allmählich

Allmählich beschreibt eine Veränderung, die sich über eine gewisse Zeit entwickelt, statt mit einem einzigen plötzlichen Schritt einzutreten. Es bedeutet etwa nach und nach oder mit der Zeit.

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Bedeutung und wichtige Unterschiede

Eine Veränderung entwickelt sich

Das Wort beschreibt besonders gut Übergänge: Licht nimmt zu, eine Stimme wird leiser, jemand gewinnt Vertrauen. Es richtet den Blick auf den Verlauf. Wie lange der Vorgang dauert, ergibt sich erst aus dem Zusammenhang.

Langsames Tempo und schrittweise Veränderung

Wer langsam geht, bewegt sich mit geringem Tempo. Wer allmählich schneller geht, steigert dagegen sein Tempo im Verlauf. Beide Beschreibungen können deshalb sogar zusammenpassen. Allmählich bedeutet außerdem nicht zwingend, dass der Prozess gleichmäßig oder in genau zählbaren Stufen abläuft.

Ein hörbarer Unterton im Gespräch

In einer Äußerung wie Allmählich sollten wir gehen kann das Wort zusätzlich Ungeduld oder eine vorsichtige Aufforderung anklingen lassen. Gemeint ist dann: Der Zeitpunkt zum Handeln rückt näher oder ist inzwischen erreicht. Der Ton entsteht aus der ganzen Äußerung.

Beispiele und Verwendung

Die folgenden Sätze sind eigene Sprachbeispiele.

„Die zunächst kaum sichtbare Küste zeichnete sich allmählich deutlicher ab.“

So ist es gemeint: Die Sicht verbessert sich im Verlauf; sie wechselt nicht schlagartig von unsichtbar zu klar.

„Nach den ersten gemeinsamen Proben wuchs allmählich Vertrautheit.“

So ist es gemeint: Das Gefühl wächst mit den Erfahrungen. Eine feste Zahl von Tagen wird nicht behauptet.

„Die Läuferin erhöhte ihr Tempo allmählich.“

So ist es gemeint: Nicht das endgültige Tempo ist langsam, sondern die Erhöhung erfolgt nach und nach.

Typische Wortverbindungen

Ein allmählicher Übergang, eine allmähliche Veränderung, allmähliches Verblassen; sich allmählich beruhigen, etwas allmählich verstehen oder allmählich an Tempo gewinnen.

Ähnliche Wörter und Gegenbegriffe

Die passende Wortwahl hängt von der Bedeutung ab
Wort oder AusdruckUnterschied und Verwendung
langsamBetrifft häufig die Geschwindigkeit. Allmählich betont dagegen, dass eine Veränderung sich im Verlauf entwickelt.
schrittweiseHebt einzelne Schritte oder Abschnitte deutlicher hervor. Ein allmählicher Übergang muss keine klar voneinander abgrenzbaren Stufen haben.
plötzlich / schlagartigPassende Gegenbegriffe, wenn ein Wechsel unerwartet oder ohne merklichen Übergang eintritt.

Grammatik und richtige Schreibung

Allmählich ist ein Adjektiv. Die Schreibung enthält ll, ä und ein h: all-mäh-lich. Vor einem Nomen wird es gebeugt (ein allmählicher Wandel); als Angabe zum Verlauf bleibt es unverändert (Das Bild verblasst allmählich.).

Steigerung: Das Wort wird meistens in seiner Grundform verwendet. Soll man Verläufe vergleichen, sind Formulierungen wie ein noch langsamerer Übergang oder eine stärker abgestufte Veränderung oft genauer. Gelegentliche Formen wie allmählicher sind nur mit einem passenden Vergleichsmaßstab verständlich.

allmählich – Starke Beugung: ohne Artikel
FallMaskulinum
Singular
Femininum
Singular
Neutrum
Singular
Plural
alle Geschlechter
Nominativallmählicherallmählicheallmählichesallmähliche
Genitivallmählichenallmählicherallmählichenallmählicher
Dativallmählichemallmählicherallmählichemallmählichen
Akkusativallmählichenallmählicheallmählichesallmähliche
allmählich – Schwache Beugung: nach der, die, das
FallMaskulinum
Singular
Femininum
Singular
Neutrum
Singular
Plural
alle Geschlechter
Nominativallmählicheallmählicheallmählicheallmählichen
Genitivallmählichenallmählichenallmählichenallmählichen
Dativallmählichenallmählichenallmählichenallmählichen
Akkusativallmählichenallmählicheallmählicheallmählichen
allmählich – Gemischte Beugung: nach ein, kein oder einem Possessivwort
FallMaskulinum
Singular
Femininum
Singular
Neutrum
Singular
Plural
alle Geschlechter
Nominativallmählicherallmählicheallmählichesallmählichen
Genitivallmählichenallmählichenallmählichenallmählichen
Dativallmählichenallmählichenallmählichenallmählichen
Akkusativallmählichenallmählicheallmählichesallmählichen

Die Tabellen zeigen die Adjektivformen vor einem Nomen. Ein unbestimmter Artikel wie ein hat keinen Plural; die Pluralspalte der gemischten Beugung gilt etwa nach keine oder meine. Ohne Artikel gelten dort die starken Formen. Das Nomen erhält gegebenenfalls zusätzlich seine eigene Fallendung.

Einen Übergang zeigen, statt ihn nur zu behaupten

Eigene, erfundene Situation: Eine erfundene Erzählerin beobachtet morgens den Schulhof. Zuerst erkennt sie nur Umrisse, dann Farben und einzelne Gesichter.

Beobachtung und Wortwahl: Mehrere Wahrnehmungsstufen machen den zunehmenden Helligkeitseindruck nachvollziehbar.

Allmählich löste sich der Hof aus der Dunkelheit. Zuerst erschien das helle Rechteck der Eingangstür, dann erkannte ich die roten Streifen auf den Fahrradständern. Als die ersten Kinder ankamen, konnte ich ihre Gesichter schon vom Fenster aus unterscheiden.

Warum das funktioniert: Die Reihenfolge der Einzelheiten führt den zeitlichen Verlauf vor. Das Adjektiv benennt diesen Zusammenhang, ohne dass für jeden Schritt eine Uhrzeit nötig wäre.

Grenze der Aussage: Die Beobachtung bleibt an die Sicht der Erzählerin gebunden. Über die genaue Dauer oder eine gleichmäßige Veränderung sagt der Absatz nichts aus.

Kurz geprüft

Widerspricht sich der Satz „Das schnelle Fahrzeug wurde allmählich langsamer“?

Antwort und Erklärung

Nein. Schnell beschreibt zunächst das Tempo. Allmählich beschreibt, wie dieses Tempo abnimmt. Anfangszustand und Verlauf beantworten unterschiedliche Fragen.

Weitere Wörter für deinen Text findest du in der Adjektivliste mit Wortauswahl und Vergleichen. Die Grundregeln erklärt der Beitrag Adjektive: Verwendung, Beugung und Steigerung.