere Martyriums.

Die Worttrennung lautet Mar·ty·ri·um. Martyrium wird mit a und y geschrieben. Das verwandte Personenwort Märtyrer enthält dagegen einen Umlaut.

Martyrium: alle Fälle
FallSingularPlural
Nominativdas Martyriumdie Martyrien
Genitivdes Martyriumsder Martyrien
Dativdem Martyriumden Martyrien
Akkusativdas Martyriumdie Martyrien