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eigenwillig

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
eigenwillig
Worttrennung
ei·gen·wil·lig
Komparativ
eigenwilliger
Superlativ
am eigenwilligsten

Verglichen wird eigener Wille oder eine ungewöhnliche Gestaltung. Ein auffälliger Stil ist nicht automatisch ein Beleg für eigensinniges Verhalten in jeder Situation.

Formen und Verwendung im Detail

Eigenwillig: Den eigenen Willen oder Gestaltungswillen deutlich zur Geltung bringend; auch eigensinnig oder auf ungewöhnliche Weise gestaltet.

Was bedeutet eigenwillig?

Eigenwillig beschreibt, dass ein eigener Wille deutlich hervortritt. Bei einer Person kann das bedeuten, dass sie sich nicht leicht nach fremden Erwartungen richtet. Bei einem Stil, einer Gestaltung oder einer Deutung ist häufig eine unverwechselbare, von üblichen Lösungen abweichende Ausprägung gemeint. Das Wort kann daher sowohl Anerkennung als auch Kritik ausdrücken.

Eine eigenwillige Gestaltung fällt durch persönliche Entscheidungen auf. Ob sie gelungen ist, bleibt damit offen. Ein ungewöhnlicher Bühnenraum kann als mutig und interessant oder als unpraktisch empfunden werden. Bei Menschen kann eigenwillig außerdem nahe bei eigensinnig liegen: Die Person hält dann an ihrem eigenen Willen fest, obwohl andere etwas anderes möchten.

Wichtig ist, die beiden Blickrichtungen nicht starr zu trennen. Ein künstlerischer Gestaltungswille und ein schwieriges Verhalten in der Zusammenarbeit können sich verbinden, müssen es aber nicht. Aus einem eigenwilligen Werk lässt sich deshalb nicht automatisch auf einen unkooperativen Menschen schließen.

Beispiele für eigenwillig

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Die Regisseurin gab dem bekannten Stoff eine eigenwillige Form, indem sie alle Ortswechsel durch Musik erzählte.“

Das Wort hebt eine persönliche Gestaltungsentscheidung hervor. Ob diese Lösung überzeugt, müsste gesondert beurteilt werden.

„Der eigenwillige Schüler löste die Aufgabe auf einem anderen Weg, konnte ihn aber gut erklären.“

Abweichung vom üblichen Verfahren ist hier kein Fehler. Die nachvollziehbare Begründung lässt Eigenständigkeit erkennen.

„Bei der gemeinsamen Planung zeigte sie sich eigenwillig und lehnte jede Änderung ihres Entwurfs ab.“

Hier steht das Festhalten am eigenen Willen im Vordergrund. Der Satz kann deshalb kritisch gemeint sein.

Synonyme für eigenwillig: passend zum Zusammenhang

Eigenwillig kann einen unverwechselbaren Gestaltungswillen oder das beharrliche Festhalten am eigenen Wunsch beschreiben. Manche Alternativen loben Eigenständigkeit, andere tadeln fehlende Bereitschaft zur Abstimmung. Deshalb sollte der Text erkennen lassen, ob ein Werk oder der Umgang mit anderen beurteilt wird.

Wortalternativen und ihre Unterschiede
ErsatzwortPasst beiUnterschied
eigensinnigFesthalten am eigenen WillenOft kritischer; kann geringe Zugänglichkeit für Einwände nahelegen.
unkonventionellStil und LösungswegeBetont die Abweichung von üblichen Formen, nicht zwingend persönlichen Trotz.
originellIdeen und GestaltungLobt meist die neuartige oder überraschende Qualität stärker.
selbstständigUrteile und VorgehenBetont Unabhängigkeit, ohne eine ungewöhnliche Wirkung vorauszusetzen.

Wörter im Satz vergleichen

Die folgenden Satzpaare sind eigene Sprachbeispiele.

Ausgangssatz: „Die Inszenierung besitzt eine eigenwillige Bildsprache.“
Alternative: „Die Inszenierung besitzt eine unkonventionelle Bildsprache.“

Die Alternative stellt die Abweichung von Gewohntem heraus. Ob sie als gelungen oder störend empfunden wird, bleibt in beiden Fassungen offen.

