Meine Wörter

faul

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
faul
Worttrennung
faul
Komparativ
fauler
Superlativ
am faulsten

Steigerung ohne Umlaut. Fehlender Antrieb, verdorbenes Material und ein fragwürdiger Vorgang sind verschiedene Bedeutungen; zu faul zu etwas nennt die vermiedene Tätigkeit.

Formen und Verwendung im Detail

Faul bezeichnet bei Menschen eine mangelnde Bereitschaft, sich anzustrengen oder tätig zu werden. Daneben bedeutet es verdorben sowie übertragen zweifelhaft oder nicht in Ordnung.

Was bedeutet faul?

Wer jemanden faul nennt, wirft ihm gewöhnlich vor, Arbeit oder Mühe zu vermeiden. Das Wort bewertet damit nicht nur eine beobachtete Ruhe, sondern unterstellt eine fehlende Bereitschaft zur Tätigkeit. Gerade deshalb sollte genauer erkennbar sein, welche Aufgabe die Person übernehmen könnte und weshalb ihr Verhalten als Ausweichen beurteilt wird.

Nicht jede geringe Aktivität ist Faulheit. Erschöpfung, fehlende Mittel oder eine bewusst eingelegte Pause können erklären, warum jemand gerade nichts tut. Auch langsames Arbeiten beweist keine mangelnde Anstrengung. In einer genauen Beschreibung ist „Sie lässt ihre zugesagte Aufgabe wiederholt von anderen erledigen“ aussagekräftiger als das pauschale Etikett faul.

Das Wort besitzt weitere Bedeutungen. Faules Obst ist verdorben. Eine faule Ausrede erscheint unglaubwürdig, ein fauler Kompromiss bedenklich oder unbefriedigend. Dagegen kann ein fauler Nachmittag scherzhaft eine angenehm untätige Zeit meinen. Der Ausdruck „nicht faul“ bedeutet in Erzählungen häufig, dass jemand ohne Zögern reagiert. Das jeweilige Bezugswort und der Ton entscheiden über diese Unterschiede.

Drei Beispiele für faul

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Obwohl Nils Zeit hatte und die Aufgabe kannte, ließ er die vereinbarte Arbeit erneut von den anderen erledigen; sie nannten sein Verhalten faul.“

Der Vorwurf wird durch die geschilderte Möglichkeit und das wiederholte Abschieben nachvollziehbar. Trotzdem bleibt er als Bewertung der anderen erkennbar.

„Nach den anstrengenden Umzugstagen verbrachten sie einen faulen Sonntag auf dem Balkon.“

Die Bezeichnung ist hier leicht und selbstironisch. Sie beschreibt eine Ruhephase, ohne eine dauerhafte Arbeitshaltung festzulegen.

„Seine Ausrede, der Bus sei ausgefallen, wirkte faul, nachdem mehrere Mitfahrer pünktlich angekommen waren.“

Faul betrifft die Glaubwürdigkeit der Erklärung. Der Satz behauptet nicht, dass der Sprecher körperlich träge war.

Synonyme für faul: passend zum Zusammenhang

Faul kann mangelnde Bereitschaft zur Anstrengung, verdorbene Dinge oder eine zweifelhafte Erklärung bezeichnen. Die Alternative muss diese Bedeutungen trennen. Bei Menschen enthält das Wort meist einen Vorwurf gegen den Willen. Bloße Ruhe oder langsames Arbeiten beweisen diesen Vorwurf noch nicht.

Wortalternativen und ihre Unterschiede
ErsatzwortPasst beiUnterschied
trägegeringer Aktivität und langsamem IngangkommenBeschreibt stärker einen Zustand oder ein Tempo.
bequemdem Vermeiden unnötig erscheinender MüheBetont die Vorliebe für einen leichten Weg.
verdorbenLebensmitteln mit schädigender VeränderungPasst zum sachlichen Zustand von Speisen.
unglaubwürdigAusreden und zweifelhaften ErklärungenBezeichnet die übertragene Kritik an der Glaubhaftigkeit.

Wörter im Satz vergleichen

Die folgenden Satzpaare sind eigene Sprachbeispiele.

Ausgangssatz: „Er lässt seine vereinbarte Aufgabe aus Faulheit von anderen erledigen.“
Alternative: „Er lässt seine vereinbarte Aufgabe aus Bequemlichkeit von anderen erledigen.“

Bequemlichkeit hebt hervor, dass er sich die Mühe ersparen möchte. Beide Formulierungen schreiben ein Motiv zu; dieses sollte durch die geschilderte Möglichkeit und sein Verhalten gestützt sein.

