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trauen

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
trauen
Worttrennung
trau·en
Präsens
er traut
Präteritum
er traute
Partizip II
getraut
Hilfsverb
haben

Jemandem trauen mit Dativ; sich trauen meist mit Akkusativ, selten landschaftlich auch Dativ. Ein Paar trauen mit Akkusativ.

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Trauen kann heißen, jemandem zu vertrauen, etwas zu wagen oder ein Paar in einer Trauungszeremonie ehelich zu verbinden. Die Ergänzung macht den Unterschied sichtbar: jemandem trauen, sich etwas trauen oder ein Paar trauen. Ein getrautes Paar ist nicht einfach ein mutiges Paar.

Bedeutungen

Bedeutung 1: Jemandem oder etwas vertrauen

Wer jemandem traut, verlässt sich auf dessen Verlässlichkeit oder hält seine Aussage für glaubwürdig. Auch eine Sache, etwa ein Versprechen, kann die Ergänzung sein.

Die Erzählerin traut ihrer Schwester, prüft die widersprüchliche Nachricht aber noch einmal.

Trauen beschreibt ihr Vertrauen. Es behauptet nicht, dass jede einzelne Nachricht der Schwester bereits überprüft sei.

Bedeutung 2: Den Mut zu einer Handlung haben

Sich trauen heißt, eine als schwierig oder beängstigend empfundene Handlung zu wagen. Diese Verwendung begegnet häufig in Fragen oder verneinten Aussagen.

Nach langem Zögern traut sich die Figur, vor der Gruppe ihre Frage zu stellen.

Die Figur überwindet eine innere Hürde. Ob die Frage gut beantwortet wird, bleibt offen.

Bedeutung 3: Sich an einen Ort oder von dort weg wagen

Sich trauen kann mit einer Orts- oder Richtungsangabe verbunden sein. Dann ist die Bewegung an einen Ort oder von einer Stelle weg das Wagnis.

Im Kriminalroman traut sich die Zeugin zunächst nicht aus dem Versteck.

Aus dem Versteck nennt die gefürchtete Bewegung. Die Formulierung sagt nicht, dass sie sich dort für immer sicher fühlt.

Bedeutung 4: Ein Paar ehelich verbinden

In einer staatlichen oder kirchlichen Zeremonie kann eine dazu befugte Person ein Paar trauen. Das Paar lässt sich trauen. Diese Bedeutung ist von Vertrauen und Mut zu unterscheiden.

Die Erzählung berichtet, dass die Standesbeamtin das Paar am Freitag getraut hat.

Die Standesbeamtin führt die Zeremonie durch. Das Paar ist das betroffene Akkusativobjekt.

trauen: Synonyme und andere Wörter

Bei Vertrauen

vertrauen · Glauben schenken · jemandem glauben

Jemandem glauben betrifft häufig eine Aussage. Trauen kann weiter auf die Verlässlichkeit der Person zielen. Wissen wäre stärker und würde aus Vertrauen eine Gewissheitsbehauptung machen.

„Ich traue ihr“ beschreibt Vertrauen. „Ich weiß, dass ihre Angabe stimmt“ behauptet eine bestimmte Sicherheit über die Angabe.

Beim Wagen und bei der Zeremonie

wagen · den Mut haben · ehelich verbinden

Wagen und den Mut haben passen zum reflexiven Gebrauch. Mutig beschreibt dagegen eine entsprechende Haltung oder Handlung. Ehelich verbinden passt ausschließlich zur Trauungsbedeutung.

„Sie traut sich den Auftritt zu“ und „Sie lässt sich trauen“ enthalten verschiedene Verben beziehungsweise Konstruktionen; nur die zweite bezeichnet eine Trauung.

Beispiele und Verwendung

Dativ und Akkusativ unterscheiden

Der Freund traut dem Paar; die Standesbeamtin traut das Paar.

Dem Paar ist die Dativ-Ergänzung beim Vertrauen. Das Paar ist das Akkusativobjekt bei der Zeremonie.

Keine allgemeine Eigenschaft ableiten

Die Figur traut sich diese eine Frage zu stellen, obwohl sie sonst zurückhaltend bleibt.

Ein konkreter mutiger Schritt ist sichtbar. Daraus folgt keine vollständige Veränderung ihres Charakters.

Grammatik und Beugung

Trauen wird trau·en getrennt und schwach gebeugt: traut, traute, hat getraut. Die Tabellen zeigen die Verbformen; die zum Sinn passende Ergänzung wird im Satz hinzugefügt.

Beim Vertrauen steht der Dativ: ich traue dir. Beim Wagen ist ich traue mich üblich; ich traue mir ist in dieser Verwendung selten und landschaftlich. Beim ehelichen Verbinden steht ein Akkusativobjekt: das Paar trauen.

trauen: Indikativ: Präsens und Präteritum
PersonPräsensPräteritum
ichtrauetraute
dutrausttrautest
er/sie/estrauttraute
wirtrauentrauten
ihrtrauttrautet
sietrauentrauten
trauen: Indikativ: Perfekt und Plusquamperfekt
PersonPerfektPlusquamperfekt
ichhabe getrauthatte getraut
duhast getrauthattest getraut
er/sie/eshat getrauthatte getraut
wirhaben getrauthatten getraut
ihrhabt getrauthattet getraut
siehaben getrauthatten getraut
trauen: Indikativ: Futur I und Futur II
PersonFutur IFutur II
ichwerde trauenwerde getraut haben
duwirst trauenwirst getraut haben
er/sie/eswird trauenwird getraut haben
wirwerden trauenwerden getraut haben
ihrwerdet trauenwerdet getraut haben
siewerden trauenwerden getraut haben
trauen: Konjunktiv: einfache Formen
PersonKonjunktiv IKonjunktiv II
ichtrauetraute
dutrauesttrautest
er/sie/estrauetraute
wirtrauentrauten
ihrtrauettrautet
sietrauentrauten
trauen: Konjunktiv: Vergangenheit
PersonKonjunktiv I: PerfektKonjunktiv II: Vergangenheit
ichhabe getrauthätte getraut
duhabest getrauthättest getraut
er/sie/eshabe getrauthätte getraut
wirhaben getrauthätten getraut
ihrhabet getrauthättet getraut
siehaben getrauthätten getraut
trauen: Imperativ
AnredeImperativ
dutrau! / traue!
ihrtraut!
Sietrauen Sie!

Redewendungen und feste Verbindungen

Trau, schau, wem!

Die sprichwörtliche Warnung rät, eine Person näher kennenzulernen, bevor man ihr vertraut. Sie spitzt Vorsicht im Umgang mit anderen zu.

Als der Fremde sofort ein großes Versprechen macht, erinnert die Figur ihre Schwester an „Trau, schau, wem!“.

Die Wendung drückt Vorsicht aus. Sie beweist nicht, dass die angesprochene Person tatsächlich unzuverlässig ist.