demütigen
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- demütigen
- Worttrennung
- de·mü·ti·gen
- Präsens
- demütigt
- Präteritum
- demütigte
- Partizip II
- gedemütigt
- Hilfsverb
- haben
- Reflexiver Gebrauch
- auch reflexiv: sich vor jemandem demütigen (vor + Dativ)
- Trennbarkeit
- nicht trennbar
- Ergänzungen
- jemanden demütigen (Akkusativ)
Demütigen heißt, jemanden durch Worte oder Handlungen herabzusetzen und in seiner Selbstachtung oder Würde zu verletzen. Das Verb beschreibt mehr als eine sachliche Kritik oder eine enttäuschende Nachricht.
Herabsetzung statt bloßer Meinungsverschiedenheit
Eine Person kann beispielsweise vor anderen lächerlich gemacht oder gezwungen werden, ihre vermeintliche Unterlegenheit vorzuführen. Eine Demütigung muss nicht laut geschehen. Auch ein scheinbar freundlicher, aber herablassender Kommentar kann jemanden kleinmachen.
Ob eine Handlung demütigend wirkt, hängt von Inhalt, Situation und Beziehung ab. Nicht jede Ablehnung ist deshalb eine Demütigung. Eine begründete Absage kann enttäuschen und trotzdem respektvoll formuliert sein.
Reflexiv bedeutet sich demütigen, sich vor jemandem herabzusetzen. Davon ist demütig zu unterscheiden: Das Adjektiv beschreibt eine zurückgenommene Haltung, die freiwillig eingenommen werden kann. Gedemütigt bezeichnet dagegen die verletzende Erfahrung oder deren Ergebnis.
Synonyme mit unterschiedlichen Schwerpunkten
| Ausdruck | Schwerpunkt |
|---|---|
| erniedrigen | Jemanden herabsetzen und als minderwertig behandeln |
| herabwürdigen | Die Würde oder den Wert einer Person missachten |
| bloßstellen | Eine Schwäche vor anderen offenlegen |
| kränken | Gefühle oder Selbstachtung verletzen; weiter gefasst |
Eigener Satzvergleich 1: „Der Leiter kritisiert den fehlerhaften Bericht.“ – „Der Leiter demütigt die Verfasserin vor dem Team.“ Im ersten Satz richtet sich die Kritik auf eine Arbeit. Im zweiten wird eine persönliche Herabsetzung behauptet. Kritik kann demütigend formuliert sein, muss es aber nicht.
Eigener Satzvergleich 2: „Sie fühlt sich durch den Vergleich gedemütigt.“ – „Der Vergleich soll sie demütigen.“ Der erste Satz beschreibt die Wirkung aus ihrer Sicht. Der zweite schreibt dem Handelnden eine Absicht zu. Eine erfahrene Verletzung beweist diese Absicht nicht allein.
Grammatik und Wortformen
Wortart: Verb. Formen: ich demütige, du demütigst, sie demütigt; demütigte; hat gedemütigt. Das Partizip lautet ausdrücklich gedemütigt.
Konjugation von demütigenPräsens, Präteritum und Konjunktiv
| Person | Präsens | Präteritum | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|---|---|
| ich | demütige | demütigte | demütige | demütigte |
| du | demütigst | demütigtest | demütigest | demütigtest |
| er/sie/es | demütigt | demütigte | demütige | demütigte |
| wir | demütigen | demütigten | demütigen | demütigten |
| ihr | demütigt | demütigtet | demütiget | demütigtet |
| sie/Sie | demütigen | demütigten | demütigen | demütigten |
Ein Akkusativobjekt nennt die betroffene Person: jemanden demütigen. Reflexiv heißt es sich vor jemandem demütigen. Das Substantiv zur Handlung ist Demütigung.
In einer Charakterisierung
Eine erfundene Figur verspottet vor der Gruppe die unsichere Stimme eines Mitschülers. Die Beobachtung kann eine Deutung als herabsetzendes Verhalten stützen. Beschreibe zuerst die Handlung und begründe dann das Urteil. Ein einzelner Vorfall erklärt noch nicht die gesamte Persönlichkeit der Figur.