Ausgangssatz: „Die Ausrede mit dem angeblich ausgefallenen Bus wirkt faul.“
Alternative: „Die Ausrede mit dem angeblich ausgefallenen Bus wirkt unglaubwürdig.“

Hier betrifft die Kritik die Erklärung. Unglaubwürdig macht diesen Sinn ausdrücklich und verhindert die Verwechslung mit geringer körperlicher Aktivität.

Hier passt der Austausch nicht: Erschöpft ist kein gleichbedeutender Ersatz für faul. Wer nach großer Belastung keine Kraft mehr hat, kann weiterhin helfen wollen. Fehlendes Können im Moment und fehlende Bereitschaft sind unterschiedliche Aussagen.

Ein fauler Sonntag kann scherzhaft eine erholsame Ruhephase meinen, ohne eine dauerhafte Arbeitshaltung zu kritisieren. Die Wendung „nicht faul“ beschreibt dagegen häufig eine schnelle Reaktion. Bei Obst steht der Zustand im Vordergrund. Ein Synonym aus der Personenbeschreibung wäre dort unpassend; ein fauler Apfel ist kein bequemer Apfel.

Weitere Abgrenzungen: Ähnliche Wörter unterscheiden
Träge
Betont geringe Beweglichkeit oder langsames Ingangkommen. Es kann einen Zustand beschreiben, während faul oft die Bereitschaft zur Anstrengung bewertet.
Erschöpft
Bezeichnet fehlende Kraft nach Belastung. Aus fehlender Kraft darf nicht ohne Weiteres fehlender Wille abgeleitet werden.
Bequem
Kann eine Vorliebe für geringe Mühe ausdrücken und dann nahe liegen. Es beschreibt aber auch angenehme Gegenstände oder Lebensumstände, die mit Faulheit nichts zu tun haben.

Schreibung und Grammatik

Die Steigerung lautet fauler, am faulsten, ohne Umlaut. Formen sind ein fauler Tag, eine faule Ausrede und faules Holz. Zur Personenbedeutung gehört Faulheit, zur Zersetzung Fäulnis; Fäule wird ebenfalls für entsprechende Zersetzungserscheinungen gebraucht. Die Verbindung zu faul zum Aufräumen nennt, welche Tätigkeit vermieden wird.

Die Übersicht zu Adjektiven erklärt Beugung und Verwendung im Satz.

Beugung von faul

Ein fauler Apfel ist verdorben. Eine faule Ausrede kann als fragwürdig gelten; einen Menschen faul zu nennen unterstellt hingegen mangelnde Bereitschaft zur Tätigkeit.

Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativfaulerfaulefaulesfaule
Genitivfaulenfaulerfaulenfauler
Dativfaulemfaulerfaulemfaulen
Akkusativfaulenfaulefaulesfaule
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativfaulefaulefaulefaulen
Genitivfaulenfaulenfaulenfaulen
Dativfaulenfaulenfaulenfaulen
Akkusativfaulenfaulefaulefaulen
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativfaulerfaulefaulesfaulen
Genitivfaulenfaulenfaulenfaulen
Dativfaulenfaulenfaulenfaulen
Akkusativfaulenfaulefaulesfaulen

Herkunft und Wortbildung

Vorformen sind mittelhochdeutsch vūl und althochdeutsch fūl mit einem ursprünglichen Bezug auf modrigen oder schlechten Geruch. Auch die übertragene Bedeutung der Trägheit ist dort bereits für das Mittelhochdeutsche belegt. Die heutigen sachlichen und personenbezogenen Verwendungen haben sich deutlich auseinanderentwickelt.

Verwendung in einer Charakterisierung

Ein eigener Beleg: „Tobias erklärt, die Arbeit sei ihm zu mühsam, und überlässt seinen vereinbarten Anteil trotz vorhandener Zeit den anderen; hier zeigt er eine faule Haltung.“ Die Deutung stützt sich auf Aussage und Handlung. Zeigt die Erzählung dagegen Überlastung, wäre ein unveränderter Faulheitsvorwurf dem dargestellten Sachverhalt nicht angemessen.

Wie sich Textbeleg und Deutung verbinden lassen, erklärt die Anleitung zum Schreiben einer Charakterisierung.

Faul in der Übersicht der Charaktereigenschaften