Als Vormärz wird eine Epoche der deutschen Geschichte bezeichnet. Der Vormärz wird auf die Jahre vor der Märzrevolution (1848) datiert, wobei verschiedene Einteilungen üblich sind. Wer den Vormärz im weiteren Sinne fasst, verortet ihn zwischen 1815 und 1848, wer ihn eng fasst, meint einen Zeitraum von 1830, auch 1840, bis 1848. Mit dem Begriff wird gleichermaßen die Literatur dieser Zeit bezeichnet. Parallel zum radikal-demokratischen Vormärz existierte der eher konservative oder auch hausbackene Biedermeier. Die Motive des Vormärz waren die Forderung der Gleichbehandlung aller Menschen, eine demokratische Verfassung und die Freiheit der Presse, welche damals der Zensur unterlag.

Der Begriff verweist auf die Märzrevolution im Jahr 1848 und meint demzufolge die vorherigen Geschehnisse. In Bezug auf die Literatur werden damit vor allem politische, oppositionelle und revolutionäre Schriften gefasst, die sich gegen die politischen Verhältnisse wendeten und eben nicht – wie es etwa kennzeichnend für den Biedermeier war – resigniert das Treiben der Obrigkeit hinnahmen sowie dagegen aufbegehrten.

Unterteilt wird die Literatur des Vormärz in den Verbund Junges Deutschland, welcher das literarische Leben zwischen 1830 bis 1834 prägte und sich durch liberale Ideen auszeichnete und den eigentlichen Vormärz, der vor allem die Jahre vor der Märzrevolution beschreibt. Autoren jener Zeit sind unter anderem Heinrich Heine, August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Ernst Willkomm sowie Georg Büchner, der sich sowohl dem Jungen Deutschland als auch dem Vormärz zuordnen lässt.

Als Epochenbezeichnung wird der Begriff vor allem im 20. Jahundert geprägt. Da die Sammelbezeichnung allerdings zumeist recht ungenau erscheint, wenn damit sämtliche Schriften vor der Märzrevolution von 1848 gemeint sind, muss der Vormärz immer zusammen mit dem Jungen Deutschland und dem Biedermeier betrachtet werden. Vor allem der Biedermeier war nämlich ebenso prägend für die Literatur der Zeit.
Epochen der Literatur als Zeitstrahl

Merkmale des Vormärz

Zwar lässt sich die Epoche zeitlich eindeutig zuordnen, jedoch scheint es problematisch, die Merkmale des Vormärz ganz klar zu benennen. Hierbei gibt es Überlagerungen mit dem Jungen Deutschland und Autoren, die sich nicht eindeutig der Strömung zuordnen lassen, sondern durchaus im gleichen Maße dem Biedermeier zuzuschreiben sind. Somit kann eine Übersicht der Epochenmerkmale immer nur ein Ausschnitt sein und die prägendsten Positionen darstellen, die sich bei vielen Vertretern abzeichnen.

