Materie
Form & Grammatik
Substantiv- Stichwort
- Materie
- Worttrennung
- Ma·te·rie
- Artikel
- die
- Geschlecht
- Femininum
- Genitiv
- der Materie
- Plural
- die Materien (bei Themen und Gegenständen einer Untersuchung)
Gebrauch: Stoffliche Substanz sowie physikalischer und philosophischer Grundbegriff: ohne Plural. Übertragen ein Thema oder Sachgebiet; dafür ist Materien möglich.
Definition · kurz erklärt
Materie bezeichnet das Stoffliche oder eine stoffliche Substanz. In bildungssprachlichen Texten kann das Wort außerdem ein Thema oder Sachgebiet meinen, mit dem sich jemand beschäftigt.
Bedeutungen
Bedeutung 1: Das Stoffliche
Bei organischer Materie geht es um stoffliche Substanz, nicht um ein Gesprächsthema. Naturwissenschaftliche Texte verwenden den Begriff unabhängig davon, ob der betrachtete Stoff fest, flüssig oder gasförmig ist.
Materie ist nicht einfach ein Ersatzwort für jedes Material in einer Werkstatt. Material lenkt den Blick häufig darauf, woraus etwas hergestellt wird; Materie bezeichnet allgemeiner die stoffliche Seite.
„Der Unterricht behandelt, wie sich Materie beim Erwärmen verändert.“
Das Wort bezeichnet hier das Stoffliche. Der Satz legt noch keinen bestimmten Stoff und keine bestimmte Veränderung fest.
Bedeutung 2: Ein philosophischer Begriff
In philosophischen Texten kann Materie der Form oder dem Geist gegenübergestellt werden. Je nach Denktradition wird darunter etwa ein zugrunde liegender Stoff oder eine unabhängig vom Bewusstsein bestehende Wirklichkeit verstanden.
Die genaue Definition gehört zum jeweiligen Gedankengang. Eine Zusammenfassung sollte daher nicht eine einzige philosophische Auffassung als Bedeutung aller Texte ausgeben.
„Die Autorin untersucht, wie der Philosoph das Verhältnis von Materie und Form bestimmt.“
Die Begriffe werden im jeweiligen Gedankengang verstanden. Der Satz setzt nicht voraus, dass alle philosophischen Schulen dasselbe darunter verstehen.
Bedeutung 3: Ein Thema oder Sachgebiet
Wer sich in eine Materie einarbeitet, lernt ein Thema mit seinen Zusammenhängen kennen. Hier ist kein Stoff gemeint, den man anfassen oder bearbeiten könnte.
Eine komplexe Materie hat mehrere miteinander verbundene Aspekte. Sie kann trotzdem verständlich erklärt werden. Das Wort Materie allein besagt nicht, dass das Thema besonders schwierig ist.
„Vor dem Vortrag arbeitete sich Jonas mit einer Einführung in die Materie ein.“
Gemeint ist das Thema des Vortrags. Die Beschäftigung damit bedeutet noch nicht, dass Jonas schon jede Fachfrage beantworten kann.
Bedeutung 4: Eine historische Lesart
In älteren Texten kann Materie auch Eiter bezeichnen. Diese heute veraltete Bedeutung darf nicht auf den modernen Gesprächs- oder Wissenschaftsgebrauch übertragen werden.
Bei einem historischen Beleg sollten Satzumgebung und Textsorte geprüft werden. Ein medizinischer Bericht aus früherer Zeit kann eine andere Lesart verlangen als ein philosophischer Text.
„Aus der Wunde trat Materie aus.“
In der veralteten medizinischen Lesart meint Materie hier Eiter. In einem heutigen allgemein verständlichen Text wäre die direkte Bezeichnung Eiter klarer.
Materie: Synonyme und andere Wörter
Beim Stofflichen
Stoff · Substanz
Substanz kann zur stofflichen Bedeutung passen. Stoff ist allgemeiner, aber ebenfalls mehrdeutig. Gegenstand bezeichnet eher ein einzelnes Ding und ersetzt den allgemeinen Materiebegriff nicht in jedem Satz.
„Die Untersuchung betrifft organische Materie.“ → „Die Untersuchung betrifft organische Substanz.“ Die Umschreibung passt zur stofflichen Lesart; sie erklärt noch nicht die genaue Zusammensetzung.
Bei einem Gegenstand der Beschäftigung
Thema · Sachgebiet · Gegenstand · Stoff
Thema ist im Alltag meist am einfachsten. Sachgebiet passt zu einem größeren Bereich. Stoff kann den Inhalt eines Kurses oder einer Darstellung bezeichnen.
„Sie hat sich gründlich in die Materie eingearbeitet.“ → „Sie hat sich gründlich in das Thema eingearbeitet.“ Beide Fassungen beschreiben eine Beschäftigung mit dem Inhalt, ohne vollständige Fachkenntnis zu garantieren.
Beispiele und Verwendung
„Die Einführung erschließt eine komplexe Materie mit wenigen, gut erklärten Beispielen.“
Materie meint hier das Sachgebiet. Die Formulierung unterscheidet die Vielschichtigkeit des Themas von der Verständlichkeit seiner Darstellung.
„In dem philosophischen Text wird Materie der Form gegenübergestellt.“
Die Gegenüberstellung muss aus dem betreffenden Text heraus erläutert werden. Sie darf nicht ohne Begründung durch einen anderen Gegensatz, etwa gut und schlecht, ersetzt werden.
„Die beiden Arbeitsgruppen befassen sich mit unterschiedlichen Materien.“
Der Plural bezeichnet verschiedene Themenbereiche. Er ist hier möglich, weil Materie nicht als allgemeiner Stoffbegriff verwendet wird.
Das Adjektiv materiell kann die stoffliche Seite betreffen. In anderen Sätzen bezieht es sich auf Geld und Besitz; diese Bedeutungen sollten nicht ungeprüft mit dem philosophischen Materiebegriff gleichgesetzt werden.
Grammatik und Beugung
Es heißt die Materie und im Genitiv der Materie. Bei der stofflichen, physikalischen oder philosophischen Grundbedeutung wird das Wort ohne Plural gebraucht.
Für Themen oder Gegenstände einer Beschäftigung ist der Plural die Materien möglich. Im Dativ lautet er den Materien. Die Tabellen trennen diese Verwendung ausdrücklich vom allgemeinen Stoffbegriff.
Die Worttrennung lautet Ma·te·rie. Beim übertragenen Gebrauch steht nach sich einarbeiten in der Akkusativ: sich in die Materie einarbeiten. Die Ortsvorstellung in sich in der Materie auskennen steht dagegen mit Dativ.
| Fall | Singular |
|---|---|
| Nominativ | die Materie |
| Genitiv | der Materie |
| Dativ | der Materie |
| Akkusativ | die Materie |
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | die Materie | die Materien |
| Genitiv | der Materie | der Materien |
| Dativ | der Materie | den Materien |
| Akkusativ | die Materie | die Materien |
