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depressiv

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
depressiv
Worttrennung
de·pres·siv
Komparativ
depressiver
Superlativ
am depressivsten

Fachliche Depression und umgangssprachliche Niedergeschlagenheit unterscheiden. Eine Steigerung ist keine fachliche Einordnung eines Schweregrades und keine Charakterbewertung.

Formen und Verwendung im Detail

Depressiv bedeutet fachsprachlich eine Depression betreffend oder an ihr leidend; umgangssprachlich wird es auch für traurig und niedergeschlagen verwendet. Eine Charaktereigenschaft bezeichnet es nicht.

Was bedeutet depressiv?

Das Adjektiv depressiv hat einen medizinisch-psychologischen und einen umgangssprachlichen Gebrauch. Fachsprachlich bezieht es sich auf eine Depression, etwa in der Verbindung depressive Episode. Im Alltag wird es mitunter weiter für eine gedrückte Stimmung verwendet. Diese Verwendungen dürfen nicht gleichgesetzt werden: Vorübergehende Niedergeschlagenheit ist nicht automatisch eine depressive Erkrankung.

Nach der Gesundheitsinformation des IQWiG gehört zur fachlichen Abklärung, Beschwerden zu erfassen und andere mögliche Ursachen zu prüfen. Ein trauriger Blick, Rückzug in einer einzelnen Szene oder eine pessimistische Bemerkung reichen für eine Diagnose nicht aus. Depressiv ist außerdem kein moralisches Urteil und kein Synonym für schwach, faul oder charakterlos. In der Wirtschaftssprache kann das Wort auch eine durch Rückgang geprägte Lage bezeichnen.

Drei Beispiele für depressiv

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Im Bericht wird eine depressive Episode ausdrücklich als ärztlich festgestellte Erkrankung genannt.“

Der Zusammenhang macht die fachliche Bedeutung und die Herkunft der Feststellung kenntlich. Die Bezeichnung beruht hier nicht allein auf einem äußeren Eindruck.

„Nach der Absage sagte er, er fühle sich ganz depressiv.“

Die Figur verwendet das Wort für ihr eigenes Erleben. Ohne weitere Angaben bleibt offen, ob sie umgangssprachlich Niedergeschlagenheit meint oder über eine Erkrankung spricht.

„Der Roman zeigt sie am Abend traurig und erschöpft; die Mitschülerin nennt sie daraufhin depressiv.“

Die Bezeichnung gehört zur Einschätzung der Mitschülerin. Eine Analyse sollte diese Äußerung nicht ungeprüft in eine fachliche Diagnose verwandeln.

Synonyme für depressiv: passend zum Zusammenhang

Bei depressiv ist die Trennung zwischen fachlichem und umgangssprachlichem Gebrauch besonders wichtig. Wörter für eine gedrückte Stimmung können eine Alltagsäußerung erklären. Sie sind keine austauschbaren Bezeichnungen für eine festgestellte Depression und beschreiben keine moralische Charaktereigenschaft.

Welches Wort passt zu welcher Aussage?
AlternativePassend beiUnterschied
niedergeschlagenumgangssprachlicher Beschreibung eines GefühlsBenennt eine Stimmung, keine Diagnose.
bedrücktbelasteter gedrückter StimmungPasst nur, wenn dieses Erleben gemeint ist.
traurigkonkret geschildertem GefühlIst allgemeiner und nicht gleichbedeutend mit einer Erkrankung.
an einer Depression erkranktausdrücklich festgestellter ErkrankungIst eine personbezogene Umschreibung, keine Diagnose aus dem Eindruck.

Eigene Sprachbeispiele: Die Erläuterungen zeigen, was sich beim Ersetzen verändert.

Erstes Satzpaar

Ausgangssatz: „Nach der Absage sagt die Figur: ‚Ich fühle mich ganz depressiv.‘“

Alternative: „Nach der Absage sagt die Figur: ‚Ich fühle mich ganz niedergeschlagen.‘“

Die zweite Fassung macht eine Stimmungsaussage daraus. Sie passt nur, wenn genau das gemeint ist; ein tatsächlich benannter Krankheitszustand dürfte dadurch nicht verharmlost werden.

