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eigen

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
eigen
Worttrennung
ei·gen
Komparativ
eigener
Superlativ
am eigensten

Besitzzuordnung und ungewöhnliche Eigenart sind verschiedene Lesarten. Regional für penibel nicht adverbial verwenden; eigene und eigne sind mögliche Beugungsvarianten.

Formen und Verwendung im Detail

Eigen: Einer Person selbst zugehörig oder für sie charakteristisch; bei Menschen auch ungewöhnlich beziehungsweise regional besonders genau und anspruchsvoll.

Was bedeutet eigen?

Eigen hat mehrere deutlich verschiedene Bedeutungen. Am häufigsten bezeichnet es Zugehörigkeit oder Selbstständigkeit: das eigene Zimmer, die eigene Entscheidung, aus eigenem Antrieb. In einer Beschreibung wie eine eigene Meinung wird hervorgehoben, dass die Person selbst urteilt. Das Wort bewertet diese Meinung noch nicht als richtig, ungewöhnlich oder eigensinnig.

Etwas kann einem Menschen auch eigen sein, also typisch für ihn. In Diese Geduld ist ihr eigen bezeichnet eigen keine merkwürdige Eigenschaft, sondern eine charakteristische. Daneben kann das Adjektiv sonderbar oder eigenartig bedeuten; diese Lesart ist veraltend. Regional meint darin sehr eigen sein besonders sorgfältig oder beinahe übergenau sein.

Wer einen Menschen ohne nähere Erklärung als eigen bezeichnet, lässt deshalb offen, was gemeint ist. Sind es ungewöhnliche Gewohnheiten, feste persönliche Vorstellungen oder eine große Genauigkeit in bestimmten Dingen? Eine gute Charakterisierung löst diese Mehrdeutigkeit auf, anstatt aus dem kurzen Urteil automatisch Verschlossenheit oder Unfreundlichkeit abzuleiten.

Beispiele für eigen

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Trotz der lauten Debatte bildete sich Nils eine eigene Meinung.“

Eigen hebt hier die persönliche Urteilsbildung hervor. Der Satz besagt nicht, dass er absichtlich widerspricht oder eine sonderbare Auffassung vertritt.

„Die ruhige Genauigkeit, die ihr eigen war, half ihr bei der schwierigen Reparatur.“

Die Eigenschaft wird als charakteristisch beschrieben. Eigen bedeutet in dieser Konstruktion nicht besitzergreifend.

„Bei der Anordnung seiner Werkzeuge war er sehr eigen.“

In der regionalen Verwendung hält die Person besonders genau an ihren Vorstellungen fest. Welche Ordnung sie verlangt, sollte der weitere Kontext zeigen.

Synonyme für eigen: passend zum Zusammenhang

Eigen kann Zugehörigkeit, eine charakteristische Besonderheit oder ein ungewöhnliches und anspruchsvolles Verhalten bezeichnen. Ein eigenes Urteil ist deshalb nicht automatisch ein eigenartiges Urteil. Für den Austausch ist besonders die Konstruktion wichtig: „mein eigener“ und „mir eigen“ erfüllen verschiedene Aufgaben.

Wortalternativen und ihre Unterschiede
ErsatzwortPasst beiUnterschied
persönlichEntscheidungen und BesitzKann den individuellen Bezug betonen, bezeichnet aber nicht in jeder Verbindung Eigentum.
charakteristischEigenschaften, die jemandem eigen sindBenennt das Typische, ohne eine ungewöhnliche Wirkung zu behaupten.
eigenartigsonderbar wirkendes AuftretenPasst nur zu dieser besonderen Bedeutungsrichtung.
penibelstarke Genauigkeit in bestimmten DingenKann die regionale Verwendung „darin sehr eigen“ erläutern.

Wörter im Satz vergleichen

Die folgenden Satzpaare sind eigene Sprachbeispiele.

Ausgangssatz: „Diese geduldige Art ist ihr eigen.“
Alternative: „Diese geduldige Art ist für sie charakteristisch.“

Die Alternative behält den Bezug zur Person und verändert den Satzbau. Eine sonderbare oder ablehnende Haltung ist damit nicht gemeint.

