Maßstab
Form & Grammatik
Substantiv- Stichwort
- Maßstab
- Worttrennung
- Maß·stab
- Artikel
- der
- Geschlecht
- Maskulinum
- Genitiv
- des Maßstabs / des Maßstabes
- Plural
- die Maßstäbe
Gebrauch: Bewertungsgrundlage, Größenverhältnis einer Darstellung oder seltener Messgerät. Dativ Plural: den Maßstäben; ältere Dativform im Singular: dem Maßstabe.
Definition · kurz erklärt
Ein Maßstab ist eine Grundlage, nach der etwas beurteilt oder verglichen wird. Bei Karten und Modellen bezeichnet er das Verhältnis zwischen dargestellter und tatsächlicher Größe. Seltener heißt auch ein Gerät zum Messen von Längen so.
Bedeutungen
Bedeutung 1: Eine Grundlage für die Beurteilung
Wer einen Aufsatz bewertet, braucht Maßstäbe: etwa Verständlichkeit, nachvollziehbare Begründungen oder einen passenden Aufbau. Ein Maßstab legt fest, woran die Leistung gemessen wird.
Die gewählten Maßstäbe sollten zum Ziel passen. Eine spannende Erzählung und ein nüchterner Bericht erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Dass derselbe Text nach verschiedenen Gesichtspunkten verschieden beurteilt wird, muss deshalb kein Widerspruch sein.
„Bei der Bewertung der Anleitung war Verständlichkeit der wichtigste Maßstab.“
Es geht um eine Grundlage des Urteils. Eine Längenangabe oder ein Messgerät ist hier nicht gemeint.
Bedeutung 2: Verhältnis bei Karten und Modellen
Der Maßstab gibt an, wie eine Länge in einer Darstellung zu der entsprechenden Länge in Wirklichkeit steht. Bei 1 : 100 entspricht ein Zentimeter auf der Zeichnung hundert Zentimetern, also einem Meter, in Wirklichkeit.
Die beiden Längen müssen dafür zunächst in derselben Einheit betrachtet werden. Die Maßstabszahl ist kein zusätzlicher Längenwert. Wird ein Plan ausgedruckt und dabei vergrößert, stimmt seine ursprünglich angegebene Zahlenrelation möglicherweise nicht mehr.
„Der Plan im Maßstab 1 : 50 zeigt die zwei Meter breite Tür als vier Zentimeter breite Strecke.“
Zwei Meter sind zweihundert Zentimeter. Zweihundert geteilt durch fünfzig ergibt vier; verglichen werden die Längen in derselben Einheit.
Bedeutung 3: Ein Messgerät
Maßstab kann seltener auch ein mit Maßeinteilung versehenes Gerät meinen, etwa einen Messstab. Dann wird ein Gegenstand bezeichnet und keine abstrakte Bewertungsgrundlage.
Bei „Der Maßstab liegt auf dem Tisch“ ist dieser konkrete Sinn naheliegend. „Der Maßstab ist zu streng“ bezieht sich dagegen gewöhnlich auf eine Bewertung.
„Sie legte den Maßstab an die Kante, um deren Länge abzulesen.“
Das Anlegen und Ablesen kennzeichnet den selteneren konkreten Gebrauch für ein Messgerät. Bewertungsmaßstäbe kann man nicht körperlich anlegen.
Maßstab: Synonyme und andere Wörter
Bei einer Bewertung
Kriterium · Bewertungsgrundlage · Norm · Vergleichsgröße
Ein Kriterium kann ein einzelner Gesichtspunkt sein. Norm betont eine geltende oder gesetzte Anforderung. Eine Vergleichsgröße dient dem Gegenüberstellen, ohne automatisch vorzuschreiben, was gut ist.
„Verständlichkeit ist ein wichtiger Maßstab für diesen Text.“ → „Verständlichkeit ist ein wichtiges Bewertungskriterium für diesen Text.“ Beide Sätze nennen einen Gesichtspunkt; weitere Kriterien bleiben möglich.
Bei Abbildungen und Gegenständen
Größenverhältnis · Abbildungsmaßstab · Messstab
Größenverhältnis erklärt den abstrakten Kartensinn. Messstab bezeichnet dagegen ein Gerät. Beide Wörter lassen sich nicht beliebig vertauschen.
„Der Maßstab des Modells beträgt 1 : 50.“ → „Das Modell zeigt die Längen im Verhältnis 1 : 50 zur Wirklichkeit.“ „Der Messstab des Modells“ würde etwas anderes bezeichnen.
Beispiele und Verwendung
„Für den Bericht legt die Lehrerin andere Maßstäbe an als für die Fantasiegeschichte: Sachlichkeit zählt hier stärker als Spannung.“
Das Beispiel erklärt den Grund für die unterschiedlichen Anforderungen. Ein anderer Maßstab ist nicht automatisch unfair, wenn die Aufgaben verschieden sind.
„Im Maßstab 1 : 100 wird eine vier Meter lange Wand als vier Zentimeter lange Strecke gezeichnet.“
Vier Meter sind vierhundert Zentimeter; geteilt durch hundert bleiben vier Zentimeter. Die Rechnung vergleicht Längen in derselben Einheit.
„Der Versuch setzt einen neuen Maßstab für die Genauigkeit der Messung.“
Hier wird das Ergebnis als besonders leistungsfähig und als künftige Vergleichsgrundlage hervorgehoben. Ob diese Bewertung berechtigt ist, muss die Beschreibung des Versuchs zeigen.
Grammatik und Beugung
Es heißt der Maßstab. Im Genitiv sind des Maßstabs und des Maßstabes möglich. Die Mehrzahl lautet die Maßstäbe, im Dativ den Maßstäben.
Der Plural enthält einen Umlaut: Stab – Stäbe, entsprechend Maßstab – Maßstäbe. Die ältere Dativform dem Maßstabe kann in älteren Texten vorkommen; heute ist dem Maßstab üblich.
Die Worttrennung lautet Maß·stab. Das erste Wortglied ist Maß, danach folgt Stab. Deshalb stehen ß und s nebeneinander. In der Schweiz schreibt man Massstab mit drei s.
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | der Maßstab | die Maßstäbe |
| Genitiv | des Maßstabs / des Maßstabes | der Maßstäbe |
| Dativ | dem Maßstab | den Maßstäben |
| Akkusativ | den Maßstab | die Maßstäbe |
Redewendungen und feste Verbindungen
Maßstäbe setzen
Wer Maßstäbe setzt, liefert ein besonders gutes oder richtungsweisendes Beispiel, an dem sich andere orientieren können. Die Wendung enthält meist eine lobende Bewertung.
„Die verständlichen Erklärungen setzen Maßstäbe für das ganze Lehrbuch.“ Gemeint ist die Qualität der Darstellung. Der Satz nennt keine Maßeinheit und keinen neuen Kartenmaßstab.
