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ersinnen

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
ersinnen
Worttrennung
er·sin·nen
Präsens
ersinnt
Präteritum
ersann
Partizip II
ersonnen
Hilfsverb
haben

Ersinnen bedeutet, sich etwas durch Nachdenken auszudenken. Gemeint sein können eine Geschichte, ein Plan, ein Verfahren oder auch eine Ausrede. Das gehobene Verb hebt die gedankliche Hervorbringung hervor; es bewertet das Ergebnis nicht automatisch als gut oder wahr.

Bedeutung und Verwendung

Wer etwas ersinnt, entwickelt eine Vorstellung, die vorher so noch nicht feststand. Das kann kreativ und hilfreich sein, etwa bei einer überraschenden Handlungsidee. Es kann ebenso eine Täuschung betreffen. Der jeweilige Gegenstand bestimmt, ob die Tätigkeit positiv oder kritisch bewertet wird.

Ersinnen klingt literarischer als ausdenken. Es kann einen längeren oder einfallsreichen Denkprozess nahelegen, legt dessen Dauer jedoch nicht fest. Ein ersonnener Plan ist zunächst ein Gedankengebilde. Ob er ausgeführt wird oder funktioniert, muss gesondert berichtet werden.

Synonyme im Gebrauch

Ausdenken
Die geläufige Alternative. Sie ist in Alltag und Schule meist natürlicher und lässt ebenfalls offen, ob das Ergebnis nützlich, erfunden oder irreführend ist.
Erfinden
Passt zu neuen Ideen oder erfundenen Geschichten. Es kann stärker die Neuheit betonen und bei Behauptungen eine fehlende Wahrheit nahelegen.
Entwickeln
Betont einen Prozess mit mehreren Schritten. Es kann auf Vorhandenem aufbauen und muss nicht dieselbe Vorstellung einer frei erdachten Idee enthalten.

Zwei eigene Satzpaare

Ausgangssatz: Für die Geschichte ersann Mira ein ungewöhnliches Ende.
Alternative: Für die Geschichte dachte sich Mira ein ungewöhnliches Ende aus.

Die Umschreibung bewahrt den kreativen Vorgang und klingt alltäglicher. Ein ungewöhnliches Ende ist noch nicht automatisch überzeugend. Seine Wirkung hängt davon ab, wie es zur vorherigen Handlung passt.

Ausgangssatz: Die Figur ersinnt eine Ausrede für ihr Zuspätkommen.
Alternative: Die Figur entwickelt eine Erklärung für ihr Zuspätkommen.

Die Alternative schwächt die kritische Einordnung ab. Ausrede legt eine vorgeschobene Begründung nahe; Erklärung kann wahr und sachlich sein. Für eine Inhaltsangabe darf diese Bedeutungsänderung nicht unbemerkt bleiben.

Grammatik und Schreibweise

Die starken Stammformen lauten ersinnen – ersann – hat ersonnen. Der Konjunktiv II heißt ersänne. Die Vorsilbe er- wird nicht abgetrennt.

Konjugation von ersinnenPräsens, Präteritum und Konjunktiv
Sechs Personen: Präsens, Präteritum, Konjunktiv I und Konjunktiv II.
PersonPräsensPräteritumKonjunktiv IKonjunktiv II
ichersinneersannersinneersänne / ersönne
duersinnstersannstersinnestersännest / ersännst / ersönnest / ersönnst
er/sie/esersinntersannersinneersänne / ersönne
wirersinnenersannenersinnenersännen / ersönnen
ihrersinntersanntersinnetersännet / ersännt / ersönnet / ersönnt
sie/Sieersinnenersannenersinnenersännen / ersönnen

Das Erdachte steht im Akkusativ: einen Plan ersinnen. Zusätzlich ist ein reflexiver Dativ möglich: sich eine Geschichte ersinnen. In alltäglichen Texten ist sich ausdenken oft leichter verständlich.

Treffend formulieren

Das Wort eignet sich für eine bewusst gehobene Erzählweise. In Anleitungen ist entwickeln oder ausdenken meist direkter. Entscheidend bleibt, ob du eine neue Idee, eine ausgearbeitete Lösung oder eine erfundene Behauptung meinst. Eine passende Ergänzung macht diese Unterschiede deutlicher als ein möglichst anspruchsvolles Verb allein.