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gemütlich

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
gemütlich
Worttrennung
ge·müt·lich
Komparativ
gemütlicher
Superlativ
am gemütlichsten

Steigerung kann Behaglichkeit, Geselligkeit oder ruhiges Tempo betreffen. Ein gemütlicher Abend beschreibt den Abend und nicht automatisch den Charakter der beteiligten Person.

Formen und Verwendung im Detail

Gemütlich beschreibt eine behagliche Atmosphäre, ungezwungene Geselligkeit oder ein ruhiges Tempo; bei Menschen bedeutet es auch freundlich und angenehm umgänglich.

Was bedeutet gemütlich?

Ein gemütlicher Raum vermittelt Behaglichkeit: Man hält sich gern darin auf und fühlt sich wenig unter Druck. Dabei ist Gemütlichkeit kein festes Einrichtungsmerkmal. Eine schlichte Küche kann im Text ebenso gemütlich wirken wie ein reich ausgestattetes Wohnzimmer. Entscheidend ist der beschriebene Eindruck, den Wärme, Licht, Sitzgelegenheiten oder der Umgang miteinander erzeugen.

Bei Zusammenkünften meint gemütlich häufig zwanglose Geselligkeit. Ein gemütlicher Abend kann Raum für Gespräche und ein entspanntes Zusammensein lassen. Auf eine Person bezogen beschreibt das Adjektiv eine freundliche, umgängliche Art, die den Kontakt angenehm macht. Diese Bedeutung sollte nicht mit einer kritischen Bezeichnung für das Meiden jeder Anstrengung verwechselt werden.

Daneben kann gemütlich ein gemächliches Tempo ausdrücken. Wer gemütlich geht, lässt sich Zeit. Je nach Situation klingt das anerkennend, neutral oder leicht kritisch: Ein gemütlicher Spaziergang passt zu einem freien Nachmittag, ein allzu gemütliches Vorgehen vielleicht nicht zu einer dringenden Aufgabe. Der Kontext entscheidet, ob die Ruhe als angenehm oder als störend bewertet wird.

Drei Beispiele für gemütlich

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Die kleine Küche wirkte gemütlich, weil warmes Licht auf den gedeckten Tisch fiel und alle dicht beieinandersaßen.“

Das Beispiel beschreibt eine behagliche Atmosphäre durch konkrete Eindrücke. Größe oder teure Ausstattung sind dafür nicht ausschlaggebend.

„Der Nachbar war ein gemütlicher Mensch: Er begrüßte Besuch freundlich, hörte geduldig zu und machte aus kleinen Pannen kein Aufheben.“

Die Personenbeschreibung wird durch einen umgänglichen Kontaktstil begründet. Der Satz sagt nichts über seine Arbeitsbereitschaft aus.

„Am freien Nachmittag gingen sie gemütlich am Fluss entlang und blieben an jeder Bank kurz stehen.“

Die Handlung erfolgt ohne Eile. Die freie Zeit macht verständlich, weshalb das geringe Tempo hier als angenehm erscheint.

Synonyme für gemütlich: passend zum Zusammenhang

Gemütlich passt zu einem behaglichen Raum, einer zwanglosen Zusammenkunft oder einem ruhigen Tempo. Bei Menschen kann es eine angenehm umgängliche Art beschreiben. Diese Bedeutungen überschneiden sich, sind aber nicht gleich: Eine gemütliche Wohnung sagt noch nichts über das Verhalten ihrer Bewohner aus.

Welcher Ausdruck passt zu deiner Aussage?
AlternativePassender ZusammenhangBedeutungsunterschied
behaglichEin Ort oder eine Situation vermittelt Wohlbefinden.Hebt das angenehme Erleben hervor; Geselligkeit ist dafür nicht erforderlich.
geselligEin Treffen oder eine Person ist auf angenehmen Kontakt ausgerichtet.Betont das Zusammensein, das durchaus lebhaft und laut sein kann.
gemächlichEine Bewegung oder Tätigkeit erfolgt ohne Eile.Bezeichnet vor allem das Tempo, nicht automatisch eine behagliche Atmosphäre.

Eigene Satzbeispiele: Was ändert sich?

Ausgangssatz: „Unter dem Dach haben wir eine gemütliche Leseecke eingerichtet.“

Alternative: „Unter dem Dach haben wir eine behagliche Leseecke eingerichtet.“

Behaglich trifft hier den angenehmen Aufenthalt. Ob man dort allein sitzt oder mit anderen spricht, bleibt in beiden Sätzen offen.