Übersicht: Die Merkmale der Strömung im Überblick

  • Das gesellschaftliche Leben dieser Jahre war geprägt vom Misstrauen gegenüber der Obrigkeit und der Politik. Die Autoren des Vormärz wuchsen in einer Zeit auf, die sie vor allem politisch bitter enttäuschte, wodurch sich ihre Geisteshaltung erklären lässt. Im Gegensatz zu einem Großteil der Bevölkerung begehrten die Anhänger der Strömung aber gegen ebendiese gesellschaftlichen und politischen Missstände auf und versuchten, diese zu verändern.
  • Ursächlich für genau dieses Misstrauen sind vornehmlich die Jahre zwischen der Französischen Revolution (1789) und dem Wiener Kongress (1815). Deutschland war zu dieser Zeit noch kein Nationalstaat, sondern ein Verband zahlreicher Kleinstaaten, wobei sämtliche Staaten ein Teil des Heiligen Römischen Reiches waren. Preußen und Österreich galten als Großmächte.
  • Vor 1815 wurden zahlreiche Ideale der Französischen Revolution durch den Besatzer Napoleon in die deutschen Ländereien gebracht. Als Napoleons Macht allerdings gebrochen wurde und sämtliche Reformen, die nach französischem Vorbild entstanden waren, kurzerhand zunichte gemacht wurden, gab es auch kritische Stimmen im Volk (Vormärz), die alsbald von der Obrigkeit zum Schweigen gebracht werden sollten.
  • Verschärft wurde dies am 20. September 1819, als nach zwei Attentaten, die von Studenten im März 1819 ausgeübt wurden, die Karlsbader Beschlüsse erlassen wurden. Wesentliche Inhalte dieser Beschlüsse waren das Verbot der Burschenschaften (Studentenverbindungen), weil sie als Ort des freien Denkens sowie Unruhestifter galten. Die Zensur von Büchern und Zeitungen, wobei auch die Zensurfreiheit von Universitätsprofessoren aufgehoben wurde, war eine Folge. All das wurde als Reinigung von Behörden, Konsistorien, Schulen und Universitäten von gefährlichen Irrtümern, Verführern und Verführten verstanden (vgl. Demagogie).
  • Die logische Folge war die Flucht des Menschen in einen geschützten Raum. So etablierte sich das, was heutzutage als Biedermeierzeit bezeichnet wird, aber eben auch das, was gegen ebendiese Einschränkungen rebellierte: der Vormärz und das Junge Deutschland.
  • Die Literaten, die sich diesen Strömungen zurechnen lassen, schrieben also gegen die Zensur, forderten die Freiheit der Presse sowie einen Zugang zur Bildung für Frauen. Ferner forderten sie die Gleichheit aller Bürger, wendeten sich gegen die Macht absoluter Herrscher und die Kleinstaaterei, wobei außerdem eine demokratische Verfassung gefordert wurde, wobei außerdem eine Trennung von Kirche und Staat als wichtiger Schritt angesehen wurde.
  • Diese Merkmale sind allesamt Forderungen nach einem demokratischen System, welches dem Bürger ein gewisses Mitbestimmungsrecht einräumt und genau dieser radikal-demokratische Ansatz ist auch das wesentliche Merkmal der Literatur dieser Zeit. Werke des Vormärz sind demnach im höchsten Maße politisch: es gab geradezu eine Politisierung der Literatur.
  • Man wandte sich gegen das Verträumte oder das Schweifen in die Ferne, was noch zuvor in der Romantik als charakteristisch galt, und bevorzugte das Hier und Jetzt. Die Autoren des Vormärz schrieben Texte, die sich mit der Gegenwart befassten. Wesentlich ist dabei auch die Rolle des Dichters selbst: dieser galt nicht als realitätsfern, sondern als Literat, der sich mit aktuellen Themen befasste und in der Gesellschaft verkehrte (vgl. Elfenbeinturm).
  • So kann die Lyrik zwar als die wichtigste Gattung jener Zeit gelten – wobei auch der Roman und die Novelle verbreitet waren – aber auch literarische Formen, die den Augenblick einfingen und bewusst eher für die Masse geschrieben waren, erlebten im Vormärz ein Hoch, wie etwa Reiseberichte, Memoiren, Feuilletons, journalistische Textsorten sowie Briefe.
  • Das Junge Deutschland und der Vormärz folgten in ihren Forderungen keinem einheitlichen Bild und widersprachen sich in einigen Punkten sogar. Wesentlich war hier allerdings, dass beiden Strömungen und sämtlichen Anhängern gemein war, was in jedem Fall nicht gewollt war: das Einschränkende und Reaktionäre (Dinge, welche an politischen Verhältnissen festhalten, die nicht mehr zeitgemäß erscheinen) sowie das Streben nach der Gleichheit der Menschen.
  • Am 10. Dezember 1835 wurde im Deutschen Bundestag ein folgenschwerer Entschluss gefasst. Den Jungen Deutschen wurde vorgeworfen, dass ihre „Bemühungen unverhohlen dahin gehen, in belletristischen, für alle Klassen von Lesern zugänglichen Schriften die christliche Religion auf die frechste Weise anzugreifen, die bestehenden sozialen Verhältnisse herabzuwürdigen und alle Zucht und Sittlichkeit zu zerstören“, woraufhin alle Werke der Strömung verboten wurde.
  • In der Folge verloren zahlreiche Autoren des Jungen Deutschland den Glauben an diese Politik sowie die Freiheit im Allgemeinen und zogen sich in großen Teilen aus der Literatur sowie ihrer gesellschaftspolitischen Arbeit zurück. Daraus entwickelte sich dann jedoch ein Erstarken einer Tendenz, die den Vormärz im engeren Sinne beschreibt: man wollte nicht mehr versuchen, die Zensur zu umgehen, sondern offen dagegen anzukämpfen, es galt, ebendiese Gesellschaft zu ändern und die Macht von Kirche und Obrigkeit zu brechen, weshalb revolutionäre Schriften (bspw. Der Hessische Landbote), politische Abhandlungen sowie viele Satiren entstandend.

