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blass

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
blass
Worttrennung
blass
Komparativ
blasser; auch blässer
Superlativ
am blassesten; auch am blässesten

Mit und ohne Umlaut steigerbar. Farbstärke, Hautfarbe und übertragene Ausdruckslosigkeit sind verschiedene Maßstäbe; daraus folgt kein Charakterurteil.

Formen und Verwendung im Detail

Blass beschreibt zunächst eine helle, wenig kräftige Farbe. Übertragen kann eine Person, Darstellung oder Erinnerung blass wirken, wenn sie wenig hervortritt oder kaum erkennbare Eigenheiten besitzt. Hautfarbe und innerer Charakter sind dabei strikt zu unterscheiden.

Was bedeutet blass?

Ein blasses Gesicht ist zunächst ein äußeres Merkmal. In einer Erzählung kann ein plötzliches Erblassen eine Reaktion begleiten; welche Empfindung dahintersteht, muss jedoch der Zusammenhang zeigen. Aus blasser Haut allein lassen sich weder Angst noch eine bestimmte Gesinnung ablesen.

Eine blasse Figur in einer Rezension ist häufig eine wenig ausgearbeitete literarische Gestalt. Gemeint ist dann, dass ihre Eigenschaften, Motive oder Stimme kaum Profil gewinnen. Das ist eine Aussage über die Darstellung im Werk. Sie unterscheidet sich von der Aussage, eine Figur trete innerhalb der Handlung unauffällig auf.

Drei Beispiele mit Erklärung

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Als sie die Nachricht las, wurde ihr Gesicht blass; erst ihr anschließendes Geständnis erklärte den Schreck.“

Die sichtbare Veränderung wird von ihrer späteren Erklärung unterschieden. Das Aussehen allein liefert noch keine vollständige Deutung.

„Die Nebenfigur bleibt blass, weil sie weder eigene Ziele noch eine erkennbare Sprechweise erhält.“

Das Urteil betrifft die literarische Gestaltung. Eine tatsächliche Hautfarbe spielt keine Rolle.

„Die Erinnerung an den ersten Abend war inzwischen blass und bestand nur noch aus einzelnen Bildern.“

Hier bezeichnet das Wort eine schwache Ausprägung im Gedächtnis. Es wird weder eine Person noch eine Farbe unmittelbar charakterisiert.

Synonyme für blass: passend zum Zusammenhang

Blass beschreibt schwache Farbe, geringe Ausdruckskraft oder wenig deutlich erhaltene Erinnerungen. Bleich passt vor allem zum Gesicht, konturlos zu einer literarischen Gestaltung und undeutlich zu Erinnerungen. Das äußere Merkmal sollte dabei nicht automatisch als innerer Zustand erklärt werden.

Welches Wort passt zu welcher Aussage?
AlternativePassend beiUnterschied
bleichEiner wenig kräftigen GesichtsfarbeNahe körperliche Beschreibung, ohne sichere Ursache.
farbschwachEiner zurückhaltenden FarbwirkungSachliche Umschreibung bei Druck oder Gestaltung.
konturlosEiner wenig ausgearbeiteten FigurBezieht sich auf die Darstellung im Text.
undeutlichSchwach erhaltenen ErinnerungenBetont fehlende Klarheit statt tatsächlicher Farbe.

Eigene Sprachbeispiele: Die Erläuterungen zeigen, was sich beim Ersetzen verändert.

Erstes Satzpaar

Ausgangssatz: „Die Nebenfigur bleibt in der Erzählung blass.“

Alternative: „Die Nebenfigur bleibt in der Erzählung konturlos.“

Konturlos erklärt, dass eigene Motive, Merkmale oder eine individuelle Stimme fehlen. Gemeint ist nicht die Hautfarbe der Figur.

Zweites Satzpaar

Ausgangssatz: „Die Erinnerung an den ersten Abend ist blass.“

Alternative: „Die Erinnerung an den ersten Abend ist undeutlich.“

Die Alternative benennt die geringe Klarheit im Gedächtnis. Ob einzelne Details falsch erinnert werden, sagt sie noch nicht.

