schier

Schier bedeutet als Adjektiv rein, unvermischt oder nichts anderes als; es kann außerdem ein besonders eindrucksvolles Ausmaß hervorheben.

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Was bedeutet schier?

In der wörtlichen Verwendung bezeichnet schier etwas ohne eine störende Beimengung. Bei einem schieren Stück Fleisch steht beispielsweise im Vordergrund, dass es nicht mit sichtbarem Fett, Knochen oder anderen unerwünschten Bestandteilen durchsetzt ist.

Häufiger begegnet das Wort als Verstärkung: schiere Freude, die schiere Menge oder aus schierer Verzweiflung. Je nach Ausdruck wird die reine Empfindung, das bloße Vorhandensein oder das überwältigende Ausmaß betont.

Daneben gibt es das Adverb schier. In schier endlos oder schier unmöglich bedeutet es etwa beinahe oder geradezu. Diese unveränderte Verwendung ist vom gebeugten Adjektiv in die schiere Größe zu unterscheiden.

Eigene Beispiele mit Erklärung

  • „Schon die schiere Anzahl der Kartons macht den Umzug aufwendig.“ Die Anzahl für sich genommen genügt als Erklärung, unabhängig vom Inhalt.
  • „Aus schierer Freude springt die Figur auf.“ Das Adjektiv hebt die starke, ungetrübte Empfindung als Beweggrund hervor.
  • „Die Warteschlange erscheint ihr schier endlos.“ Hier steht das unveränderte Adverb vor endlos; eine tatsächlich unendliche Schlange wird nicht behauptet.

Bedeutungsunterschiede und typische Missverständnisse

Rein oder pur passt bei einer unvermischt gedachten Beschaffenheit oder Empfindung. Bloß trifft eher die Bedeutung allein schon beziehungsweise nichts weiter als.

Sauber beschreibt unter anderem die Abwesenheit von Schmutz. Schier meint nicht automatisch hygienisch sauber; ein schieres Ausmaß hat mit Reinigung überhaupt nichts zu tun.

Schreibweise und Grammatik

Das Adjektiv schier wird mit ie geschrieben und gebeugt: schiere Begeisterung, aus schierer Angst, angesichts der schieren Menge. Als Adverb bleibt es unverändert: schier unüberschaubar. Die Tabellen beziehen sich auf das Adjektiv.

Steigerung

Die Wörterbuchformen sind schier – schierer – am schiersten. In verstärkenden Wendungen wie die schiere Menge ist eine Steigerung meist nicht sinnvoll; genauer lässt sich die Menge selbst vergleichen.

Beugung im Überblick

Die Tabellen zeigen die Grundstufe vor einem Nomen. Die hervorgehobene Endung richtet sich nach Artikel, Fall, Geschlecht und Zahl. Bei der gemischten Beugung steht im Plural beispielsweise keine oder meine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin, SingularFeminin, SingularNeutrum, SingularPlural, alle Genera
Nominativschiererschiereschieresschiere
Genitivschierenschiererschierenschierer
Dativschieremschiererschieremschieren
Akkusativschierenschiereschieresschiere
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin, SingularFeminin, SingularNeutrum, SingularPlural, alle Genera
Nominativschiereschiereschiereschieren
Genitivschierenschierenschierenschieren
Dativschierenschierenschierenschieren
Akkusativschierenschiereschiereschieren
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin, SingularFeminin, SingularNeutrum, SingularPlural, alle Genera
Nominativschiererschiereschieresschieren
Genitivschierenschierenschierenschieren
Dativschierenschierenschierenschieren
Akkusativschierenschiereschieresschieren

Die Grundregeln findest du im Überblick zu Adjektiven und ihrer Beugung.

Die Verwendung an einem Beispiel verstehen

Erfundenes Beispiel: In einer erfundenen Archivszene sieht eine Helferin erstmals die vielen beschrifteten Kisten. Sie kennt ihren Inhalt noch nicht, erkennt aber sofort, dass deren Sortierung viel Zeit beanspruchen wird.

Bereits die schiere Menge der Kisten wirkt überwältigend. Die Aussage bezieht sich auf die Anzahl, noch nicht auf Schwierigkeit oder Wert der einzelnen Inhalte.

Das Beispiel zeigt, welche Information schier hervorhebt und welche offenbleibt. Die Wortwahl kann einen starken Eindruck vermitteln, ersetzt aber keine konkrete Mengenangabe.

Weitere passende Wörter findest du in der Adjektivliste mit Suche, Filtern und Wortauswahl.