  • Hinweis: Es ist wichtig zu verstehen, dass Vormärz sowie Junges Deutschland nur von wenigen Vertretern getragen wurden. Die bestimmende Strömung der Zeit ist der Biedermeier. Literaten dieser Strömung reagierten zwar auch auf die äußeren Einschränkungen, aber nicht durch eine literarische Rebellion, sondern mit einem Rückzug ins Häusliche und Vertraute, weshalb der Biedermeier auch als konservativ oder auch hausbacken bezeichnet wird.

Historischer Hintergrund der Epoche

Europa wurde damals von den Koalitionskriegen, welche von 1792 und 1815 entflammten, erschüttert. Diese Koalitionskriege wurden vor allem durch die Französische Revolution von 1789 hervorgerufen und meinen die verschiedenen Auseinandersetzung europäischer Mächte gegen die Französische Republik und somit auch die Schlachten zwischen Napoleon und den Großmächten Europas.

Um 1800 war Deutschland nämlich noch kein Nationalstaat, sondern setzte sich aus unzähligen Einzelstaaten zusammen. Jeder dieser Einzelstaaten verfolgte eigene Ziele sowie politische Interessen, wobei alle Staaten Teil des Heiligen Römischen Reiches waren. Preußen und Österreich galten als Großmächte.

Dennoch bestanden zahlreiche Unruhen, welche durch die Kleinstaaterei, die unterschiedlichen Interessen der einzelnen Staaten sowie die regionalen Unterschiede begründet waren. Dies hatte zur Folge, dass das Heilige Römische Reich auf wackeligen Beinen und kurz vor dem Zusammenbruch stand. Im Zuge der Französischen Revolution (1789) gab es fortan Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und den europäischen Mächten.

Als 1799 Napoleon Bonaparte an die Macht gelangte, setzte dieser die kriegerischen Auseinandersetzungen in Europa fort und besetzte viele der Ländereien des Heiligen Römischen Reiches, was letzten Endes – im Jahr 1806 – zum Zusammenbruch führte. Napoleon gelang es, diese einzelnen Staaten zusammenzulegen (Reichsdeputationshauptschluss), wobei außerdem die Macht der Kirche in der Politik beschnitten wurde sowie Ideale der Französischen Revolution Einzug in die Köpfe zahlreicher Menschen hielten.General Napoleon

General Napoleon beim Überqueren der Alpen


Unter dem Einfluss der Heiligen Allianz (Russland, Österreich und Preußen) und Fürst Metternich, einem führenden österreichischen Staatsmann, gelang es allerdings nach aufreibenden Schlachten, die französische Besatzung zu beenden. Daraufhin wurde der Versuch unternommen, die alte Ordnung und somit auch eine konstitutionelle Monarchie wiederherzustellen, weshalb alle französischen Reformen umgestoßen wurden.

Dieses Umstoßen sowie das Wiederherstellen der ursprünglichen Ordnung wurde 1814/15 auf dem Wiener Kongress beschlossen, wodurch sämtliche Anhänger der vorherigen französischen Reformen – die durchaus Hoffnungen hegten – erleben mussten, dass nahezu alle neuen Ideen wieder zunichte gemacht wurden. Verschärft wurde dies zusätzlich durch die sogenannten Karlsbader Beschlüsse.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, genauer 1819, wurde im Königreich Preußen das Preußische Zensuredikt erlassen. Dieses hob die Zensurfreiheit der Universitätsprofessoren auf. Nur kurze Zeit später, 1820, sollten durch eine Kabinettsorder Behörden, Konsistorien, Schulen und Universitäten von gefährlichen Irrtümern, Verführern und Verführten bereinigten werden. Diese Demagogenverfolgung, die der Unterdrückung von Freiheitsbestrebungen im Deutschen Bund diente, war einschneidend.