Hier passt der Austausch nicht: Ein blasses Gesicht muss nicht ausdruckslos sein. Eine Person kann wenig kräftige Gesichtsfarbe und zugleich deutliche Mimik haben. Auch ängstlich wäre eine zusätzliche Deutung, für die der Kontext eigene Hinweise liefern muss.

Unterscheide die Ebenen einer Beschreibung: „Die Figur ist blass“ kann äußerlich gemeint sein, „die Figur ist blass gezeichnet“ bewertet die Gestaltung. Ein Zusatz wie im Roman oder im Gesicht verhindert, dass ein Ersatzwort unbemerkt von der Darstellung zum Charakterurteil wechselt.

Weitere Abgrenzungen: Ähnliche Wörter und Unterschiede
bleich
Liegt bei der Beschreibung der Gesichtsfarbe nahe. Blass ist darüber hinaus für schwache Wirkung oder fehlendes Profil gebräuchlich.
ausdruckslos
Beschreibt fehlenden erkennbaren Ausdruck in Gesicht, Stimme oder Darstellung. Ein blasses Gesicht kann dennoch starke Gefühle zeigen.
unauffällig
Tritt wenig hervor. Eine bewusst unauffällige Figur kann literarisch sehr deutlich und differenziert gestaltet sein.

Wer das Äußere schildert, arbeitet zunächst an einer Personenbeschreibung. Eine Charakterdeutung braucht zusätzliche Handlungen, Äußerungen oder Gedanken. Auch eine stilistische Bewertung wie blass gezeichnet sollte benennen, welche Konturen der Darstellung fehlen.

Schreibung und Grammatik

Die heutige Schreibung lautet blass mit ss. Formen: ein blasser Teint, eine blasse Farbe, ein blasses Gesicht. Die Steigerung ist mit und ohne Umlaut möglich: blasser/blässer, am blassesten/blässesten. Das Substantiv lautet Blässe.

Die Beugung vor einem Nomen und den ungebeugten Gebrauch erläutert die Übersicht zu Adjektiven.

Beugung von blass

Ein blasser Farbton kann vor einem Nomen in allen drei Beugungsarten stehen. Die folgenden Tabellen zeigen die Grundstufe; die Vergleichsformen mit Umlaut gehören zur Steigerung.

Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativblasserblasseblassesblasse
Genitivblassenblasserblassenblasser
Dativblassemblasserblassemblassen
Akkusativblassenblasseblassesblasse
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativblasseblasseblasseblassen
Genitivblassenblassenblassenblassen
Dativblassenblassenblassenblassen
Akkusativblassenblasseblasseblassen
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativblasserblasseblassesblassen
Genitivblassenblassenblassenblassen
Dativblassenblassenblassenblassen
Akkusativblassenblasseblassesblassen

Herkunft und Wortbildung

Die Vorform mittelhochdeutsch blas konnte kahl, gering oder nichtig bedeuten; noch älter ist die Bedeutung blank. Die gegenwärtigen körperlichen und übertragenen Lesarten müssen unabhängig davon am jeweiligen Bezugswort bestimmt werden.

Verwendung in einer Charakterisierung

Trenne drei Ebenen: das sichtbare Gesicht, die Wirkung einer Person auf andere und die Gestaltung der Figur durch den Text. Eine Analyse wird genauer, wenn sie ausdrücklich sagt, auf welcher Ebene die Bezeichnung blass verwendet wird.

Die Nebenfigur bleibt in der Darstellung blass, weil ihre Auftritte auf die Weitergabe von Nachrichten beschränkt sind und weder eigene Motive noch individuelle sprachliche Merkmale erkennen lassen.

Eigene Musterformulierung für eine erfundene Szene. Bei einem literarischen Werk sind passende Textbelege nötig.

Wie du Beobachtungen und Deutung verbindest, erklärt die Anleitung zum Schreiben einer Charakterisierung.

Blass in der Übersicht der Charaktereigenschaften