Ausgangssatz: „Die Gäste schlendern gemütlich zur Haltestelle.“

Alternative: „Die Gäste schlendern gemächlich zur Haltestelle.“

Gemächlich konzentriert sich auf das geringe Tempo. Gemütlich kann darüber hinaus vermitteln, dass die Gäste den Weg genießen.

Nicht gleichbedeutend: Bequem ist bei Möbeln ein Nachbarwort, bei Personen aber leicht ein Vorwurf: Ein bequemer Mensch vermeidet möglicherweise Anstrengung. Ein gemütlicher Mensch kann dagegen freundlich und ruhig auftreten und trotzdem sehr zuverlässig arbeiten.

Beim Formulieren: „Sich gemütlich zusammensetzen“ lässt sich mit „in zwangloser Runde zusammensitzen“ erläutern. Durch die zusätzliche Formulierung wird deutlich, dass eine Atmosphäre und keine langsame Sitzbewegung gemeint ist.

In einer Beschreibung helfen Sinneseindrücke: gedämpftes Licht, ein warmer Platz oder ungestörte Gespräche. Welcher dieser Eindrücke die Gemütlichkeit erzeugt, bestimmt auch, ob behaglich, gesellig oder entspannt das treffendere Wort ist.

Weitere Abgrenzungen: Ähnliche Wörter unterscheiden
bequem
Kann körperlichen Komfort beschreiben, bei Menschen aber Anstrengungsvermeidung kritisieren. Ein gemütlicher Mensch ist nicht automatisch bequem in diesem kritischen Sinn.
gelassen
Betont die bewahrte innere Ruhe, besonders bei Schwierigkeiten. Gemütlich kann zusätzlich freundliche Geselligkeit oder räumliche Behaglichkeit meinen.
gemütvoll
Bezieht sich auf empfindsames, gefühlvolles Wesen oder dessen Ausdruck. Trotz der gemeinsamen Wortfamilie ist damit nicht dieselbe Behaglichkeit gemeint.

Schreibung und Grammatik

Die Form enthält den Stamm Gemüt und die Endung -lich: gemütlich. Beispiele sind ein gemütlicher Abend und eine gemütliche Runde. Die Steigerung lautet gemütlicher, am gemütlichsten. Das Substantiv heißt Gemütlichkeit. In sich einen gemütlichen Abend machen bezieht sich das Adjektiv auf den Abend, nicht auf die handelnde Person.

Die Übersicht zu Adjektiven erklärt Beugung und Verwendung im Satz.

Beugung von gemütlich

Ein gemütlicher Abend kann behaglich und gesellig sein. Bei einem gemütlichen Tempo wird dagegen die ruhige Geschwindigkeit beschrieben; beide Verwendungen werden gleich gebeugt.

Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativgemütlichergemütlichegemütlichesgemütliche
Genitivgemütlichengemütlichergemütlichengemütlicher
Dativgemütlichemgemütlichergemütlichemgemütlichen
Akkusativgemütlichengemütlichegemütlichesgemütliche
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativgemütlichegemütlichegemütlichegemütlichen
Genitivgemütlichengemütlichengemütlichengemütlichen
Dativgemütlichengemütlichengemütlichengemütlichen
Akkusativgemütlichengemütlichegemütlichegemütlichen
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativgemütlichergemütlichegemütlichesgemütlichen
Genitivgemütlichengemütlichengemütlichengemütlichen
Dativgemütlichengemütlichengemütlichengemütlichen
Akkusativgemütlichengemütlichegemütlichesgemütlichen

Herkunft und Wortbildung

Die mittelhochdeutschen Formen gemüetlich und gemuotlich gehören zu Gemüt und konnten angenehm bedeuten. Auch heute verbindet gemütlich ein angenehmes Erleben mit verschiedenen Gegenständen: Räume wirken behaglich, Zusammenkünfte ungezwungen und Wege können in ruhigem Tempo zurückgelegt werden.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Beleg: Die Figur empfängt den unerwarteten Besuch ohne Umstände, lädt zum Sitzen ein und führt das Gespräch mit freundlicher Ruhe weiter. Das kann eine gemütliche Art im Umgang zeigen. Eine behagliche Wohnung allein belegt dagegen zunächst die Gestaltung des Wohnraums und nicht automatisch die Persönlichkeit ihres Besitzers.

Wie sich Textbeleg und Deutung verbinden lassen, erklärt die Anleitung zum Schreiben einer Charakterisierung.

Gemütlich in der Übersicht der Charaktereigenschaften