meinen
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- meinen
- Worttrennung
- mei·nen
- Präsens
- er/sie/es meint
- Präteritum
- meinte
- Partizip II
- gemeint
- Perfekt
- hat gemeint
- Hilfsverb
- haben
Gebrauch: Schwach und nicht trennbar. Sich in einer Lage meinen ist gehoben; in der ersten Person auch gekürzt ich mein.
Ergänzungen: Etwas oder jemanden meinen (Akkusativ); meinen, dass …; es gut mit jemandem meinen (mit + Dativ).
Definition · kurz erklärt
Meinen kann eine Ansicht oder Vermutung ausdrücken. Es kann auch heißen, sich auf jemanden oder etwas zu beziehen, etwas mit einer bestimmten Absicht zu sagen oder eine Äußerung wiederzugeben.
Bedeutungen
Bedeutung 1: Eine Ansicht oder Vermutung haben
Mit meinen kann jemand eine Einschätzung, Überzeugung oder Vermutung ausdrücken. Wie sicher die Person ist, hängt vom Zusammenhang ab. Das Wort allein macht ihre Aussage weder wahr noch falsch.
„Ich meine, dass ein zusätzlicher Absatz die Erklärung verständlicher macht.“
Die Person äußert ein Urteil über den Text. Ein Nachweis dafür, dass alle Leserinnen und Leser ihn tatsächlich besser verstehen, ist damit noch nicht gegeben.
Bedeutung 2: Sich auf jemanden oder etwas beziehen
Wer fragt, welcher Gegenstand gemeint ist, möchte den Bezug einer Äußerung klären. Auch die beabsichtigte Aussage lässt sich so erfragen: Was meinst du damit?
„Mit dem blauen Ordner meine ich den schmalen neben dem Drucker.“
Die zusätzliche Beschreibung grenzt den gesuchten Gegenstand ein. Es geht hier um einen Bezug, nicht um eine unsichere Meinung über seine Farbe.
Bedeutung 3: Eine bestimmte Absicht ausdrücken
Etwas kann freundlich, ironisch oder ernst gemeint sein. Meinen beschreibt hier, wie die Äußerung oder Handlung beabsichtigt war. Die Wirkung auf andere kann davon abweichen.
„Der Hinweis war als Hilfe gemeint, klang für Mira aber wie ein Vorwurf.“
Gute Absicht und unangenehme Wirkung werden ausdrücklich unterschieden. Die erste hebt die zweite nicht auf.
Bedeutung 4: Sich in einer Lage glauben
Im gehobenen Gebrauch kann sich irgendwo oder in einem Zustand meinen bedeuten, sich dort zu glauben. Das Verb kennzeichnet dabei die Einschätzung der Person, nicht unbedingt die tatsächlichen Verhältnisse.
„Hinter der verriegelten Tür meinte er sich vor jeder Störung sicher.“
Er hält sich für ungestört. Ob tatsächlich niemand eintreten oder ihn auf anderem Weg erreichen kann, bleibt offen.
Bedeutung 5: Eine Äußerung wiedergeben
Als Begleitverb direkter oder indirekter Rede kann meinen einfach eine Äußerung einführen. Welche Haltung damit verbunden ist, ergibt sich aus den gesprochenen Worten und der Situation.
„‚Wir brauchen noch eine Überschrift‘, meinte Jona und zeigte auf den leeren Rand.“
Der Redebegleitsatz ordnet den Vorschlag Jona zu. Er behauptet nicht, dass Jona über die ganze Gestaltung allein entscheidet.
Synonyme: andere Wörter für meinen
Einschätzungen formulieren
denken · glauben · vermuten · der Ansicht sein
Vermuten betont fehlende Gewissheit. Der Ansicht sein passt zu einer vertretenen Auffassung. Behaupten stellt eine Aussage ausdrücklich als zutreffend hin und kann im Gespräch Zweifel anklingen lassen.
„Ich meine, dass der Plan funktioniert.“ – „Ich vermute, dass der Plan funktioniert.“ Die zweite Fassung hebt die Unsicherheit stärker hervor; sie ist keine rein stilistische Variante.
Einen Bezug oder eine Absicht klären
sich beziehen auf · im Sinn haben · beabsichtigen
Bei einem Gegenstand hilft sich beziehen auf. Bei einer Handlung kann beabsichtigen passen. Die konkrete Ergänzung entscheidet.
„Ich meine den letzten Satz.“ – „Ich beziehe mich auf den letzten Satz.“ Die Bedeutung bleibt hier erhalten; aus dem Akkusativobjekt wird eine Ergänzung mit auf.
Beispiele und Verwendung
Was meinst du?
