Nachlass
Form & Grammatik
Substantiv- Stichwort
- Nachlass
- Worttrennung
- Nach·lass
- Artikel
- der
- Geschlecht
- Maskulinum
- Genitiv
- des Nachlasses
- Plural
- die Nachlasse / die Nachlässe
Gebrauch: Hinterlassenschaft einer verstorbenen Person oder kaufmännisch eine Preisermäßigung. Beide Pluralformen Nachlasse und Nachlässe sind belegt; die Bedeutung ergibt sich aus dem Zusammenhang.
Definition · kurz erklärt
Nachlass bezeichnet, was eine verstorbene Person hinterlässt. Im Handel kann ein Nachlass außerdem eine Verringerung des geforderten Preises bedeuten. Diese beiden Bedeutungen haben trotz gleicher Schreibung unterschiedliche Zusammenhänge.
Bedeutungen
Bedeutung 1: Was eine verstorbene Person hinterlässt
Ein Nachlass kann persönliche Gegenstände, Vermögen und Verpflichtungen umfassen. In Literatur und Forschung richtet sich der Blick häufig auf hinterlassene Arbeitsmaterialien: Briefe, Notizen oder unveröffentlichte Texte.
Ein literarischer Nachlass kann mehrere Manuskripte enthalten. Die Bezeichnung Nachlass beschreibt dabei ihren Zusammenhang mit der verstorbenen Person; Manuskript bezeichnet die Art eines einzelnen Textes.
„Im Nachlass der Autorin fand das Archiv mehrere Entwürfe zu einem unvollendeten Roman.“
Der Nachlass ist hier der Zusammenhang, in dem die Entwürfe überliefert sind. Daraus folgt nicht, dass die Autorin alle Entwürfe zur Veröffentlichung vorgesehen hatte.
Bedeutung 2: Einen geforderten Preis verringern
In einem Angebot oder einer Rechnung kann Nachlass eine Preisermäßigung bedeuten. Der Ausdruck sagt zunächst nur, dass von einem Betrag etwas abgezogen wird. Welche Bedingungen gelten, muss die jeweilige Vereinbarung erklären.
„Der Laden gewährte auf den ausgezeichneten Preis von 100 Euro einen Nachlass von 10 Euro.“
Der zu zahlende Betrag beträgt in diesem Beispiel 90 Euro. Der Satz erklärt den konkreten Abzug; er behauptet nicht, dass jede Ware im Laden entsprechend günstiger ist.
Synonyme: andere Wörter für Nachlass
Über Hinterlassenes schreiben
Hinterlassenschaft · Erbe
Hinterlassenschaft ist eine allgemeine Alternative. Erbe kann ebenfalls Hinterlassenes meinen, hat aber weitere Bedeutungen und bezeichnet als maskulines Personenwort auch einen Erben. Ein literarischer Nachlass ist außerdem nicht einfach ein einzelnes Werk.
„Das Archiv ordnete den schriftlichen Nachlass.“ → „Das Archiv ordnete die hinterlassenen Schriftstücke.“ Die Umschreibung nennt genauer, welcher Teil des Nachlasses gemeint ist.
Eine Preisermäßigung benennen
Rabatt · Preisnachlass · Ermäßigung
Preisnachlass macht die kaufmännische Bedeutung ausdrücklich. Rabatt passt häufig bei einer entsprechenden Verringerung des Preises. Ermäßigung ist weiter verwendbar, etwa auch bei einem Eintrittspreis.
„Sie erhielt einen Nachlass auf den Kaufpreis.“ → „Sie erhielt eine Ermäßigung des Kaufpreises.“ Beide Fassungen nennen einen geringeren Preis; die genaue Höhe bleibt ohne weitere Angabe offen.
Beispiele und Verwendung
Material und Veröffentlichung unterscheiden
„Die Briefe stammen aus dem Nachlass; einige sind bereits in einer Ausgabe abgedruckt.“
Herkunft und Veröffentlichungsstand werden getrennt genannt. Ein Text hört nicht allein deshalb auf, zum überlieferten Nachlass zu gehören, weil er später veröffentlicht wurde.
Den Betrag verständlich nennen
„Der Nachlass betrug 15 Euro; die Rechnung nennt den Ausgangspreis und den verbleibenden Betrag.“
Die konkreten Zahlen helfen, die Ermäßigung nachzuvollziehen. Das Wort Nachlass allein würde weder Ausgangspreis noch Endpreis nennen.
Grammatik und Beugung
Es heißt der Nachlass, Genitiv des Nachlasses. Die Pluralformen lauten die Nachlasse und die Nachlässe; im Dativ stehen den Nachlassen beziehungsweise den Nachlässen.
Die Worttrennung ist Nach·lass. Im Singular wird das Wort mit ss geschrieben. Die zweite Pluralvariante hat zusätzlich den Umlaut ä. Beide Reihen stehen vollständig in der Tabelle.
Der Zusammenhang trennt die Bedeutungen: aus dem Nachlass einer Schriftstellerin meint eine Hinterlassenschaft; einen Nachlass auf den Preis gewähren meint eine Ermäßigung. Die gleiche Kasusendung entscheidet nicht über die gemeinte Lesart.
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | der Nachlass | die Nachlasse / die Nachlässe |
| Genitiv | des Nachlasses | der Nachlasse / der Nachlässe |
| Dativ | dem Nachlass | den Nachlassen / den Nachlässen |
| Akkusativ | den Nachlass | die Nachlasse / die Nachlässe |
Redewendungen und feste Verbindungen
Aus dem Nachlass
Die Verbindung nennt die Herkunft aus dem Hinterlassenen einer verstorbenen Person. „Die Zeichnung stammt aus dem Nachlass des Bühnenbildners.“ Der Satz nennt eine Überlieferung, aber noch kein Entstehungsjahr.
Bei literarischen Texten kann ein Zusatz wie Entwurf, Fragment oder Brief hilfreicher sein als Nachlass allein: Er beschreibt, welche Art von Material vorliegt.