Wortwörtlich lässt sich dies in den Karlsbader Beschlüssen von 1819 nachvollziehen. Diese Karlsbader Beschlüsse bezeichnen eine Zusammenkunft einflussreicher Staaten des Deutschen Bundes. Aus der Angst heraus, das Volk könnte revoltieren, wurden einschneidende Punkte in Bezug auf die Freiheit des Wortes beschlossen. Kurzum: die öffentliche schriftliche Meinungsfreiheit wurde verboten und die Presse unter Zensur gestellt, wobei auch die Träger liberaler und nationaler Ideen als Demagogen verfolgt wurden.


Die Karikatur zeigt die "Denker", die nun als Demagogen verfolgt werden und der Meinungsfreiheit beraubt wurden.

Hinweis: Der Denker-Club, 1819, Karikatur zur Zensur der Meinungsfreiheit


Die obige Karikatur zeigt eine fiktive Verbindung von Gelehrten und stellt so eine Reaktion auf die Karlsbader Beschlüsse dar. Sie ist einerseits eine Mahnung daran, dass die Freiheit des Wortes eingeschränkt wurde und kann andererseits als ein Appell an das Volk verstanden werden, gegen diese groben Einschneidungen und Beschränkungen aufzubegehren, bevor die freie Meinung noch weiteren Restriktionen unterliegen muss.

Erstaunlich ist jedoch, dass breite Teile der Bevölkerung genau diese Einschränkungen nahezu gleichgültig hinnahmen und sich eher in einen privaten Bereich zurückzogen und eben nicht auf der politischen Bühne agierten. Dieses politische Desinteresse, aber auch das Hinnehmen jener Entscheidungen, die auf dem Wiener Kongress gefällt wurden, kann durchaus aus der Zeit heraus erklärt werden.

Immerhin versprach die „neue“ Führung Sicherheit und Stabilität, die durch das Zurückkehren zu alten Werten und Ordnungen realisiert wurde. Hierbei ist entscheidend, dass das Volk beinahe zwei Jahrzehnte ständigen Bedrohungen und Unruhen durch die Napoleonischen Kriege ausgesetzt war, auch wenn der französische General gleichermaßen für zahlreiche Reformen verantwortlich war und durchaus Positives realisierte.

Das Volk sehnte sich alledings förmlich nach Ordnung und war es kaum gewöhnt, sich mit so raschen und weltverändernden Einschnitten anzufreunden, weshalb viele Menschen die Sicherheit und Rückbesinnung auf die Ordnung der Alten Tage durchaus begrüßten. Dabei wurde übrigens nicht Napoleon selbst für jene Kriege verantwortlich gemacht – dieser wurde eher bewundert – sondern die Französische Revolution galt als Anstoß der schweren Auseinandersetzungen. Hier sah man den Grund, dass breite Teile des französischen Volkes überhaupt erst in Erwägung zogen, nach Dingen zu gieren, die eigentlich lediglich dem Adel zustanden.

Folglich galt die einstige Revolution für das deutsche Volk als bedrohlich und die Idee, dass überhaupt eine Revolution ursächlich für den Mangel an Stabilität sowie Sicherheit sein konnte. Allerdings war auch klar, dass die Deutschen durch die zahlreichen Kleinstaaten, die allesamt eigene Interessen verfolgten, sehr anfällig für solche äußeren Einflüsse und revolutionären Gedanken waren. Demnach war die Ordnung, die der Wiener Kongress 1815 versprach, für viele schlichtweg beruhigend, obwohl so Freiheiten beschnitten wurden.