„Was meinst du: Bleiben wir hier?“ – „Was meinst du mit ‚hier‘?“
Die erste Frage erbittet eine Einschätzung. Die zweite klärt den räumlichen Bezug. Derselbe Verbstamm erfüllt unterschiedliche Aufgaben.
Gemeint ist nicht gesagt
„Sie meinte Montag, sagte aber Dienstag.“
Beabsichtigter Inhalt und tatsächlich verwendetes Wort können auseinanderfallen. Beim Korrigieren sollte klar sein, worauf sich die Änderung bezieht.
Grammatik und Beugung
Das schwache Verb hat die Formen meint – meinte – hat gemeint. Der Infinitiv mit zu lautet zu meinen. Die verkürzte erste Person ich mein begegnet besonders in mündlicher Rede; ich meine ist die volle Form.
Bei einem Bezug steht ein Akkusativobjekt: den Absatz, diese Person, etwas anderes meinen. Eine Ansicht kann ein dass-Satz ausdrücken: Ich meine, dass der Absatz fehlt.
In es gut mit jemandem meinen verlangt mit den Dativ. Mit dem Wort meine ich … bezeichnet dagegen das sprachliche Mittel beziehungsweise den Bezug der Erklärung; die Wendungen sind nicht gleichbedeutend.
In der gehobenen reflexiven Konstruktion steht das Reflexivpronomen im Akkusativ: ich meine mich, du meinst dich, sie meint sich in Sicherheit. Die Tabellen zeigen das Grundverb ohne diese Ergänzung.
| Person | Präsens | Präteritum |
|---|---|---|
| ich | mein / meine | meinte |
| du | meinst | meintest |
| er/sie/es | meint | meinte |
| wir | meinen | meinten |
| ihr | meint | meintet |
| sie/Sie | meinen | meinten |
| Person | Perfekt | Plusquamperfekt |
|---|---|---|
| ich | habe gemeint | hatte gemeint |
| du | hast gemeint | hattest gemeint |
| er/sie/es | hat gemeint | hatte gemeint |
| wir | haben gemeint | hatten gemeint |
| ihr | habt gemeint | hattet gemeint |
| sie/Sie | haben gemeint | hatten gemeint |
| Person | Futur I | Futur II |
|---|---|---|
| ich | werde meinen | werde gemeint haben |
| du | wirst meinen | wirst gemeint haben |
| er/sie/es | wird meinen | wird gemeint haben |
| wir | werden meinen | werden gemeint haben |
| ihr | werdet meinen | werdet gemeint haben |
| sie/Sie | werden meinen | werden gemeint haben |
| Person | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|
| ich | meine | meinte |
| du | meinest | meintest |
| er/sie/es | meine | meinte |
| wir | meinen | meinten |
| ihr | meinet | meintet |
| sie/Sie | meinen | meinten |
| Person | Konjunktiv I: Perfekt | Konjunktiv II: Vergangenheit |
|---|---|---|
| ich | habe gemeint | hätte gemeint |
| du | habest gemeint | hättest gemeint |
| er/sie/es | habe gemeint | hätte gemeint |
| wir | haben gemeint | hätten gemeint |
| ihr | habet gemeint | hättet gemeint |
| sie/Sie | haben gemeint | hätten gemeint |
| Person | Konjunktiv I: Futur I | würde-Form |
|---|---|---|
| ich | werde meinen | würde meinen |
| du | werdest meinen | würdest meinen |
| er/sie/es | werde meinen | würde meinen |
| wir | werden meinen | würden meinen |
| ihr | werdet meinen | würdet meinen |
| sie/Sie | werden meinen | würden meinen |
| Person | Konjunktiv I: Futur II | würde-Form mit Partizip II |
|---|---|---|
| ich | werde gemeint haben | würde gemeint haben |
| du | werdest gemeint haben | würdest gemeint haben |
| er/sie/es | werde gemeint haben | würde gemeint haben |
| wir | werden gemeint haben | würden gemeint haben |
| ihr | werdet gemeint haben | würdet gemeint haben |
| sie/Sie | werden gemeint haben | würden gemeint haben |
| Form | Wortform |
|---|---|
| du | mein! / meine! |
| ihr | meint! |
| Sie | meinen Sie! |
| Form | Wortform |
|---|---|
| Infinitiv | meinen |
| Infinitiv mit zu | zu meinen |
| Infinitiv Perfekt | gemeint haben |
| Partizip I | meinend |
| Partizip II | gemeint |
Redewendungen und feste Verbindungen
Es gut mit jemandem meinen
Die Verbindung bezeichnet eine wohlwollende Absicht. Sie garantiert nicht, dass die Handlung hilfreich ist oder so ankommt.
„Er meint es gut mit seiner Schwester und erklärt ihr ungefragt jede Aufgabe.“ Die Absicht kann freundlich sein; ob die Schwester diese Hilfe möchte, ist eine andere Frage.
