geschert
Geschert: Süddeutsch und österreichisch salopp: grob, ungehobelt und ohne feine Umgangsformen; eine abwertende Bezeichnung.
Was bedeutet geschert?
Geschert ist ein regional und salopp verwendetes Wertungswort. Wer jemanden so nennt, schreibt ihm grobe Umgangsformen und häufig auch mangelnde Klugheit zu. Der Ausdruck ist abwertend und sagt daher nicht nur etwas über die bezeichnete Person, sondern auch über die Haltung der sprechenden Person.
Die Variante gschert begegnet ebenfalls. Substantivisch kann die Bezeichnung regional abwertend auf Menschen vom Land zielen. Eine solche Verwendung macht eine soziale Abgrenzung sichtbar; sie ist kein sachlicher Beleg dafür, dass Menschen einer bestimmten Herkunft tatsächlich unhöflicher oder weniger klug wären.
Eigene Beispiele mit Erklärung
- „Die Figur nennt den Besucher geschert, nachdem er sie unterbrochen hat.“ Das Wort gibt ihre abwertende Reaktion auf sein Auftreten wieder.
- „Im Dialog fällt die regionale Form gschert.“ Die Form trägt zur sprachlichen Kennzeichnung der sprechenden Figur bei.
- „Der Erzähler berichtet von einer als geschert empfundenen Antwort.“ Die Formulierung markiert die Bewertung als Wahrnehmung und nicht als neutrale Tatsache.
Bedeutungsunterschiede und typische Missverständnisse
Grob beschreibt unfeines oder verletzendes Verhalten allgemeiner und ist weniger regional gebunden. Ungehobelt ist ebenfalls wertend. Eine genaue Beschreibung wie unterbricht andere und spricht abfällig benennt dagegen beobachtbare Handlungen.
Geschoren bezeichnet unter anderem den Zustand nach dem Abschneiden von Haaren oder Wolle. Es ist in dieser sachlichen Bedeutung kein austauschbares Wort für geschert. Auch ein selbstbewusstes oder direktes Auftreten muss nicht grob sein; die konkrete Gesprächssituation entscheidet.
Schreibweise und Grammatik
Geschert wird mit e geschrieben; gschert ist eine verwandte regionale Form. Beugungen sind ein gescherter Ton, eine gescherte Antwort, mit gescherten Bemerkungen. Substantivierungen werden großgeschrieben. In einer sachlichen Analyse sollte deutlich sein, ob das Wort zitiert oder als eigenes Urteil verwendet wird.
Steigerung
Vergleiche wie noch gescherter sind innerhalb des saloppen Gebrauchs möglich. Sie verstärken jedoch eine Wertung, statt einen neutralen Messwert anzugeben. Für eine genaue Analyse ist hilfreicher, welche Bemerkung verletzender oder welcher Umgangston gröber ausfällt.
Beugung im Überblick
Die Tabellen zeigen die Grundstufe vor einem Nomen. Die hervorgehobene Endung richtet sich nach Artikel, Fall, Geschlecht und Zahl. Bei der gemischten Beugung steht im Plural beispielsweise keine oder meine; ein hat keinen Plural.
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | gescherter | gescherte | geschertes | gescherte |
| Genitiv | gescherten | gescherter | gescherten | gescherter |
| Dativ | geschertem | gescherter | geschertem | gescherten |
| Akkusativ | gescherten | gescherte | geschertes | gescherte |
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | gescherte | gescherte | gescherte | gescherten |
| Genitiv | gescherten | gescherten | gescherten | gescherten |
| Dativ | gescherten | gescherten | gescherten | gescherten |
| Akkusativ | gescherten | gescherte | gescherte | gescherten |
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | gescherter | gescherte | geschertes | gescherten |
| Genitiv | gescherten | gescherten | gescherten | gescherten |
| Dativ | gescherten | gescherten | gescherten | gescherten |
| Akkusativ | gescherten | gescherte | geschertes | gescherten |
Die Grundregeln findest du im Überblick zu Adjektiven und ihrer Beugung.
Die Verwendung an einem Beispiel verstehen
Erfundenes Beispiel: In einem erfundenen Dialog widerspricht ein Besucher einer Gastgeberin und spricht dabei mehrfach über sie hinweg. Die Gastgeberin bezeichnet ihn als gschert. Eine dritte Figur stellt später fest, dass der inhaltliche Einwand berechtigt war, sein Gesprächsverhalten aber verletzend wirkte.
Die Bezeichnung gschert charakterisiert zunächst die verärgerte Sicht der Gastgeberin. Das wiederholte Unterbrechen erklärt ihre Reaktion. Ob der Besucher in der Sache recht hat, ist davon zu trennen; eine grobe Form kann mit einem berechtigten Einwand verbunden sein.
Der Absatz übernimmt die Beschimpfung nicht unbesehen als Gesamturteil. Er untersucht Anlass, Sprecherhaltung und beobachtbares Verhalten getrennt. Dadurch bleibt die regionale Wortwahl für die Figurenanalyse nutzbar, ohne aus ihr eine pauschale Eigenschaft bestimmter sozialer Gruppen abzuleiten.
Weitere passende Wörter findest du in der Adjektivliste mit Suche, Filtern und Wortauswahl.