Aus den angeführten Gründen spaltete sich das Volk in zwei Lager, wobei zwei Strömungen erwuchsen, die sich natürlich auch auf die Literatur und Kunst auswirkten: die eine wurde im Nachhinein als Biedermeier bezeichnet – hier sammelten sie diejenigen, die sich wenig für das politische Treiben interessierten und eher auf Sicherheit und Stabilität drängten. Dagegen stellten sich allerdings die Anhänger des Vormärz und des Jungen Deutschlands. Diese begehrten gegen ebendiese äußeren Einschränkungen auf.Die unterschiedlichen Bestrebungen im Vormärz entladen sich 1848 in der Märzrevolution

Märzrevolution: Jubelnde Revolutionäre in Berlin (18. März 1848)


Dennoch: die Stimmung im deutschen Volk war angespannt, auch wenn breite Teile die Veränderungen und Unterdrückung einfach hinnahmen. Vor allem Studenten und das liberale Bürgertum waren unzufrieden mit den äußeren Begebenheiten, denn auch wenn der technisch Fortschritt rasant war, blieb die Entwicklung in Bezug auf das politische Mitbestimmungsrecht aus.

Nach zahlreichen Unruhen und vereinzelten Aufständen wuchs dieses Gefühl der Ungerechtigkeit immer mehr (bspw. Hambacher Fest, 1832) und entlud sich fulminant in der Märzrevolution 1848. Die Folgen dieser waren eindeutig und gehen einher mit denen, die die Literatur des Vormärz prägten: in Wien wurde Fürst Metternich gestürzt, zahlreiche deutsche Hauptstädte beschlossen liberale Verfassungen und in Deutschland wurde die Frankfurter Nationalversammlung gewählt, das vorläufige Parlament des entstehenden Deutschen Reiches.

Literatur des Vormärz

Wie beschrieben galt vor allem die Lyrik als hauptsächliche Gattung des Vormärz, wobei sich vor allem das Lied einer großen Beliebtheit erfreute. Weiterhin waren Textsorten, welche das direkte Erleben des Autors erlebbar machten, verbreitet. Dennoch gibt es keine Gattung, die im Vormärz oder dem Jungen Deutschland entstand, sondern es dominierten vor allem Kleinformen, die schon zuvor gebräuchlich waren, wobei sich die Texte der Zeit vor allem durch eine starke Politisierung auszeichneten.

Nachfolgend werden die einzelnen literarischen Gattungen vorgestellt, wobei nochmals ausführlich auf alle Besonderheiten der Zeit und bestimmte Ausprägungen eingegangen wird. Weiterhin werden Textbeispiele benannt und typische Werke und Vertreter der Literaturepoche vorgestellt. Im Anschluss findet sich eine Gesamtübersicht sämtlicher Vertreter inklusive der zugehörigen und charakteristischen Werke.

Lyrik des Vormärz

Die Lyrik gilt als die hauptsächliche Gattung des Vormärz, was sich vor allem durch viele Lieder und Gedichte belegen lässt, die sich durch einen politischen Charakter auszeichnen. Hervorzuheben sind hierbei die Werke Georg Herweghs, dessen Sammlung Gedichte eines Lebendigen (1841) großen Anklang beim Lesepublikum fand und ihn zu einem der bekanntesten Vertreter des Vormärz machte. Weiterhin sind Ferdinand Freiligrath (Neue politische und soziale Gedichte) und August Heinrich Hoffmann, der das Lied der Deutschen schrieb, prägend. In einem Bulletin der Bundesregierung 1952 wurden Strophen daraus zur Nationalhymne erklärt.

Dennoch regte sich auch unter einigen Autoren Widerstand gegen das starke Politiseren der Lyrik sowie gegen den Versuch, durch das Verfassen von Gedichten unmittelbaren Einfluss auf die Politik zu nehmen. So tat beispielsweise Heinrich Heine solcherlei Werke als gehaltlose Tendenzliteratur, auch wenn er selbst mit den Schlesischen Webern und dem satirischen Versepos Deutschland. Ein Wintermärchen wesentliche, politische und stark sozialkritische Schriften zur Literatur des Vormärz beisteuerte.

Epik des Vormärz

Die Epik des Vormärz zeichnet sich vor allem durch Kürze aus, was sich nicht nur in der Lyrik widerspiegelt, weshalb epische Kleinformen beliebt sind. Dabei sind Reiseberichte, Memoiren, Feuilletons, journalistische Textsorten, Briefe sowie die Skizze typische Textsorten der Zeit. Vor allem die Briefe Ludwig Börnes (Briefe aus Paris) sowie Heinrich Heines Versepos Deutschland. Ein Wintermärchen sind hierfür wesentlich.

