sittenwidrig

Sittenwidrig bedeutet gegen die guten Sitten verstoßend. Im Recht ist es ein zu prüfender Wertungsbegriff und keine bloße Bezeichnung für etwas Unangenehmes.

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Was bedeutet sittenwidrig?

Im allgemeinen Sprachgebrauch kann sittenwidrig ein Verhalten als mit grundlegenden moralischen Maßstäben unvereinbar bewerten. Welche Maßstäbe der Sprecher zugrunde legt, sollte deutlich werden. Eine persönliche Abneigung oder eine ungewohnte Lebensweise reicht nicht als sachliche Erklärung.

Im deutschen Zivilrecht spielt der Ausdruck unter anderem bei Rechtsgeschäften eine Rolle. § 138 BGB sieht für ein sittenwidriges Rechtsgeschäft Nichtigkeit vor. Die konkrete Bewertung richtet sich nach dem Gesamtzusammenhang und kann nicht allein aus einem empörenden Schlagwort abgeleitet werden.

Sittenwidrig ist deshalb nicht beliebig mit strafbar, teuer oder unhöflich austauschbar. Diese Wörter betreffen unterschiedliche Maßstäbe. Auch ein rechtlich unwirksames Geschäft muss nicht gerade wegen Sittenwidrigkeit unwirksam sein.

Eigene Beispiele mit Erklärung

  • „Der Kommentar prüft, ob die Vereinbarung sittenwidrig ist.“ Die rechtliche Einordnung wird als offene Prüfung formuliert.
  • „Die Figur nennt das Verhalten sittenwidrig und begründet ihre Wertung.“ In diesem Satz äußert sie ein moralisches Urteil.
  • „Die Besprechung unterscheidet sittenwidrige und aus anderen Gründen unwirksame Geschäfte.“ Gleiche Folgen können auf unterschiedlichen Gründen beruhen.

Bedeutungsunterschiede und typische Missverständnisse

Strafbar betrifft einen Straftatbestand. Sittenwidrigkeit und Strafbarkeit sind keine deckungsgleichen Begriffe.

Unwirksam bezeichnet eine rechtliche Wirkung beziehungsweise deren Fehlen. Sittenwidrig nennt einen möglichen Grund, nicht sämtliche Gründe einer Unwirksamkeit.

Schreibweise und Grammatik

Sittenwidrig wird zusammengeschrieben; widrig enthält kein zusätzliches e nach dem i. Gebeugte Formen sind ein sittenwidriger Vertrag, eine sittenwidrige Vereinbarung und mit sittenwidrigen Bedingungen.

Steigerung

Als rechtliche Einordnung wird das Wort gewöhnlich nicht gesteigert. Die Schwere oder Offenkundigkeit einer beanstandeten Gestaltung kann gesondert beschrieben werden.

Beugung im Überblick

Die Tabellen zeigen die Grundstufe vor einem Nomen. Die hervorgehobene Endung richtet sich nach Artikel, Fall, Geschlecht und Zahl. Bei der gemischten Beugung steht im Plural beispielsweise keine oder meine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin, SingularFeminin, SingularNeutrum, SingularPlural, alle Genera
Nominativsittenwidrigersittenwidrigesittenwidrigessittenwidrige
Genitivsittenwidrigensittenwidrigersittenwidrigensittenwidriger
Dativsittenwidrigemsittenwidrigersittenwidrigemsittenwidrigen
Akkusativsittenwidrigensittenwidrigesittenwidrigessittenwidrige
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin, SingularFeminin, SingularNeutrum, SingularPlural, alle Genera
Nominativsittenwidrigesittenwidrigesittenwidrigesittenwidrigen
Genitivsittenwidrigensittenwidrigensittenwidrigensittenwidrigen
Dativsittenwidrigensittenwidrigensittenwidrigensittenwidrigen
Akkusativsittenwidrigensittenwidrigesittenwidrigesittenwidrigen
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin, SingularFeminin, SingularNeutrum, SingularPlural, alle Genera
Nominativsittenwidrigersittenwidrigesittenwidrigessittenwidrigen
Genitivsittenwidrigensittenwidrigensittenwidrigensittenwidrigen
Dativsittenwidrigensittenwidrigensittenwidrigensittenwidrigen
Akkusativsittenwidrigensittenwidrigesittenwidrigessittenwidrigen

Die Grundregeln findest du im Überblick zu Adjektiven und ihrer Beugung.

Die Verwendung an einem Beispiel verstehen

Erfundenes Beispiel: In einer erfundenen Unterrichtsaufgabe hält ein Schüler einen Vertrag allein wegen eines hohen Preises für sittenwidrig. Die Besprechung unterscheidet daraufhin die Preisbewertung von den weiteren Umständen, die für eine rechtliche Einordnung benötigt werden.

Ein als überhöht empfundener Preis ist noch keine vollständige Begründung der Sittenwidrigkeit. Der Begriff verlangt eine Prüfung des einschlägigen Maßstabs und der Umstände.

Das Beispiel fällt kein Urteil über einen tatsächlichen Vertrag. Es erklärt, warum ein rechtlicher Wertungsbegriff nicht durch ein einzelnes Alltagsurteil ersetzt werden kann.

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