chochem
Chochem: Seltenes historisches Wort: klug, gelehrt oder pfiffig; in älterer sondersprachlicher Überlieferung auch mit Dieben vertraut.
Was bedeutet chochem?
Chochem gehört nicht zum gewöhnlichen gegenwärtigen Standardwortschatz. Der Ausdruck ist in älteren Wörterbüchern des Jenischen überliefert. Wer ihn in einem älteren Text findet, sollte deshalb zunächst den Zeitraum und die Verwendung im konkreten Zusammenhang klären. Daraus folgt keine Behauptung über seine heutige Verbreitung.
Überliefert sind sowohl die Bedeutung klug oder pfiffig als auch eine speziellere Bezeichnung für Vertrautheit mit Dieben. Die Bedeutungen dürfen nicht einfach zusammengezogen werden: Eine als klug bezeichnete Person wird dadurch nicht automatisch mit Diebstahl in Verbindung gebracht.
Ebenso wenig sollte die historische Wörterbuchüberlieferung dazu benutzt werden, eine ganze Sprachgemeinschaft oder heutige Menschen pauschal zu charakterisieren. Die Erklärung betrifft einen seltenen Ausdruck und seine dokumentierten Bedeutungen, nicht die Eigenschaften einer Bevölkerungsgruppe.
Eigene Beispiele mit Erklärung
- „Im Glossar wird chochem mit klug erläutert.“ Der Satz berichtet eine Worterklärung und macht keine zusätzliche Aussage über eine Person.
- „Für die Stelle kommt die speziellere historische Bedeutung von chochem in Betracht.“ Welche Lesart passt, muss aus der tatsächlichen Textumgebung begründet werden.
- „In einer heutigen Zusammenfassung ersetzt sie chochem durch pfiffig.“ Die Umschreibung kann verständlicher sein, sofern diese Bedeutung an der Stelle zutrifft.
Bedeutungsunterschiede und typische Missverständnisse
Klug und pfiffig sind gebräuchliche Wörter, decken aber nicht automatisch jede historische Verwendung ab. Eine Übersetzung sollte daher vom Beleg ausgehen und nicht allein die erste Wörterbuchbedeutung einsetzen.
Diebisch wäre keine pauschale Entsprechung. Mit Dieben vertraut zu sein ist schon sprachlich nicht identisch damit, selbst zu stehlen. Gerade bei historischen, sozial markierten Wörtern kommt es auf diese Unterscheidung an.
Schreibweise und Grammatik
Die überlieferte Schreibung lautet chochem. Das Wort wird in der lexikografischen Beschreibung als ungebeugtes Adjektiv geführt. Es bekommt daher nicht einfach die üblichen Endungen eines regelmäßig deklinierten Adjektivs. Für einen heutigen eigenen Text ist häufig eine passende Umschreibung wie klug oder pfiffig natürlicher.
Steigerung
Eine gewöhnliche Steigerung ist nicht vorgesehen. Soll in einem heutigen Text ein Gradunterschied ausgedrückt werden, kann man die passende Umschreibung steigern, etwa klüger. Dabei muss der Bedeutungswechsel offengelegt beziehungsweise im Zusammenhang vertretbar sein.
Ungebeugte Form
Chochem bleibt unverändert. Eine reguläre Tabelle mit Formen wie chochemer oder chochemes wäre hier irreführend. Historische Textbelege sind in ihrer tatsächlichen Form zu lesen; eine moderne Umschreibung folgt den Beugungsregeln ihres eigenen Adjektivs.
Die Grundregeln findest du im Überblick zu Adjektiven und ihrer Beugung.
Die Verwendung an einem Beispiel verstehen
Erfundenes Beispiel: In einer erfundenen Leseübung findet eine Gruppe das Wort in einem historischen Glossar. Eine Teilnehmerin möchte daraus sofort eine abwertende Personenbeschreibung machen. Die Gruppe prüft zunächst die beiden angegebenen Bedeutungen.
Das Glossar erklärt chochem unter anderem als klug oder pfiffig. Welche Bedeutung im untersuchten Text gemeint ist, lässt sich erst aus dessen Zusammenhang entscheiden; eine pauschale Zuschreibung wäre voreilig.
Die Formulierung erklärt ein methodisches Vorgehen beim Lesen seltener Wörter. Sie gibt keinen erfundenen historischen Originalsatz wieder und behauptet nicht, dass der Ausdruck heute in einer bestimmten Gemeinschaft allgemein üblich sei.
Weitere passende Wörter findest du in der Adjektivliste mit Suche, Filtern und Wortauswahl.