Weiterhin finden sich – ähnlich wie im Biedermeier – allerhand Novellen und Kurzgeschichten, wobei sich darüber hinaus auch die Sartire einer großen Beliebtheit erfreut. Georg Weerth kreierte seinen berühmten Ritter Schnapphahnski, der den Adel verhöhnte sowie parodierte und um 1848 im Feuilleton der Neuen Rheinischen Zeitung in Fortsetzung abgedruckt wurde, wobei es eindeutig satirisch angelegt ist.

Drama des Vormärz

Das Drama des Vormärz ist in großen Teilen sozialkritisch und darüber hinaus häufig politisch sowie satirisch. Ein wesentlicher Vertreter ist Georg Büchner, der sich zwar aufgrund seines frühen Todes eher dem Jungen Deutschland zurechnen ließe, doch aufgrund der inhaltlichen Ausprägungen seiner Dramen in jedem Fall wesentliche Aspekte des Vormärz verkörpert, wie etwa im Revolutionsdrama Dantons Tod oder Woyzeck.

Aber nicht nur Büchner schrieb Dramen, welche die Seele des Vormärz verkörpern, sondern ebenso Karl Gutzkow, der in jener Literaturepoche die Arbeit an zahlreichen Tragödien abschloss. Zwar verschwand sein Œuvre (Gesamtwerk) im 20. Jahrhundert beinahe restlos von sämtlichen Bühnen, doch gehörte es noch im 19. Jahrhundert auf den Spielplan vieler Häuser. Zu nennen ist hier vor allem das Lustspiel Das Urbild des Tartüffe (1844), welches satirisch die Zensur von Literatur aufs Korn nahm.

Vertreter und Werke des Vormärz

  • Heinrich Heine (1797-1856)
    • Die schlesischen Weber (1844)
    • Deutschland. Ein Wintermärchen (1844)
  • Friedrich Wilhelm Schulz (1797–1860)
    • Der Tod des Pfarrers Dr. Friedrich Ludwig Weidig (1843)
  • August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
    • Unpolitische Lieder (1840/41)
    • Das Lied der Deutschen (1841)
  • Ferdinand Freiligrath (1810-1876)
    • Ça ira. Neue politische und soziale Gedichte (1849?)
  • Georg Büchner (1813–1837)
  • Georg Herwegh (1817-1875)
    • Gedichte eines Lebendigen (1841)
    • Aufruf (1841)
    • Bundeslied für den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (1863)
  • Georg Weerth (1822-1856)
    • Humoristische Skizzen aus dem deutschen Handelsleben (1847/48)
    • Leben und Taten des berühmten Ritters Schnapphahnski (1848 – 1849)
  • Ernst Willkomm (1810-1886)
    • Grenzer, Narren und Lotsen (1842)
Kurzübersicht: Die wichtigsten Merkmale der Epoche im Überblick

  • Die Literaturepoche, welche heute als Vormärz bezeichnet wird, entstand zwischen dem Wiener Kongress (1814/15) sowie der Märzrevolution (1848). Sie kann durchaus als notwendige Folge des historischen Hintergrundes betrachtet werden. Die deutsche Bevölkerung war durch die Koalitionskriege gegen die Fremdherrschaft Frankreichs und vom Krieg gezeichnet.
  • Beinahe zeitgleich entwickelten sich dabei mehrere Strömungen. Einerseits prägte die Literatur des Biedermeiers die literarische Landschaft, wohingegen eine Minderheit – vor allem Studenten und liberale Bürger – das Junge Deutschland und in der Folge den eigentlichen Vormärz niederschrieben sowie in Kunst und Literatur fulminant zum Ausdruck brachten.
  • Typisches Merkmal ist die Politisierung der Literatur, die sich für eine demokratische Verfassung, die Gleichheit der Menschen sowie das Recht auf Bildung der Frau ausspricht und gegen die Obrigkeit und Zensur wendet sowie für die Trennung von Kirche und Staat eintritt.
  • Die Forderungen werden vor allem mithilfe der Satire und der Parodie transportiert, wobei vor allem Kleinformen – vornehmlich die Lyrik und hierbei das Lied – die literarische Landschaft beeinflussen. Schilderungen aus dem Leben gewinnen außerdem an Bedeutung.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Vormärz
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001