gären
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- gären
- Worttrennung
- gä·ren
- Präsens
- gärt
- Präteritum
- gor; gärte in der zweiten Tabellenbedeutung
- Partizip II
- gegoren / gegärt beim Gärungsprozess; gegärt bei innerer Unruhe
- Hilfsverb
- haben oder sein beim Gärungsprozess; haben bei innerer Unruhe
Bei Gärungsvorgängen sind haben und sein möglich. Beim bildlichen Gären von Unruhe steht haben; hier sind gärte und gegärt besonders üblich.
Gären bezeichnet einen Gärungsprozess, etwa bei Most oder Teig. Übertragen kann es bedeuten, dass Unzufriedenheit oder Unruhe im Inneren einer Person oder Gruppe wächst.
Ein Vorgang und sein sprachliches Bild
Beim wörtlichen Gebrauch wird ein Gärungsprozess beschrieben. Die genaue Art hängt vom Stoff und vom Verfahren ab. Das Wort allein ist keine Anleitung zur Herstellung eines Lebensmittels und sagt nicht, ob ein Produkt genießbar ist.
Bildlich heißt „In der Gruppe gärt Unzufriedenheit“, dass sich ein Konflikt entwickelt, der noch nicht unbedingt offen ausgebrochen ist. Das Sprachbild überträgt einen inneren Veränderungsprozess auf Gefühle und soziale Vorgänge. Eine tatsächliche chemische Gärung wird damit nicht behauptet.
Nicht jede Veränderung ist Gärung
| Alternative | Passender Zusammenhang | Grenze |
|---|---|---|
| sich in Gärung befinden | Most oder andere Stoffe | Erklärt den wörtlichen Vorgang. |
| unterschwellig wachsen | Unzufriedenheit | Erklärt das Bild ohne chemischen Bezug. |
| brodeln | bildlich starke Unruhe | Kann den Eindruck verstärken und eine größere Heftigkeit nahelegen. |
„Der Most hat mehrere Tage gegoren.“
„Der Most befand sich mehrere Tage in Gärung.“
Die zweite Fassung umschreibt den Vorgang. Über Ergebnis, Qualität und weiteren Umgang mit dem Most enthalten beide Sätze keine vollständige Aussage.
„Nach der Entscheidung gärte Unmut in der Gruppe.“
„Nach der Entscheidung wuchs unterschwellig Unmut in der Gruppe.“
Beide Fassungen beschreiben eine zunehmende Spannung. Die zweite macht den bildlichen Sinn ausdrücklich; ein sichtbarer Streit muss zu diesem Zeitpunkt noch nicht stattgefunden haben.
Starke und schwache Formen
Das Verb hat starke und schwache Formen: gor und gärte, gegoren und gegärt. Beim wörtlichen Vorgang können haben und sein stehen; beim bildlichen Gären von Unruhe wird haben verwendet. Die jeweilige Bedeutung sollte deshalb direkt neben den Formen genannt werden.
Konjugation von gärenPräsens, Präteritum und Konjunktiv
| Person | Präsens | Präteritum | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|---|---|
| ich | gäre | gor | gäre | göre |
| du | gärst | gorst | gärest | görest / görst |
| er/sie/es | gärt | gor | gäre | göre |
| wir | gären | goren | gären | gören |
| ihr | gärt | gort | gäret | göret / gört |
| sie/Sie | gären | goren | gären | gören |
Konjugation von gärenSechs Personen mit finiten Formen. Innere Unruhe; auch schwache Gärungsreihe.
| Person | Präsens | Präteritum | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|---|---|
| ich | gäre | gärte | gäre | gärte |
| du | gärst | gärtest | gärest | gärtest |
| er/sie/es | gärt | gärte | gäre | gärte |
| wir | gären | gärten | gären | gärten |
| ihr | gärt | gärtet | gäret | gärtet |
| sie/Sie | gären | gärten | gären | gärten |
Das Bild belegen
In einer Analyse helfen leise Beschwerden, zurückgehaltene Einwände oder spätere offene Konflikte, die Deutung zu stützen. Ein einzelnes Schweigen beweist noch keine gärende Unzufriedenheit. Die Bezeichnung kann zugleich einen länger andauernden Vorgang nahelegen. Für die genaue Dauer braucht es aber eine eigene Zeitangabe im Text.
