erbärmlich
Form & Grammatik
Adjektiv- Stichwort
- erbärmlich
- Worttrennung
- er·bärm·lich
- Komparativ
- erbärmlicher
- Superlativ
- am erbärmlichsten
Je nach Zusammenhang bemitleidenswert, sehr schlecht, moralisch verwerflich oder äußerst gering. Die Steigerung muss die gemeinte Bewertung erkennen lassen; oft stark abwertend.
Erbärmlich: So elend, dass es Mitleid hervorruft; außerdem sehr schlecht oder, als scharfes moralisches Urteil, verachtenswert und gemein.
Was bedeutet erbärmlich?
Erbärmlich kann eine Lage bezeichnen, die wegen ihres Elends Mitgefühl hervorruft. Ein erbärmlicher Zustand ist dann beklagenswert. Derselbe Ausdruck kann jedoch auch etwas als völlig unzureichend abwerten: Bei einer erbärmlichen Ausrede wird meist kein Mitleid verlangt, sondern ihre Schwäche kritisiert. Der Kontext entscheidet also, ob Bedauern oder Verachtung überwiegt.
Auf das Verhalten eines Menschen bezogen kann erbärmlich ein sehr hartes moralisches Urteil sein. Wer einen Schutzlosen verhöhnt, wird möglicherweise als erbärmlich bezeichnet. Damit beschreibt der Sprecher nicht neutral eine feste Eigenschaft, sondern verurteilt das Verhalten. In Wendungen wie erbärmlich frieren verstärkt das Wort dagegen lediglich das Ausmaß. Eine Person, die erbärmlich friert, wird nicht wegen ihres Charakters herabgesetzt.
Drei Beispiele für erbärmlich
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„Nach dem Unwetter war die Unterkunft in einem erbärmlichen Zustand: Die Betten waren nass, und durch das Dach drang Regen.“
Die Einzelheiten begründen die Bedeutung elend und beklagenswert. Der Ausdruck richtet sich auf die Lebensumstände.
„Seine Ausrede war erbärmlich, weil sie schon durch den offen auf dem Tisch liegenden Brief widerlegt wurde.“
Gemeint ist die geringe Qualität der Erklärung. Das Urteil fällt schärfer aus als die sachliche Feststellung, sie sei unglaubwürdig.
„Die Besucherin fand es erbärmlich, dass der Sieger den ohnehin enttäuschten Gegner öffentlich verspottete.“
Hier steht die moralische Verurteilung im Vordergrund. Der Satz benennt zugleich, wessen Wertung wiedergegeben wird.
Synonyme für erbärmlich: passend zum Zusammenhang
Erbärmlich kann Mitleid, schlechte Qualität oder heftige Verachtung ausdrücken. Diese Bedeutungen liegen sprachlich nahe, unterscheiden sich aber im Umgang mit den Betroffenen stark. Eine Alternative sollte klären, ob jemand eine Notlage bedauert, eine unzureichende Leistung kritisiert oder ein Verhalten moralisch verurteilt.
| Ersatzwort | Passt bei | Unterschied |
|---|---|---|
| bedauernswert | Notlagen und leidenden Personen | Lenkt deutlicher auf Mitgefühl und weniger auf Verachtung. |
| miserabel | schlechter Qualität und unzureichenden Leistungen | Bewertet das Ergebnis, nicht notwendig einen Charakter. |
| verachtenswert | moralisch stark abgelehntem Verhalten | Macht das harte Werturteil ausdrücklich. |
| dürftig | schwachen Begründungen oder knappen Ergebnissen | Wirkt sachlicher und weniger vernichtend. |
Wörter im Satz vergleichen
Die folgenden Satzpaare sind eigene Sprachbeispiele.
Ausgangssatz: „Nach dem Sturm befindet sich die Unterkunft in erbärmlichem Zustand.“
Alternative: „Nach dem Sturm befindet sich die Unterkunft in miserablem Zustand.“
Beide Sätze bezeichnen eine sehr schlechte Lage. Erbärmlich kann zusätzlich das Mitleid mit den Menschen ansprechen, die darin leben müssen.
Ausgangssatz: „Seine Erklärung für das fehlende Geld ist erbärmlich.“
Alternative: „Seine Erklärung für das fehlende Geld ist dürftig.“
Dürftig kritisiert die geringe Überzeugungskraft nüchterner. Erbärmlich wertet deutlich schärfer und kann Verachtung gegenüber dem Versuch ausdrücken, sich herauszureden.