Ausgangssatz: „Bei der Abstimmung verhielt sie sich eigenwillig.“
Alternative: „Bei der Abstimmung verhielt sie sich eigensinnig.“

Der zweite Satz kritisiert eher das Festhalten am eigenen Wunsch. Diese stärkere Wertung braucht Hinweise auf den Umgang mit sachlichen Einwänden.

Hier passt der Austausch nicht: Ein origineller Entwurf beweist keine eigensinnige Persönlichkeit. Jemand kann ungewöhnliche Formen entwickeln und in der Zusammenarbeit zugleich sehr offen für Vorschläge sein.

„Eigenwillig“ und „eigenartig“ sind ebenfalls nicht deckungsgleich. Eigenartig bezeichnet zunächst die ungewöhnliche Wirkung; ein persönlicher Gestaltungswille muss nicht erkennbar sein. Für eine Charakterisierung ist deshalb entscheidend, ob die Szene eine begründete eigene Lösung oder das pauschale Abweisen anderer zeigt.

Weitere Abgrenzungen: Ähnliche Wörter unterscheiden
eigensinnig
Liegt in der personenbezogenen Bedeutung nahe. Eigenwillig kann darüber hinaus einen eigenen Stil beschreiben, ohne mangelnde Einsicht zu behaupten.
eigenartig
Betont eine ungewöhnliche oder befremdliche Wirkung. Ein erkennbarer Gestaltungswille muss dabei nicht vorliegen.
originell
Lobt meist eine neuartige oder überraschende Idee. Eigenwillig lässt die Bewertung der ungewöhnlichen Lösung stärker offen.

Schreibung und Grammatik

Eigenwillig ist ein Adjektiv: ein eigenwilliger Stil, eine eigenwillige Persönlichkeit, der Entwurf wirkt eigenwillig. Die Steigerung lautet eigenwilliger, am eigenwilligsten. Die Schreibung enthält zwei l wie Wille. Als Substantive gehören Eigenwille und Eigenwilligkeit zur Wortfamilie.

Die Übersicht zu Adjektiven erläutert ihre Beugung und Verwendung im Satz.

Beugung von eigenwillig

Ein eigenwilliger Stil weicht vom Üblichen ab. Bei einer eigenwilligen Person kann dagegen das Festhalten am eigenen Willen gemeint sein.

Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativeigenwilligereigenwilligeeigenwilligeseigenwillige
Genitiveigenwilligeneigenwilligereigenwilligeneigenwilliger
Dativeigenwilligemeigenwilligereigenwilligemeigenwilligen
Akkusativeigenwilligeneigenwilligeeigenwilligeseigenwillige
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativeigenwilligeeigenwilligeeigenwilligeeigenwilligen
Genitiveigenwilligeneigenwilligeneigenwilligeneigenwilligen
Dativeigenwilligeneigenwilligeneigenwilligeneigenwilligen
Akkusativeigenwilligeneigenwilligeeigenwilligeeigenwilligen
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativeigenwilligereigenwilligeeigenwilligeseigenwilligen
Genitiveigenwilligeneigenwilligeneigenwilligeneigenwilligen
Dativeigenwilligeneigenwilligeneigenwilligeneigenwilligen
Akkusativeigenwilligeneigenwilligeeigenwilligeseigenwilligen

Herkunft und Wortbildung

Eigenwillig gehört zur Wortfamilie Eigenwille und verbindet den eigenen Willen mit der Adjektivbildung auf -ig. Diese Wortbildung erklärt den gemeinsamen Kern der Verwendungen: Persönliche Vorstellungen werden deutlich zur Geltung gebracht. Das kann das Verhalten einer Person oder die erkennbare Form eines Werkes betreffen.

Verwendung in einer Charakterisierung

‚Iris übernimmt die vorgeschlagene Lösung nicht, sondern entwickelt einen ungewöhnlichen, klar begründeten Entwurf; ihr Vorgehen wirkt eigenwillig und selbstständig.‘ Soll dagegen Unnachgiebigkeit gemeint sein, müsste der Text zeigen, wie sie auf sachliche Einwände reagiert. Eine ungewöhnliche Idee allein belegt keine Unkooperativität.

Wie sich Beobachtung und Deutung verbinden lassen, erklärt die Anleitung zum Schreiben einer Charakterisierung.

Eigenwillig in der Übersicht der Charaktereigenschaften