verführen
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- verführen
- Worttrennung
- ver·füh·ren
- Präsens
- verführt
- Präteritum
- verführte
- Partizip II
- verführt
- Perfekt
- hat verführt
- Hilfsverb
- haben
- Trennbarkeit
- nicht trennbar
Anreiz, sexuelle Bedeutung und umgangssprachlich scherzhafte Einladung unterscheiden. Wörtliches Weg-/Irreführen: veraltet.
Definition · kurz erklärt
Verführen kann heißen, jemanden von einem Vorsatz abzubringen oder zu einer Handlung zu verlocken. Daneben hat es eine sexuelle Bedeutung. In einer scherzhaften Frage wie Darf ich Sie zu einer Tasse Tee verführen? wird dagegen eine Einladung ausgesprochen.
Bedeutungen
Zu einer Handlung verleiten
Eine Person, ein Angebot oder ein anderer Reiz bringt jemanden dazu, etwas zunächst nicht Beabsichtigtes zu tun. Oft schwingt die Bewertung mit, dass die Handlung unklug, unerlaubt oder einem Vorsatz entgegengesetzt sei.
„Beim Aufräumen verführt ein wiedergefundenes Foto Jo dazu, lange im alten Album zu blättern.“
Eigentlich wollte Jo das Zimmer ordnen; nun zieht das Foto seine Aufmerksamkeit auf die Erinnerungen im Album. Das ist ein Anreiz zu einer anderen Beschäftigung, keine sexuelle Annäherung.
Sexuell zu einer Begegnung verlocken
Auf Menschen bezogen kann verführen das Verleiten zu einer sexuellen Begegnung meinen. Diese Bedeutung ist vom bloßen Reiz eines Essens oder eines Kaufangebots zu unterscheiden.
„Der Roman erzählt, dass die beiden erwachsenen Figuren einander verführen.“
Die Wortwahl betrifft ihre sexuelle Beziehung. Der bloße Ausdruck verführerischer Duft würde diesen Sinn nicht automatisch enthalten.
Umgangssprachlich scherzhaft einladen
In einer freundlichen, scherzhaften Aufforderung kann verführen eine Einladung zu etwas Angenehmem bezeichnen. Die Formulierung lässt die Entscheidung der angesprochenen Person offen.
„Die Gastgeberin fragt: »Darf ich Sie noch zu einer Tasse Tee verführen?«“
Die Frage bietet Tee an. Sie berichtet keine bereits erfolgte Teilnahme und keine sexuelle Absicht.
Veraltet weg- oder irreführen
In älterem Wortgebrauch kann verführen wörtlich das Führen an einen anderen oder an einen falschen Ort bedeuten. Diese räumlichen Verwendungen sind vom heutigen allgemeinen Verleiten zu unterscheiden.
„In der historisch gefärbten Erzählung verführt ein ortskundiger Begleiter den Boten absichtlich in ein abgelegenes Seitental.“
Der Begleiter führt den Boten vom richtigen Weg fort. Das Beispiel nutzt den älteren räumlichen Sinn; heute wäre irreführen meist eindeutiger.
Synonyme: andere Wörter für verführen
Bei einem Anreiz
verlocken · verleiten · zu etwas reizen
Verlocken hebt die Anziehung hervor und muss keine problematische Handlung bezeichnen. Verleiten kann stärker die Abweichung von einem Vorsatz oder einer Erwartung betonen. Eine sexuelle Bedeutung darf nicht pauschal in jeden Satz eingefügt werden.
„Der Duft verlockt sie zu einer Pause“ und „Der Duft verführt sie zu einer Pause“ können einen ähnlichen Anreiz beschreiben. „Der Duft zwingt sie zur Pause“ behauptet etwas anderes.
Anreiz und Zwang sind nicht gleichbedeutend.
Bei Eigenschaft und Handlung
anziehen · verführen · verführerisch wirken
Verführerisch bezeichnet eine anziehende Wirkung. Das Verb kann dagegen die Handlung des Verleitens schildern. Die Eigenschaft allein belegt noch keine tatsächlich ausgeführte Handlung.
