faustisch
Faustisch: wie die literarische Figur Faust unablässig nach neuem Wissen, Erleben und tieferer Erkenntnis strebend, ohne sich mit dem Erreichten zufriedenzugeben.
Was bedeutet faustisch?
Faustisch spielt auf die Titelgestalt von Goethes Faust an. Das Adjektiv überträgt deren unbefriedigtes Streben nach Erkenntnis und Erfahrung auf eine andere Person, Haltung oder Tätigkeit. Es ist deshalb eine literarisch geprägte Charakterisierung und keine bloße Mengenangabe für vorhandenes Wissen.
Ein faustisches Streben endet nicht schon mit einer einzelnen Antwort. Die Figur möchte hinter weitere Grenzen gelangen und fragt nach umfassenderen Zusammenhängen. Der Ausdruck kann bewundernd wirken, aber auch die Unruhe und Maßlosigkeit eines solchen Verlangens hervorheben.
Nicht jede neugierige Frage rechtfertigt diesen Vergleich. Für eine überzeugende Deutung muss erkennbar sein, dass die Suche wiederholt über das Erreichte hinausdrängt. Ebenso macht das Adjektiv eine Figur nicht automatisch in allen Einzelheiten zu einem Abbild von Goethes Faust.
Eigene Beispiele mit Erklärung
- „Sein faustisches Streben lässt ihn mit keiner Erklärung zufrieden sein.“ Die anhaltende Unruhe des Erkenntnisverlangens steht im Mittelpunkt.
- „Die Erzählung zeichnet eine faustische Forscherfigur.“ Die Bezeichnung enthält einen literarischen Vergleich, der am Verhalten zu erläutern ist.
- „Eine einzelne wissbegierige Frage ist noch kein Beleg für einen faustischen Charakter.“ Der weitreichende Vergleich benötigt mehr als eine Momentaufnahme.
Bedeutungsunterschiede und typische Missverständnisse
Wissbegierig beschreibt das Verlangen nach Wissen, ohne die literarische Anspielung und die bleibende Unzufriedenheit zu verlangen. Eine wissbegierige Person kann mit einer guten Erklärung vorerst zufrieden sein.
Neugierig ist weiter und kann auch Interesse an Neuigkeiten oder fremden Angelegenheiten meinen. Faustisch bezieht sich stärker auf ein grundsätzliches, nie abgeschlossenes Streben nach Erkenntnis und Erleben. Es ist kein Synonym für gewalttätig und wird nicht von der geballten Faust erklärt.
Schreibweise und Grammatik
Faustisch ist ein Adjektiv und wird kleingeschrieben, obwohl der zugrunde liegende Figurenname Faust großgeschrieben wird. Formen sind ein faustischer Drang, eine faustische Suche und mit faustischen Zügen. Die Schreibung enthält au und die Endung -isch. Der Bezug auf die literarische Figur sollte aus dem Text verständlich werden.
Steigerung
Meist genügt die Grundform. Will man Figuren vergleichen, ist stärker von faustischem Streben geprägt oft genauer als eine pauschale Steigerung. Faustischer in ein faustischer Forscher ist zunächst eine gebeugte Grundstufe und bezeichnet noch keinen höheren Grad im Vergleich mit einer anderen Person.
Beugung im Überblick
Die Tabellen zeigen die Grundstufe vor einem Nomen. Die hervorgehobene Endung richtet sich nach Artikel, Fall, Geschlecht und Zahl. Bei der gemischten Beugung steht im Plural beispielsweise keine oder meine; ein hat keinen Plural.
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | faustischer | faustische | faustisches | faustische |
| Genitiv | faustischen | faustischer | faustischen | faustischer |
| Dativ | faustischem | faustischer | faustischem | faustischen |
| Akkusativ | faustischen | faustische | faustisches | faustische |
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | faustische | faustische | faustische | faustischen |
| Genitiv | faustischen | faustischen | faustischen | faustischen |
| Dativ | faustischen | faustischen | faustischen | faustischen |
| Akkusativ | faustischen | faustische | faustische | faustischen |
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | faustischer | faustische | faustisches | faustischen |
| Genitiv | faustischen | faustischen | faustischen | faustischen |
| Dativ | faustischen | faustischen | faustischen | faustischen |
| Akkusativ | faustischen | faustische | faustisches | faustischen |
Die Grundregeln findest du im Überblick zu Adjektiven und ihrer Beugung.
Die Verwendung an einem Beispiel verstehen
Erfundenes Beispiel: In einer erfundenen Erzählung löst eine Forscherin eine lange offene Frage. Statt den Erfolg als Abschluss zu betrachten, sucht sie sofort nach einem umfassenderen Zusammenhang. Mehrere ähnliche Szenen zeigen, dass jede Antwort ihr Verlangen nach weiterer Erkenntnis verstärkt.
Die Forscherin besitzt faustische Züge, weil ihr Erkenntnisdrang durch erreichte Antworten nicht dauerhaft gestillt wird. Die wiederkehrende Suche über das jeweils Gelöste hinaus trägt den literarischen Vergleich. Gemeint ist dieser bestimmte Zug, nicht eine vollständige Gleichsetzung mit Goethes Figur.
Die Deutung verbindet die Anspielung mit wiederholten Beobachtungen und begrenzt sie auf den passenden Aspekt. Ohne diese Erläuterung bliebe faustisch ein klangvolles Etikett. Die erfundene Szene ist kein Zitat aus Faust und ersetzt bei einer Analyse des Dramas keine tatsächlichen Textbelege.
Weitere passende Wörter findest du in der Adjektivliste mit Suche, Filtern und Wortauswahl.
