hypolokrisch

Hypolokrisch: Ein theoretisches plagales Gegenstück zum lokrischen Modus bezeichnend; eine Ergänzung vollständiger Modustabellen.

Adjektivliste & Wortwerkstatt öffnen

Was bedeutet hypolokrisch?

Hypolokrisch bezeichnet eine systematische Ergänzung der Moduslehre. In entsprechend erweiterten Tabellen steht es als plagales Gegenstück zu Lokrisch. Es besitzt nicht denselben historischen Stellenwert wie die acht traditionellen Kirchentöne. Die Bezeichnung allein belegt daher noch keine verbreitete mittelalterliche Gesangspraxis.

Im einfachen, aus den Stammtönen gebildeten Modell wird h als Finalis gedacht, während der Tonraum von f bis zum nächsthöheren f reicht. Die Anordnung dient der Darstellung einer möglichen Beziehung zwischen Tonraum und Bezugston. Sie ist zunächst ein theoretisches Schema und kein Nachweis dafür, dass ein konkretes überliefertes Lied diesem Schema folgt.

Eigene Beispiele mit Erklärung

  • „Die erweiterte Tabelle führt einen hypolokrischen Modus auf.“ Die Aussage beschreibt die Vollständigkeit eines theoretischen Systems.
  • „Der Autor erläutert eine hypolokrische Modellskala.“ Das Wort Modell hält fest, dass eine Konstruktion erklärt wird.
  • „Für die historische Melodie ist eine hypolokrische Deutung nicht belegt.“ Eine mögliche Benennung wird von einer nachgewiesenen musikalischen Einordnung getrennt.

Bedeutungsunterschiede und typische Missverständnisse

Lokrisch bezeichnet das zugehörige authentische Schema. Charakteristisch ist dabei die verminderte Quinte zwischen h und f im Stammtönemodell. Bei einer plagalen Darstellung ändern sich Tonraum und Lage des Bezugstons innerhalb dieses Raums; das zugrunde liegende Problem einer fehlenden reinen Quinte wird dadurch nicht einfach beseitigt.

Hypolydisch kann ebenfalls mit einem plagalen Tonraum erklärt werden, hat aber eine andere Finalis und einen anderen systematischen Platz. Hypothetisch beschreibt dagegen allgemein den angenommenen Status einer Aussage und ist keine musikalische Modusbezeichnung.

Schreibweise und Grammatik

Hypolokrisch wird zusammengeschrieben und mit k geschrieben. Die regelmäßigen Formen lauten ein hypolokrischer Modus, eine hypolokrische Skala, mit hypolokrischen Modellen. Im adjektivischen Gebrauch steht das Wort klein. Die substantivierte Bezeichnung das Hypolokrische wird großgeschrieben.

Steigerung

Eine übliche Steigerung besteht nicht. Hypolokrischer in hypolokrischer Modus ist eine Beugungsform. Auch eine vollständigere Modustabelle ist nicht hypolokrischer als eine andere; sie enthält lediglich weitere systematische Einträge. Die Qualität eines Modells sollte deshalb mit eigenen Kriterien beschrieben werden.

Beugung im Überblick

Die Tabellen zeigen die Grundstufe vor einem Nomen. Die hervorgehobene Endung richtet sich nach Artikel, Fall, Geschlecht und Zahl. Bei der gemischten Beugung steht im Plural beispielsweise keine oder meine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin, SingularFeminin, SingularNeutrum, SingularPlural, alle Genera
Nominativhypolokrischerhypolokrischehypolokrischeshypolokrische
Genitivhypolokrischenhypolokrischerhypolokrischenhypolokrischer
Dativhypolokrischemhypolokrischerhypolokrischemhypolokrischen
Akkusativhypolokrischenhypolokrischehypolokrischeshypolokrische
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin, SingularFeminin, SingularNeutrum, SingularPlural, alle Genera
Nominativhypolokrischehypolokrischehypolokrischehypolokrischen
Genitivhypolokrischenhypolokrischenhypolokrischenhypolokrischen
Dativhypolokrischenhypolokrischenhypolokrischenhypolokrischen
Akkusativhypolokrischenhypolokrischehypolokrischehypolokrischen
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin, SingularFeminin, SingularNeutrum, SingularPlural, alle Genera
Nominativhypolokrischerhypolokrischehypolokrischeshypolokrischen
Genitivhypolokrischenhypolokrischenhypolokrischenhypolokrischen
Dativhypolokrischenhypolokrischenhypolokrischenhypolokrischen
Akkusativhypolokrischenhypolokrischehypolokrischeshypolokrischen

Die Grundregeln findest du im Überblick zu Adjektiven und ihrer Beugung.

Die Verwendung an einem Beispiel verstehen

Erfundenes Beispiel: In einer erfundenen Musikseminarsitzung ergänzt eine Gruppe eine Modustabelle um Lokrisch und Hypolokrisch. Eine Teilnehmerin schließt daraus, alle eingetragenen Modi seien im mittelalterlichen Choral gleich häufig verwendet worden. Der Seminarleiter trennt die Vollständigkeit der Tabelle von historischen Verwendungsnachweisen.

Der hypolokrische Eintrag vervollständigt hier ein theoretisches Ordnungsschema. Daraus folgt keine gleichrangige historische Verwendung aller Tabellenzeilen. Eine Aussage über tatsächliche Gesänge benötigt eigene Belege und darf nicht aus der bloßen Möglichkeit einer Skalenbildung abgeleitet werden.

Die erfundene Situation macht die Grenze zwischen Konstruktion und Geschichte deutlich. Ein Modell kann musikalisch untersucht werden, ohne dass damit seine historische Verbreitung bewiesen wäre. Für die Beschreibung eines realen Stücks müssten Tonfunktionen und melodischer Verlauf nachvollziehbar belegt werden. Die seltene Fachbezeichnung ersetzt diese Analyse nicht.

Weitere passende Wörter findest du in der Adjektivliste mit Suche, Filtern und Wortauswahl.