fehlen
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- fehlen
- Worttrennung
- feh·len
- Präsens
- fehlt
- Präteritum
- fehlte
- Partizip II
- gefehlt
- Hilfsverb
- haben
- Trennbarkeit
- nicht trennbar
- Ergänzungen
- jemandem fehlen (Dativ); an etwas fehlen (an + Dativ)
Du fehlst mir: du ist das Subjekt, mir der Dativ. Es fehlt an etwas ist dagegen eine unpersönliche Konstruktion.
Fehlen bedeutet, nicht vorhanden oder nicht anwesend zu sein. Das Wort kann einen Gegenstand, eine Person oder einen notwendigen Bestandteil betreffen. Jemandem fehlen kann außerdem ausdrücken, dass diese Person jemanden vermisst.
Abwesenheit, Mangel oder Vermissen
„Im Paket fehlt die Anleitung“ beschreibt einen nicht vorhandenen Bestandteil. „Im Unterricht fehlt Nora“ nennt die Abwesenheit einer Person. Ob sie entschuldigt ist, absichtlich wegbleibt oder krank ist, wird durch das Verb allein nicht festgelegt.
Bei einer Mengenangabe kann fehlen einen Abstand zu einem Ziel bezeichnen: Bis zum erforderlichen Betrag fehlen noch zehn Euro. „Du fehlst mir“ betrifft dagegen eine persönliche Empfindung. Die sprechende Person vermisst die andere. Die Wendung „Es fehlt an Zeit“ beschreibt wiederum einen Mangel; sie muss nicht bedeuten, dass überhaupt keine Zeit vorhanden ist.
Worauf bezieht sich die Lücke?
| Alternative | Passender Zusammenhang | Unterschied |
|---|---|---|
| nicht vorhanden sein | Gegenstände oder Bestandteile | Neutrale, ausdrückliche Umschreibung. |
| abwesend sein | Person an einem erwarteten Ort | Beschreibt den Anwesenheitsstatus. |
| mangeln | Unzureichende Menge oder Ausstattung | Häufig mit an verbunden. |
| vermisst werden | Persönliche Beziehung | Betont die Empfindung der zurückbleibenden Person. |
Zwei Satzpaare mit Erklärung
„Am Vormittag fehlt Nora im Unterricht.“ – „Am Vormittag ist Nora im Unterricht abwesend.“ Beide nennen lediglich die Abwesenheit. Schwänzen wäre kein neutraler Ersatz, weil es zusätzlich ein unberechtigtes oder absichtliches Fernbleiben nahelegt.
„Du fehlst mir seit deinem Umzug.“ – „Ich vermisse dich seit deinem Umzug.“ Die Empfindung bleibt gleich, aber die Satzrollen wechseln. Bei fehlen ist du das Subjekt; bei vermissen wird die empfindende Person zum Subjekt und die vermisste Person zum Akkusativobjekt.
Fehlt, fehlte, hat gefehlt
Die schwachen Formen lauten fehlt – fehlte – hat gefehlt. In Du fehlst mir steht die empfindende Person im Dativ. Auch bei an etwas fehlen folgt der Dativ: Es fehlt an einem klaren Plan. Der Satz Es fehlen drei Seiten hat dagegen ein Subjekt im Plural; entsprechend steht das Verb im Plural.
Du fehlst mir: du ist das Subjekt, mir der Dativ. Es fehlt an etwas ist dagegen eine unpersönliche Konstruktion.
Konjugation von fehlenPräsens, Präteritum und Konjunktiv
| Person | Präsens | Präteritum | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|---|---|
| ich | fehle | fehlte | fehle | fehlte |
| du | fehlst | fehltest | fehlest | fehltest |
| er/sie/es | fehlt | fehlte | fehle | fehlte |
| wir | fehlen | fehlten | fehlen | fehlten |
| ihr | fehlt | fehltet | fehlet | fehltet |
| sie/Sie | fehlen | fehlten | fehlen | fehlten |
Nicht aus Abwesenheit auf Absicht schließen
Die Unterscheidung ist gerade in Berichten nützlich: Fehlt ein Dokument, ist damit weder sein Verlust noch eine bewusste Zurückhaltung bewiesen. Fehlt eine Person, bleibt der Grund offen. In älteren Texten kann fehlen außerdem irren oder falsch handeln bedeuten. Diese heute ungewöhnliche Lesart ist etwa für das Verständnis von weit gefehlt hilfreich.