Ausgangssatz: „Bei der Reihenfolge seiner Werkzeuge ist er sehr eigen.“
Alternative: „Bei der Reihenfolge seiner Werkzeuge ist er sehr penibel.“

In der gemeinten Genauigkeitslesart erklärt die Alternative, worin die Besonderheit liegt. Sie behauptet keine allgemeine Verschlossenheit.

Hier passt der Austausch nicht: Ein eigener Schlüssel ist kein eigenartiger Schlüssel. Im ersten Fall wird Zugehörigkeit oder eigene Nutzung hervorgehoben; im zweiten würde seine ungewöhnliche Beschaffenheit beschrieben.

Auch „aus eigenem Antrieb“ meint nicht eigensinnig: Jemand beginnt selbst, ohne dazu aufgefordert zu werden. Eigensinnig würde zusätzlich das Festhalten am eigenen Willen gegenüber anderen einführen. Gerade bei der Charakterisierung sollte diese stärkere Deutung nicht allein aus selbstständigem Handeln abgeleitet werden.

Weitere Abgrenzungen: Ähnliche Wörter unterscheiden
eigenartig
Passt zur Bedeutung sonderbar, aber nicht zu jeder Verwendung von eigen. Ein eigener Schlüssel ist nicht deshalb ein eigenartiger Schlüssel.
eigensinnig
Betont das Festhalten am eigenen Willen. Die bloße Tatsache, eine eigene Meinung zu besitzen, reicht dafür nicht aus.
charakteristisch
Ist in etwas ist jemandem eigen ein naher Ersatz. Es bewertet die betreffende Eigenschaft nicht von sich aus.

Schreibung und Grammatik

Eigen ist ein Adjektiv mit Formen wie eigene oder eigne, eigener oder eigner. In etwas ist ihm eigen steht es ungebeugt; das Dativpronomen nennt die Person. Die regionale Bedeutung penibel wird nicht adverbial verwendet: Er ist darin eigen ist passend, er arbeitet eigen gibt diese Lesart nicht zuverlässig wieder. Substantiviert schreibt man etwas Eigenes groß.

Die Übersicht zu Adjektiven erläutert ihre Beugung und Verwendung im Satz.

Beugung von eigen

Ein eigener Schlüssel gehört jemandem selbst; eine jemandem eigene Art ist für die Person charakteristisch. Die Tabellen zeigen die ausgeschriebenen Formen. Auch eigne, eigner und entsprechende verkürzte Beugungsformen sind möglich.

Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativeigenereigeneeigeneseigene
Genitiveigeneneigenereigeneneigener
Dativeigenemeigenereigenemeigenen
Akkusativeigeneneigeneeigeneseigene
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativeigeneeigeneeigeneeigenen
Genitiveigeneneigeneneigeneneigenen
Dativeigeneneigeneneigeneneigenen
Akkusativeigeneneigeneeigeneeigenen
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativeigenereigeneeigeneseigenen
Genitiveigeneneigeneneigeneneigenen
Dativeigeneneigeneneigeneneigenen
Akkusativeigeneneigeneeigeneseigenen

Herkunft und Wortbildung

Mittelhochdeutsch eigen und althochdeutsch eigan gehen ursprünglich auf eine Partizipform eines Verbs für haben oder besitzen zurück. Das macht die Zugehörigkeitsbedeutung nachvollziehbar. Die heutigen weiteren Bedeutungen müssen dennoch aus dem jeweiligen Satz erschlossen werden.

Verwendung in einer Charakterisierung

‚Bei der Arbeit an seinem Instrument ist Hanno sehr eigen: Er duldet keine veränderte Reihenfolge der Werkzeuge.‘ Der Zusatz macht die gemeinte Genauigkeit sichtbar. Soll dagegen Selbstständigkeit beschrieben werden, ist eine Formulierung wie ‚Er entwickelt ein eigenes Urteil‘ präziser.

Wie sich Beobachtung und Deutung verbinden lassen, erklärt die Anleitung zum Schreiben einer Charakterisierung.

Eigen in der Übersicht der Charaktereigenschaften