fehlbar
Fehlbar: nicht frei von der Möglichkeit, sich zu irren oder Fehler zu machen; im schweizerischen Gebrauch auch schuldig an einer Übertretung.
Was bedeutet fehlbar?
Im allgemeinen Gebrauch beschreibt fehlbar die menschliche Möglichkeit des Irrtums. Auch jemand mit viel Erfahrung kann eine Information übersehen oder zu einem falschen Schluss gelangen. Das Adjektiv behauptet nicht, dass jede seiner Entscheidungen falsch sei.
Die Feststellung von Fehlbarkeit kann zu sorgfältiger Prüfung und gegenseitiger Korrektur führen. Sie ist aber kein Beweis dafür, dass eine bestimmte Kritik stimmt. Wer eine Entscheidung beanstandet, muss weiterhin zeigen, worin der Fehler liegen soll.
In schweizerischen Zusammenhängen hat fehlbar außerdem eine andere Bedeutung: Es kann eine Person bezeichnen, die sich einer Übertretung schuldig gemacht hat. Diese Lesart betrifft einen konkreten Verstoß und darf nicht mit der allgemeinen Möglichkeit eines Irrtums verwechselt werden. Der Zusammenhang entscheidet.
Eigene Beispiele mit Erklärung
- „Auch erfahrene Gutachter sind fehlbar.“ Die Aussage nimmt sie nicht pauschal als unfähig wahr, sondern bestreitet ihre Unfehlbarkeit.
- „Weil ihr Gedächtnis fehlbar ist, prüft sie die Jahreszahl noch einmal.“ Die mögliche Unsicherheit begründet eine Kontrolle. Ob die Erinnerung tatsächlich falsch war, ist noch offen.
- „Im schweizerischen Bericht ist von einem fehlbaren Beteiligten die Rede.“ Hier kann ein konkretes Fehlverhalten gemeint sein. Die regionale Bedeutung muss beim Lesen berücksichtigt werden.
Bedeutungsunterschiede und typische Missverständnisse
Fehlerhaft bezeichnet etwas, das bereits einen Fehler enthält. Fehlbar benennt im allgemeinen Sinn die Möglichkeit, einen Fehler zu machen. Ein fehlbarer Mensch kann eine fehlerfreie Rechnung vorlegen.
Unzuverlässig beurteilt, ob man sich auf eine Person oder Sache verlassen kann. Fehlbarkeit allein reicht dafür nicht aus. Wer eigene Unsicherheiten erkennt und kontrolliert, kann trotz möglicher Irrtümer sehr verlässlich handeln.
Schreibweise und Grammatik
Fehlbar wird mit h nach e geschrieben und zu einem Wort verbunden. Die Formen lauten ein fehlbarer Mensch, eine fehlbare Einschätzung und mit fehlbaren Urteilen. Das zugehörige Nomen ist Fehlbarkeit, das Gegenwort unfehlbar. In wir sind fehlbar bleibt die Grundform ungebeugt.
Steigerung
Fehlbarer und am fehlbarsten sind möglich, wenn unterschiedliche Anfälligkeit für Irrtümer verglichen wird. Die bloße allgemeine Aussage nicht unfehlbar braucht normalerweise keine Steigerung. Bei einem sachlichen Vergleich sollte konkret genannt werden, unter welchen Bedingungen häufiger Fehler auftreten können.
Beugung im Überblick
Die Tabellen zeigen die Grundstufe vor einem Nomen. Die hervorgehobene Endung richtet sich nach Artikel, Fall, Geschlecht und Zahl. Bei der gemischten Beugung steht im Plural beispielsweise keine oder meine; ein hat keinen Plural.
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | fehlbarer | fehlbare | fehlbares | fehlbare |
| Genitiv | fehlbaren | fehlbarer | fehlbaren | fehlbarer |
| Dativ | fehlbarem | fehlbarer | fehlbarem | fehlbaren |
| Akkusativ | fehlbaren | fehlbare | fehlbares | fehlbare |
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | fehlbare | fehlbare | fehlbare | fehlbaren |
| Genitiv | fehlbaren | fehlbaren | fehlbaren | fehlbaren |
| Dativ | fehlbaren | fehlbaren | fehlbaren | fehlbaren |
| Akkusativ | fehlbaren | fehlbare | fehlbare | fehlbaren |
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | fehlbarer | fehlbare | fehlbares | fehlbaren |
| Genitiv | fehlbaren | fehlbaren | fehlbaren | fehlbaren |
| Dativ | fehlbaren | fehlbaren | fehlbaren | fehlbaren |
| Akkusativ | fehlbaren | fehlbare | fehlbares | fehlbaren |
Die Grundregeln findest du im Überblick zu Adjektiven und ihrer Beugung.
Die Verwendung an einem Beispiel verstehen
Erfundenes Beispiel: In einer erfundenen Geschichte erinnert sich ein Archivmitarbeiter sicher an eine Jahreszahl. Bevor er sie in eine Auskunft übernimmt, vergleicht er seine Erinnerung dennoch mit dem vorhandenen Dokument.
Der Mitarbeiter betrachtet sich als fehlbar und überprüft deshalb seine Erinnerung. Die Kontrolle zeigt Sorgfalt im Umgang mit einer möglichen Unsicherheit. Sie beweist nicht, dass seine erste Erinnerung tatsächlich falsch war.
Die Charakterisierung trennt Irrtumsmöglichkeit, Prüfung und Ergebnis. Fehlbarkeit erscheint nicht als persönlicher Makel, sondern als Bedingung verantwortlichen Urteilens. Erst die spätere Feststellung könnte zeigen, ob ein konkreter Irrtum vorlag und wie der Mitarbeiter damit umgeht.
Weitere passende Wörter findest du in der Adjektivliste mit Suche, Filtern und Wortauswahl.