„Das Angebot ist verführerisch“ lässt offen, ob es angenommen wird. „Das Angebot verführte sie zum Kauf“ berichtet zusätzlich die beschriebene Wirkung auf ihr Handeln.
Der behauptete Erfolgsstand muss beim Umschreiben erhalten bleiben.
Beispiele und Verwendung
Eine eigene Entscheidung sichtbar lassen
„Sie lässt sich vom schönen Wetter zu einem ungeplanten Ausflug verführen.“
Der Reiz erklärt im Beispiel einen Anlass. Daraus folgt keine allgemeine Entschuldigung für jede andere Entscheidung.
Perspektiven auseinanderhalten
„Die Erzählerin nennt das Versprechen verführerisch, während die Figur misstrauisch bleibt.“
Die Wirkung kann je nach wahrnehmender Person verschieden sein. Das Adjektiv legt keine einheitliche Reaktion aller Beteiligten fest.
Grammatik und Beugung
Das schwache, nicht trennbare Verb lautet verführt – verführte – hat verführt. Sein Partizip II erhält kein zusätzliches ge.
Die betroffene Person steht im Akkusativ: jemanden verführen. Das Ziel kann mit zu und Dativ folgen: zu einem Kauf. Eine Handlung wird etwa als dazu verführen, etwas zu tun angeschlossen.
Der zu-Infinitiv heißt zu verführen. Bei sie lässt sich verführen gehört sich zur Konstruktion mit lassen; es entsteht daraus keine allgemein obligatorische reflexive Grundform des Verbs.
Gegenwart und Vergangenheit
| Person | Präsens | Präteritum | Perfekt |
|---|---|---|---|
| ich | ich verführe | ich verführte | ich habe verführt |
| du | du verführst | du verführtest | du hast verführt |
| er/sie/es | er/sie/es verführt | er/sie/es verführte | er/sie/es hat verführt |
| wir | wir verführen | wir verführten | wir haben verführt |
| ihr | ihr verführt | ihr verführtet | ihr habt verführt |
| sie | sie verführen | sie verführten | sie haben verführt |
Vorvergangenheit und Zukunft
| Person | Plusquamperfekt | Futur I | Futur II |
|---|---|---|---|
| ich | ich hatte verführt | ich werde verführen | ich werde verführt haben |
| du | du hattest verführt | du wirst verführen | du wirst verführt haben |
| er/sie/es | er/sie/es hatte verführt | er/sie/es wird verführen | er/sie/es wird verführt haben |
| wir | wir hatten verführt | wir werden verführen | wir werden verführt haben |
| ihr | ihr hattet verführt | ihr werdet verführen | ihr werdet verführt haben |
| sie | sie hatten verführt | sie werden verführen | sie werden verführt haben |
Konjunktiv und würde-Verbindung
| Person | Konjunktiv I | Konjunktiv II | würde-Verbindung |
|---|---|---|---|
| ich | ich verführe | ich verführte | ich würde verführen |
| du | du verführest | du verführtest | du würdest verführen |
| er/sie/es | er/sie/es verführe | er/sie/es verführte | er/sie/es würde verführen |
| wir | wir verführen | wir verführten | wir würden verführen |
| ihr | ihr verführet | ihr verführtet | ihr würdet verführen |
| sie | sie verführen | sie verführten | sie würden verführen |
Aufforderungen
| Anrede | Imperativ |
|---|---|
| du | verführ! / verführe! |
| ihr | verführt! |
| Sie | verführen Sie! |
Schreibweise und Worttrennung
Die Worttrennung lautet ver·füh·ren. Das ü und das h bleiben in verführt und verführte erhalten. Das verwandte Nomen Verführung ist keine konjugierte Form des Verbs.
Redewendungen und feste Verbindungen
Darf ich Sie zu … verführen?
Die umgangssprachlich scherzhafte Frage lädt zu etwas ein. Ihr freundlicher Sinn entsteht durch den Anlass, etwa ein angebotenes Getränk.
„Nach dem Essen fragt die Gastgeberin: »Darf ich Sie zu einem Spaziergang verführen?«“
Die angesprochene Person kann zustimmen oder ablehnen. Die Formulierung nimmt ihre Antwort nicht vorweg.
