ausnehmen
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- ausnehmen
- Worttrennung
- aus·neh·men
- Präsens
- nimmt aus
- Präteritum
- nahm aus
- Partizip II
- ausgenommen
- Hilfsverb
- haben
Ausnehmen ist ein starkes, trennbares Verb. Im Präsens wechselt der Stamm: ich nehme aus, du nimmst aus, sie nimmt aus. Das Perfekt wird mit haben gebildet.
Ausnehmen kann bedeuten, etwas von einer Regel auszuschließen, Innereien aus einem Tier zu entfernen oder jemanden finanziell zu übervorteilen. Die gehobene Wendung sich ausnehmen beschreibt, wie etwas wirkt oder erscheint.
Ausnahme, Entnahme oder Übervorteilung?
Eine Regelung kann bestimmte Fälle ausnehmen. Dann gelten sie ausdrücklich nicht unter der genannten Regel. „Die Einladung nimmt Kleinkinder von der Anmeldung aus“ bedeutet beispielsweise, dass für sie keine Anmeldung verlangt wird. Ob eine Ausnahme günstig oder ungünstig ist, hängt vom Inhalt der Regel ab.
In der Küche bezeichnet ausnehmen das Entfernen der Innereien aus einem geschlachteten oder erlegten Tier. Das Verb kann auch das Entnehmen von Eiern oder anderen Inhalten aus einem Nest bezeichnen. Welche Entnahme gemeint ist, ergibt sich aus dem Gegenstand. Diese Lesarten haben nichts mit einer Ausnahme in einer Vorschrift zu tun.
Umgangssprachlich und abwertend kann „jemanden ausnehmen“ heißen, der Person auf unfaire oder listige Weise Geld abzunehmen. Der Ausdruck erhebt damit einen Vorwurf. Er bedeutet mehr als lediglich einen hohen Preis zu verlangen oder Geld zu erhalten. Eine weitere umgangssprachliche Lesart ist das dreiste Ausfragen.
Die reflexive Wendung ist anders aufgebaut: „Das Bild nimmt sich im Flur gut aus.“ Gemeint ist, dass das Bild dort gut wirkt. Der Ausdruck klingt gehoben und etwas altertümlich. Er beschreibt einen Eindruck, keinen Entnahmevorgang.
Synonyme: Welches Wort passt?
| Alternative | Geeigneter Zusammenhang | Unterschied |
|---|---|---|
| ausklammern | einen Fall aus einer Betrachtung ausnehmen | Passt zum bewussten Nichtberücksichtigen; nicht jede Ausnahme ist eine gedankliche Ausklammerung. |
| von einer Regel ausschließen | bestimmte Fälle ausnehmen | Erklärt den Geltungsbereich; nennt allein noch keinen Vorteil oder Nachteil. |
| übervorteilen | jemanden finanziell ausnehmen | Betont den unfairen Vorteil, ist aber allgemeiner als das Abnehmen von Geld. |
| wirken, erscheinen | sich in bestimmter Weise ausnehmen | Passt nur zur reflexiven, gehobenen Eindruckslesart. |
Eigene Beispiele: eine Ausnahme nennen
Ausgangssatz: Die Organisatorin nahm die jüngste Gruppe von der Zeitvorgabe aus.
Alternative: Für die jüngste Gruppe ließ die Organisatorin eine Ausnahme von der Zeitvorgabe zu.
Die eigenen Sätze benennen eine ausdrücklich abweichende Behandlung. Die Gruppe wird damit nicht aus der Veranstaltung ausgeschlossen. „Ausnehmen von der Regel“ und „Ausschließen von der Teilnahme“ betreffen unterschiedliche Gegenstände.
Eigene Beispiele: eine Wirkung beschreiben
Ausgangssatz: Die kleine Zeichnung nahm sich an der großen Wand verloren aus.
Alternative: Die kleine Zeichnung wirkte an der großen Wand verloren.
Die zweite Fassung ist im heutigen Alltag geläufiger. Verloren beschreibt hier einen räumlichen Eindruck, nicht den tatsächlichen Verlust des Bildes. Ausnehmen braucht in dieser Lesart das Reflexivpronomen sich.
Nimmt aus, nahm aus, hat ausgenommen
Ausnehmen ist ein starkes, trennbares Verb. Im Präsens wechselt der Stamm: ich nehme aus, du nimmst aus, sie nimmt aus. Das Perfekt wird mit haben gebildet.
Konjugation von ausnehmen
Ausnehmen ist ein starkes, trennbares Verb. Im Präsens wechselt der Stamm: ich nehme aus, du nimmst aus, sie nimmt aus. Das Perfekt wird mit haben gebildet.
| Person | Präsens | Präteritum | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|---|---|
| ich | nehme aus | nahm aus | nehme aus | nähme aus |
| du | nimmst aus | nahmst aus | nehmest aus | nähmest aus / nähmst aus |
| er/sie/es | nimmt aus | nahm aus | nehme aus | nähme aus |
| wir | nehmen aus | nahmen aus | nehmen aus | nähmen aus |
| ihr | nehmt aus | nahmt aus | nehmet aus | nähmet aus / nähmt aus |
| sie/Sie | nehmen aus | nahmen aus | nehmen aus | nähmen aus |
Bei einer Ausnahme steht die ausgenommene Sache im Akkusativ: einen Fall ausnehmen. Von nennt den Bereich und verlangt den Dativ: von der Regel ausnehmen. Die zu-Form lautet auszunehmen; im Nebensatz heißt es weil sie den Fall ausnimmt.
Ausgenommen als knapper Zusatz
Das Partizip kann eine Ausnahme kurz anschließen: Die Räume sind geöffnet, den Keller ausgenommen. Eine vollständige Fassung wäre: Der Keller ist davon ausgenommen. Bei komplizierten Sätzen ist eine solche vollständige Formulierung oft leichter zu verstehen als ein eingeschobener Zusatz.
Nehmen, nimmst, genommen
Die wechselnden Formen gehören zusammen: ausnehmen, nimmst aus, ausgenommen. Im Partizip steht mm. Die bloße Wortähnlichkeit zu ausnehmend genügt nicht für einen Austausch: „ausnehmend freundlich“ verstärkt freundlich und bezeichnet keine Ausnahme von einer Regel.
Eine Beschuldigung kenntlich machen
In einer erfundenen Szene ärgert sich eine Figur über einen Preis und sagt, sie werde ausgenommen. Eine genaue Inhaltsangabe schreibt: „Sie empfindet den Preis als unfair.“ Ob tatsächlich Täuschung oder unfaire Ausnutzung vorliegt, ist damit noch nicht bewiesen. So bleibt die Figurenmeinung von der Bewertung der Analyse getrennt.
Weitere Verben findest du im Verbenwörterbuch.