Zweites Satzpaar

Ausgangssatz: „Der Bericht beschreibt sie als depressiv und nennt die festgestellte Erkrankung.“

Alternative: „Der Bericht beschreibt sie als an einer Depression erkrankt.“

Die Umschreibung bewahrt hier den ausdrücklich vorhandenen fachlichen Bezug. Sie trennt die Person sprachlich deutlicher von ihrem Zustand.

Hier passt der Austausch nicht: Faul, schwach oder pessimistisch sind keine Synonyme für depressiv. Solche Ersetzungen würden Verhalten oder Haltung bewerten und den medizinischen Zusammenhang verfehlen. Auch ein trauriger Blick allein rechtfertigt keine entsprechende Feststellung.

In einer Charakterisierung wird entweder eine im Text ausdrücklich genannte Erkrankung wiedergegeben oder das tatsächlich beschriebene Erleben benannt. „Wirkt in dieser Szene bedrückt“ bleibt bei einer Beobachtung. „Ist depressiv“ kann dagegen als fachliche Aussage verstanden werden und darf nicht beiläufig aus einzelnen Stimmungssignalen entstehen.

Weitere Abgrenzungen: Ähnliche Wörter unterscheiden
Traurig
Traurig bezeichnet ein Gefühl. Es kann vorübergehend oder anhaltend sein, belegt für sich genommen aber keine Depression.
Defätistisch
Defätistisch beschreibt eine Erwartung des Scheiterns mit einer Neigung zum Aufgeben. Das ist eine Haltung zu Erfolgsaussichten und keine austauschbare Bezeichnung für eine depressive Erkrankung.

Schreibung und Grammatik

Formen sind eine depressive Stimmung, ein depressiver Zustand und depressive Beschwerden. Prädikativ heißt es etwa: Sie fühlt sich depressiv. Grammatisch sind Steigerungen möglich; ihre Verwendung ersetzt aber keine fachliche Einordnung des Schweregrades einer Erkrankung. Das Substantiv Depression wird großgeschrieben. Bei Menschen ist eine Formulierung, die Person und Zustand unterscheidet, häufig genauer als ein pauschales Etikett.

Weitere Beispiele zur Beugung und Verwendung stehen in der Übersicht der Adjektive.

Beugung von depressiv

Die Tabellen erklären die Formen des Adjektivs, etwa in depressive Stimmung. Ein gebeugtes Wort erlaubt keine Diagnose und keine fachliche Einstufung der Stärke einer Erkrankung.

Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativdepressiverdepressivedepressivesdepressive
Genitivdepressivendepressiverdepressivendepressiver
Dativdepressivemdepressiverdepressivemdepressiven
Akkusativdepressivendepressivedepressivesdepressive
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativdepressivedepressivedepressivedepressiven
Genitivdepressivendepressivendepressivendepressiven
Dativdepressivendepressivendepressivendepressiven
Akkusativdepressivendepressivedepressivedepressiven
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativdepressiverdepressivedepressivesdepressiven
Genitivdepressivendepressivendepressivendepressiven
Dativdepressivendepressivendepressivendepressiven
Akkusativdepressivendepressivedepressivesdepressiven

Herkunft und Wortbildung

Das Wort stammt aus französisch dépressif; die Wortgeschichte führt zu lateinisch depressus, einer Form von deprimere. In diesem Zusammenhang steht die Vorstellung des Niederdrückens. Die Herkunft erklärt ein sprachliches Bild, nicht die Ursachen einer Erkrankung.

Verwendung in einer Charakterisierung

In einer Charakterisierung sollte ein ausdrücklich erzählter Zustand von eigenen Schlussfolgerungen getrennt werden: „Der Erzähler nennt ihre Erkrankung eine Depression; die folgenden Szenen zeigen, wie sich ihr Alltag verändert.“ Fehlt eine solche Grundlage, ist die Beschreibung des tatsächlich dargestellten Erlebens genauer, etwa niedergeschlagen, erschöpft oder zurückgezogen. Diese Beobachtungen dürfen nicht ohne Weiteres zu einem festen Wesenszug erklärt werden.

Die Anleitung zur Charakterisierung erklärt, wie Beobachtung, Textbeleg und Deutung zusammengehören.

Depressiv in der Übersicht der Charaktereigenschaften