erweichen
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- erweichen
- Worttrennung
- er·wei·chen
- Präsens
- erweicht
- Präteritum
- erweichte
- Partizip II
- erweicht
- Hilfsverb
- haben beim Weichmachen oder Umstimmen; sein beim Weichwerden oder Nachgeben
Erweichen bedeutet, etwas weich oder nachgiebig zu machen beziehungsweise selbst weich zu werden. Übertragen kann eine Person erweicht werden, wenn sie einen bisherigen Widerstand aufgibt oder sich zu einer Bitte bewegen lässt. Die Lesart bestimmt auch das Hilfsverb.
Bedeutung und Verwendung
Bei Stoffen beschreibt erweichen eine Veränderung der Beschaffenheit. Wärme kann Wachs erweichen; das Wachs kann unter Wärmeeinwirkung erweichen. Im ersten Satz steht die Ursache im Vordergrund, im zweiten die Veränderung am Stoff. Weicher werden ist nicht zwangsläufig dasselbe wie vollständig schmelzen.
Bei Menschen ist die Vorstellung einer weich werdenden Haltung bildlich. Eine Bitte kann eine zunächst ablehnende Person erweichen. Das beschreibt eine Veränderung der Entscheidung, nicht automatisch einen Beweis besserer Gründe. Auch Mitleid oder persönliche Nähe können dabei eine Rolle spielen.
Synonyme im Gebrauch
- Weich machen
- Erklärt die stoffliche Veränderung unmittelbar. Die Umschreibung ist im Alltag oft verständlicher und macht keine Aussage über vollständiges Schmelzen.
- Umstimmen
- Passt zur Änderung einer Meinung oder Entscheidung. Es klingt sachlicher und enthält weniger die Vorstellung eines gefühlsbedingten Nachgebens.
- Zum Nachgeben bewegen
- Betont den aufgegebenen Widerstand. Die Person kann nachgeben, ohne innerlich von allen Gründen überzeugt zu sein.
Zwei eigene Satzpaare
Ausgangssatz: Die Wärme erweichte das Wachs.
Alternative: Die Wärme machte das Wachs weich.
Beide Varianten beschreiben eine Veränderung der Konsistenz. Die Wärme brachte das Wachs zum Schmelzen wäre nicht zwingend gleichbedeutend: Weiches Wachs kann noch seine Form behalten. Der genaue Zustand sollte die Wortwahl bestimmen.
Ausgangssatz: Die eindringliche Bitte erweichte die zunächst ablehnende Figur.
Alternative: Die eindringliche Bitte bewegte die zunächst ablehnende Figur zum Nachgeben.
Die Umschreibung erklärt das Bild. Sie behauptet noch keine vollständige Überzeugung. Für eine Analyse ist interessant, ob die Figur aus Einsicht, Mitgefühl oder unter Druck anders entscheidet.
Grammatik und Schreibweise
Die schwachen Formen lauten erweichen – erweichte – erweicht. Beim Weichmachen steht haben: Die Wärme hat das Wachs erweicht. Beim Weichwerden steht sein: Das Wachs ist erweicht.
Konjugation von erweichenPräsens, Präteritum und Konjunktiv
| Person | Präsens | Präteritum | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|---|---|
| ich | erweiche | erweichte | erweiche | erweichte |
| du | erweichst | erweichtest | erweichest | erweichtest |
| er/sie/es | erweicht | erweichte | erweiche | erweichte |
| wir | erweichen | erweichten | erweichen | erweichten |
| ihr | erweicht | erweichtet | erweichet | erweichtet |
| sie/Sie | erweichen | erweichten | erweichen | erweichten |
Transitiv nennt ein Akkusativobjekt das Veränderte. Intransitiv steht es als Subjekt. Auch bei der übertragenen Lesart ist zwischen jemanden erweichen und selbst erweichen zu unterscheiden.
Treffend formulieren
Die beiden Konstruktionen helfen, Ursache und Veränderung klar zuzuordnen. Bei Personen sollte die bildliche Form nicht vorschnell als Schwäche gedeutet werden. Eine geänderte Entscheidung kann begründet und angemessen sein. Beschreibe deshalb die Beweggründe und den Handlungsspielraum, bevor du das Nachgeben bewertest.
