abhold
Abhold: Einer Person oder Sache abgeneigt und ihr nicht zugeneigt; ein gehobenes, heute veraltetes Wort mit Dativ.
Jemandem oder etwas nicht zugeneigt
Abhold bedeutet, einer Person oder Sache abgeneigt zu sein. Das Wort beschreibt eine ablehnende Haltung oder fehlende Neigung. Es gehört zu einer gehobenen, heute veralteten Ausdrucksweise und begegnet besonders in älteren oder bewusst feierlich formulierten Texten.
Wichtig ist die Ergänzung: jemandem oder einer Sache abhold sein. Die Abneigung richtet sich auf einen bestimmten Gegenstand. Wer großen Festen abhold ist, lehnt damit nicht automatisch jedes Gespräch oder jeden Kontakt ab. Die genaue Bezugsgröße begrenzt die Aussage.
Das Wort sagt außerdem zunächst etwas über eine Haltung, nicht über eine konkrete Fähigkeit. Eine Person kann einer Tätigkeit abhold sein und sie trotzdem beherrschen. Umgekehrt kann sie an etwas interessiert sein, ohne darin besonders geübt zu sein.
Eigene Beispiele und die Verneinung
- „Sie ist jeder unnötigen Aufregung abhold.“ Die Person bevorzugt offenbar Ruhe beziehungsweise Zurückhaltung in dem genannten Bereich.
- „Der Erzähler zeigt sich großen Gesten abhold.“ Er steht auffälligen Inszenierungen eher ablehnend gegenüber. Ob er deshalb gefühllos ist, sagt der Satz nicht.
- „Einem guten Gespräch ist er nicht abhold.“ Die Verneinung kann zurückhaltend Zustimmung oder Interesse ausdrücken: Ein Gespräch kommt für ihn durchaus infrage.
„Nicht abhold“ ist keine doppelte Ablehnung. Das nicht nimmt die Abneigung zurück. Je nach Ton kann die Wendung sogar eine bewusst untertriebene Vorliebe ausdrücken. Wie stark die Zustimmung tatsächlich ist, ergibt sich aber erst aus dem Zusammenhang.
Abhold, abgeneigt und unfähig
Abgeneigt ist eine nahe und heute leichter zugängliche Alternative. In vielen Sätzen lässt sich abhold entsprechend ersetzen. Der wesentliche Unterschied liegt dann in der stilistischen Wirkung, nicht in einem völlig anderen Gegenstand der Ablehnung.
Unwillig beschreibt häufig eine fehlende Bereitschaft zu einer konkreten Handlung. Unfähig sagt dagegen, dass jemand etwas nicht leisten kann. Ein Mensch, der lauten Feiern abhold ist, kann sehr wohl eine Feier organisieren; er hat nur möglicherweise keine Neigung dazu.
Gleichgültig wäre ebenfalls kein genauer Ersatz. Gleichgültigkeit bedeutet fehlendes Interesse oder fehlende besondere Anteilnahme. Abhold legt eine ablehnende Tendenz nahe. Die Unterschiede sind gerade bei der Deutung von Figurenmotiven wichtig.
Grammatik und Schreibweise
Abhold ist ein Adjektiv. Die Ergänzung steht im Dativ: dem Lärm abhold, einer Feier abhold, großen Worten abhold. Attributiv ist es ebenfalls möglich: ein dem Lärm abholder Mensch. Diese Konstruktion wirkt heute ungewohnt und gehoben. Die Tabellen zeigen ihre grammatischen Formen; für Alltagstexte ist häufig ein Satz mit abgeneigt sein verständlicher.
Steigerung
Für die übliche gehobene Wendung genügt meist die Grundform. Ein Vergleich wird natürlicher mit stärker abgeneigt oder einer konkreteren Aussage gebildet. Formen wie abholder und am abholdesten sind zwar als Steigerungsformen verständlich, aber stilistisch auffällig. Verwechsle zudem die Steigerungsform abholder nicht mit derselben Form als bloßer Beugung, etwa in ein dem Lärm abholder Mensch.
Beugung im Überblick
Die Tabellen zeigen die gebeugten Formen vor einem Nomen. Die passende Endung richtet sich nach Artikel, Fall, Geschlecht und Zahl. Die Pluralformen der gemischten Beugung stehen beispielsweise nach keine oder meine; ein hat keinen Plural.
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | abholder | abholde | abholdes | abholde |
| Genitiv | abholden | abholder | abholden | abholder |
| Dativ | abholdem | abholder | abholdem | abholden |
| Akkusativ | abholden | abholde | abholdes | abholde |
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | abholde | abholde | abholde | abholden |
| Genitiv | abholden | abholden | abholden | abholden |
| Dativ | abholden | abholden | abholden | abholden |
| Akkusativ | abholden | abholde | abholde | abholden |
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | abholder | abholde | abholdes | abholden |
| Genitiv | abholden | abholden | abholden | abholden |
| Dativ | abholden | abholden | abholden | abholden |
| Akkusativ | abholden | abholde | abholdes | abholden |
Warum sich die Endungen ändern, erklärt der Überblick zu Adjektiven und ihrer Beugung.
Eine begrenzte Abneigung beschreiben
Erfundene Szene: Der ältere Herr Winter lehnt eine Einladung zum lauten Straßenfest ab. Am folgenden Tag lädt er dieselben Nachbarn zu einem ruhigen Gespräch in seinen Garten ein.
Herr Winter ist lauten Festen abhold, nicht jedoch dem Umgang mit seinen Nachbarn. Seine Ablehnung der Einladung betrifft die Form der Veranstaltung. Dass er anschließend selbst ein Treffen anbietet, spricht gegen die pauschale Deutung, er sei grundsätzlich ungesellig oder an anderen Menschen nicht interessiert.
Der Absatz hält die Ergänzung des Adjektivs fest und prüft sie an einer zweiten Handlung. Dadurch wird aus einer begrenzten Vorliebe kein allgemeines Charakterurteil. Über die Ursachen seiner Abneigung sagt die Szene noch nichts Sicheres.
Prüffrage: Wem oder welcher Sache ist die Figur abhold? Ohne diese Angabe bleibt eine Deutung leicht zu weit und übersieht mögliche Gegenbeispiele.
Weitere passende Wörter findest du in der Adjektivliste mit Suche und Wortauswahl.