Hier passt der Austausch nicht: Wer erbärmlich friert, handelt nicht verachtenswert. In dieser Verbindung verstärkt erbärmlich das Ausmaß des Frierens. Ein Ersatz muss deshalb etwa „sehr stark frieren“ lauten und darf kein moralisches Urteil hinzufügen.
Bei Personen sind Lage und Verhalten besonders sorgfältig zu trennen. „Sie lebt unter erbärmlichen Bedingungen“ beschreibt belastende Umstände; „Sie ist erbärmlich“ kann die Person herabsetzen. In einer Charakterisierung sollte das Urteil einer Perspektive zugeordnet und durch eine konkrete Handlung begründet werden, statt Not oder Hilflosigkeit als moralischen Mangel darzustellen.
Weitere Abgrenzungen: Ähnliche Wörter unterscheiden
- Bedauernswert
- Lenkt den Blick deutlicher auf das Mitgefühl mit einer Person oder Lage. Erbärmlich kann zusätzlich Verachtung ausdrücken.
- Erbarmungslos
- Beschreibt fehlendes Erbarmen beim Handeln. Erbärmlich kann dagegen das erlittene Elend, schlechte Qualität oder ein moralisch verurteiltes Verhalten bezeichnen.
Schreibung und Grammatik
Die Formen lauten erbärmlich, erbärmlicher und am erbärmlichsten. Attributiv steht etwa eine erbärmliche Ausrede oder ein erbärmlicher Zustand. In „Er fror erbärmlich“ verstärkt das unveränderte Wort das Verb. Das Substantiv Erbärmlichkeit kann den Zustand oder die als verachtenswert empfundene Art eines Verhaltens benennen.
Wie Adjektive gebeugt und im Satz verwendet werden, erklärt die Übersicht der Adjektive.
Beugung von erbärmlich
Eine erbärmliche Lage kann Mitleid wecken. Eine erbärmliche Ausrede wird dagegen als unzureichend verurteilt; die Wertungsrichtung erschließt sich aus dem Zusammenhang.
Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.
Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
| Fall | Maskulin Singular | Feminin Singular | Neutrum Singular | Plural alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | erbärmlicher | erbärmliche | erbärmliches | erbärmliche |
| Genitiv | erbärmlichen | erbärmlicher | erbärmlichen | erbärmlicher |
| Dativ | erbärmlichem | erbärmlicher | erbärmlichem | erbärmlichen |
| Akkusativ | erbärmlichen | erbärmliche | erbärmliches | erbärmliche |
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
| Fall | Maskulin Singular | Feminin Singular | Neutrum Singular | Plural alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | erbärmliche | erbärmliche | erbärmliche | erbärmlichen |
| Genitiv | erbärmlichen | erbärmlichen | erbärmlichen | erbärmlichen |
| Dativ | erbärmlichen | erbärmlichen | erbärmlichen | erbärmlichen |
| Akkusativ | erbärmlichen | erbärmliche | erbärmliche | erbärmlichen |
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
| Fall | Maskulin Singular | Feminin Singular | Neutrum Singular | Plural alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | erbärmlicher | erbärmliche | erbärmliches | erbärmlichen |
| Genitiv | erbärmlichen | erbärmlichen | erbärmlichen | erbärmlichen |
| Dativ | erbärmlichen | erbärmlichen | erbärmlichen | erbärmlichen |
| Akkusativ | erbärmlichen | erbärmliche | erbärmliches | erbärmlichen |
Herkunft und Wortbildung
Ältere Formen sind althochdeutsch erbarmelīh und das mittelhochdeutsche Adverb erbermelīche. Der Zusammenhang mit Erbarmen ist in der Bedeutung des Mitleiderregenden noch erkennbar. Die heutigen Qualitäts- und Werturteile müssen dennoch jeweils aus dem Gebrauch erklärt werden.
Verwendung in einer Charakterisierung
„Die Erzählerin bewertet die Ausflüchte des Vaters als erbärmlich; insbesondere sein Versuch, die Schuld auf das Kind abzuwälzen, erklärt ihre Verachtung.“ So wird das starke Wertwort einer Perspektive und einer konkreten Handlung zugeordnet. Eine eigene Analyse sollte nicht unbesehen „Er ist erbärmlich“ übernehmen. Sie kann genauer unterscheiden, ob die Figur hilflos, moralisch rücksichtslos oder in einer bestimmten Aufgabe erfolglos erscheint.
Weitere Hinweise zu Beobachtung, Textbeleg und Deutung bietet die Anleitung zur Charakterisierung.
